Die Kraft Gottes

Die Kraft Gottes

Der Körper Gottes besteht nicht aus materiellen Elementen wie Protonen, Neutronen, Atomen usw., die sich zu Fleisch, Blut, Sehnen, Knochen, Schleim, Urin und Kot zusammensetzen. Er ist ewiges überall gegenwärtiges Sein (sat), Er ist wahres unbegrenztes Wissen (cit), in dessen Erkenntniskraft alles andere Wissen gründet und Er ist ständig anwachsende Glückseligkeit (ananda), die Quelle aller Freude. Sein Körper wird als Cit-Körper bezeichnet, da er völlig frei von jeglicher materieller Substanz ist.

Gottes Gestalt wird (acintya rupa) genannt, unbegreifliche, unvorstellbare Form. Acintya bezieht sich auf das, was sich jenseits der materiellen Welt befindet, das unsere Argumentation, unsere Logik und unsere philosophische Spekulation übersteigt. Zwischen Gott Selbst und Seinem transzendentalen Körper besteht kein Unterschied, sie sind identisch. Hier in der materiellen Welt müssen wir zwischen Atma und Körper unterscheiden. Doch Krsnas Körper ist voll und ganz Atma, ohne eine Spur von Materie. Und jeder individuelle Atma, der in Gottes Reich erhoben wird, erhält einen ähnlichen unvergänglichen Körper.

Krsnas Körper ist eine Gestalt von klarer Kontur und Form, und dennoch ist er unbegrenzt von Raum und Zeit. Die Bhagavad-gita (8.9) erklärt:

“Man sollte über die höchste Person denken als denjenigen, der alles weiss, der der Älteste ist, der Meister und Beherrscher von allem, der kleiner als das Kleinste ist, jenseits aller materiellen Vorstellungen und völlig unbegreiflich, und der immer eine Person ist. Er ist leuchtend wie die Sonne, und Er ist transzendental, jenseits der materiellen Natur.”

Seine Gestalt beinhaltet sechs Füllen, die in unendlichem Mass vorhanden sind:

Sri: Seine unendliche Schönheit und Lieblichkeit und unbekümmerte Ausgelassenheit.

Virya: Seine unendliche Kraft.

Aisvarya: Seine unvorstellbare Allmacht und Majestät.

Yasah: Sein unbegrenzter Ruhm.

Vairagya: Seine Kraft der Entsagung und Unparteilichkeit.

Jnana: Sein Allwissen.

Sri ist die Haupteigenschaft. Jede der vielen Seinsweisen Krsnas besitzt diese sechs göttlichen Füllen. Doch in der jeweiligen Manifestation treten manche von ihnen besonders hervor und die anderen zurück.

Wenn in Krsna Seine unerhörte Allmacht und Majestät vorherrscht, offenbart Er sich als vierarmiger Narayana, der in Seinen Händen Muschel, Lotos, Keule und Feuerrad hält. Wenn in Krsna Seine Allmacht und Seine Anmut und Lieblichkeit sich harmonisch die Waage halten, offenbart Er sich als Sri Rama.

Wenn in Krsna Seine unendliche Kraft und Seine Allwissenheit besonders hervortreten, offenbart Er sich als Narasinha, die mächtige menschliche Gestalt mit Löwenkopf.

Wenn in Krsna Sein Allwissen und Seine Unparteilichkeit sowie Entsagung dominieren, offenbart Er Sich als Siva. (Srila Bhaktisiddhanta Thakura erklärt, dass Siva eigentlich nicht zur Kategorie Visnus [Gott] gehört. Er gehört aber auch nicht zu den Lebewesen [Atmas]. Siva [Sambhu] ist auch nicht eine zweite von Sri Krsna verschiedene Gottheit. Die Oberhoheit Sivas ist derjenigen Krsnas dienstbar; deshalb sind sie nicht wirklich verschieden voneinander. Die Gleichheit gründet in der Tatsache, dass, ähnlich wie sich mit Säure behandelte Milch in Yoghurt verwandelt, der Herr ein Diener wird, wenn Er Selber, durch das Beifügen eines besonderen Elements der Verfälschung, zu einer getrennten [von Ihm verschiedenen] Persönlichkeit wird. Diese Persönlichkeit hat keine unabhängige Initiative. Das besagte verfälschende Prinzip wird aus einer Mischung der betäubenden Eigenschaft der täuschenden Energie [Maya-Sakti], der Eigenschaft der Füllenlosigkeit der mittleren Kraft [Brahman] sowie einem schwachen Grad des ekstatischen sich steigernden Erkenntnisprinzips der vollständigen spirituellen Kraft [Cit-sakti] gebildet. Diese besondere verfälschte Reflektion, des Prinzips des in Ihm [Krsna] begründeten Teils der Göttlichkeit, ist Sadasiva, in der Form des leuchtenden Gottes Siva, von dem Rudradeva manifestiert wird. Siva kann nicht als Jiva [gewöhnliche Seele] angesehen werden. Er ist der Herr der Jivas, aber trotzdem besitzt er die Natur eines gesonderten Teils Krsnas [das Sri Krsna untergeordnet ist].

Gemäss Bh.r.s. besitzt die reine Seele [Atma] 50 von 64 göttlichen Haupteigenschaften. Fünf weitere Eigenschaften, die von den Jivas nicht erreicht werden können, finden sich jedoch in Siva. Visnu oder Narayana besitzt 60 und allein Sri Krsna ist der Besitzer als auch der Ursprung aller 64 göttlichen Haupteigenschaften, die in unbegrenzter Tiefe in Ihm zu finden sind [Siehe dazu auch 4. Kap.]. Siva gilt zudem auch als der grösste Bhakta oder Gottgeweihte.)

Wenn in Krsna Seine Schönheit und Lieblichkeit durch Gottesmajestät leicht gedämpft ist, offenbart Er Sich als Vasudeva-Krsna; es ist derjenige Krsna, der ewiglich in Seinem unzerstörbaren grenzenlosen Reich Dvaraka weilt und dessen Taten auf Erden im Mahabharatam und im Bhagavatam geschildert werden.

Wenn in Krsna jedoch Seine unendliche Schönheit und Lieblichkeit und unbekümmerte Ausgelassenheit ganz unverhüllt leuchten, so dass die anderen fünf grossen Gottesfüllen, die immer in Ihm vorhanden sind, gar nicht zum Ausdruck kommen, dann offenbart Er Sich als der Krsna von Goloka-Vrindavana, jener unendlichen Cit-Welt, die als das innerste aller Gottesreiche angesehen wird.

In vielen Tempeln in Indien wird dieser Sri Krsna dargestellt als ein ewig jugendfrischer Jüngling, der die Flöte spielt. Zu Seiner Linken steht Radha, die Macht Seiner Liebe in Cit-Gestalt, die Ihm ewiglich dient. Sie ist die zu Ihm gehörende Sakti (die Kraft unendlicher Liebe), die Seine eigene Gottesfülle erst zur Fülle macht.

So wie Gott in allen Seinen ewigen Manifestationen doch stets der EINE ist, so ist auch Seine unendliche Kraft, Seine Sakti von Seinem Blickpunkt her EINE Kraft. Vom Menschen her gesehen kann man jedoch mit Hilfe der Schriften Kräfte dreifacher Art erkennen.