Wissen der transzendenten Astronomie – Astrologie genannt -, der transzendenten

Chemie – Alchimie genannt -, der transzendenten Psychologie – mystische

Psychologie genannt -, besaßen. Sie besaßen sowohl die innere wie auch die

äußere Wissenschaft, welch letztere allein der modernen Wissenschaft bekannt ist.

Einer der vielen geheimen Zweige des hermetischen Wissens, die mentale

Transmutation, bildet den Gegenstand dieser Lektion.

“Transmutation” ist ein Ausdruck, der gewöhnlich als Bezeichnung der alten

Kunst von der Verwandlung der Metalle gebraucht wird – hauptsächlich der

Verwandlung niederer Metalle in Gold.

Das Wort “Transmutation” bedeutet ” von einer Natur, Form oder Substanz in eine

andere verändern, umformen” (Webster). Daher bedeutet “mentale Transmutation”

die Kunst, mentale Zustände, Formen, Beschaffenheit in andere umzuwandeln,

umzuformen. So könnt ihr sehen, dass mentale Transmutation die Kunst “mentaler

Alchimie” ist, wenn euch dieser Ausdruck zusagt eine Form praktischer

Psychologie.

Aber dies bedeutet weit mehr als das, was uns bei oberflächlicher Betrachtung

erscheint. Transmutation, Alchimie oder Chemie auf dem mentalen Plan ist in

ihren Wirkungen sicherlich wichtig genug, dass, wenn auch die Kunst hier zu

Ende wäre, sie immer noch eine der wichtigsten Zweige menschlicher Forschung

wäre. Aber es ist nur der Anfang. Sehen wir weiter!

Das erste der sieben hermetischen Prinzipien ist das Prinzip des Mentalismus,

dessen Axiom sagt: “Das All ist Mind, das Universum ist mental.” Das bedeutet,

dass die wesentliche Wirklichkeit, die dem Universum unterliegt, Mind ist; dass

das Universum mental ist, das heißt, im Mind das All existiert. Wir werden das

Prinzip in den folgenden Lektionen besprechen, für jetzt wollen wir es als wahr

ansehen und seine Wirkungen betrachten.

Wenn das Universum seiner Natur nach mental ist, dann muss mentale

Transmutation die Kunst sein, die Konditionen (Zustände, Beschaffenheit) des

Universums zu verändern in Bezug auf Materie, Kraft und Mind. Man sieht daher,

dass mentale Transmutation wirklich die Magie ist, von der die alten Schriftsteller

in ihren mystischen Werken so viel zu sagen haben, aber nur so wenig praktische

Unterweisung geben. Wenn alles mental ist, dann muss die Kunst, die ihn befähigt,

mentale Zustände zu transmutieren, den Meister zum Herrscher über materielle

ebenso wohl wie auch über gewöhnlich mental genannte Zustände machen.

Tatsache ist, dass nur vorgeschrittene mentale Alchimisten den Grad der Macht

erlangen konnten, der notwendig ist, die gröberen physikalischen Zustände zu

beherrschen, über die Elemente der Natur zu gebieten, Gewitter und Erdbeben und

andere große physikalische Phänomene hervorzurufen und aufhören zu lassen.

Dass aber solche Männer lebten und noch heute leben, wird von allen

vorgeschrittenen Okkultisten aller Schulen ernstlich geglaubt. Die besten Lehrer

versichern ihren Schülern, dass die Meister leben und diese Kräfte besitzen, da sie

selbst Erfahrungen gemacht haben, die einen solchen Glauben und solche

Behauptungen rechtfertigen. Diese Meister zeigen ihre Macht nicht öffentlich,

sondern suchen die Einsamkeit, um besser auf ihrem Pfade der Vervollkommnung

(attainment) wirken zu können. Wir erwähnen ihre Existenz jetzt nur, um euere

Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, dass ihre Macht vollständig mental

ist und nach der höheren mentalen Transmutation wirkt, in Übereinstimmung mit

dem hermetischen Prinzip der Mentalität: “Das Universum ist mental” (Das

Kybalion).

Schüler und Hermetiker niederen Grades aber – die Eingeweihten und Lehrer –

können auf dem mentalen Plan frei wirken, in mentaler Transmutation. Alles, was

wir “psychische Phänomene”, “mentale Beeinflussung”, “mentale Wissenschaft”,

“neugedankliche Phänomene” usw. nennen, wirkt tatsächlich die gleichen

allgemeinen Richtlinien entlang; denn in allen Phänomenen wie sie auch heißen

mögen – wirkt nur ein Prinzip. Der Schüler und Ausübende der mentalen

Transmutation arbeitet auf dem mentalen Plan, indem er mentale Bedingungen,

Zustände usw. in andere umwandelt, nach verschiedenen, mehr oder weniger

wirksamen Prinzipien. Die verschiedenen “Behandlungen”, “Behauptungen”,

“Verneinungen” usw. der mentalwissenschaftlichen Schulen sind nur – oft ganz

unvollkommene und unwissenschaftliche – Formeln der hermetischen Kunst. Die

Mehrzahl der modernen Gelehrten ist im Vergleich zu den alten Meistern ganz

unwissend, denn ihnen fehlen die fundamentalen Kenntnisse, auf denen das Werk

ruht.

Durch die hermetischen Methoden kann man nicht nur seine eigenen mentalen

Zustände usw. verändern oder transmutieren, sondern auch die Zustände anderer.

Dies letztere geschieht meist unbewusst, doch manchmal bewusst durch

Menschen, welche die Gesetze und Prinzipien verstehen, in Fällen, in denen die

betroffenen Leute von den Prinzipien des Selbstschutzes nicht unterrichtet sind. Ja,

noch mehr, vielen Schülern und Ausübenden der modernen mentalen Wissenschaft

ist es bekannt, dass jeder materielle Zustand, der von den Minds anderer Leute

abhängt, verändert oder transmutiert werden kann in Übereinstimmung mit dem

ernsten Wunsch, Willen und der “Behandlung” derjenigen Person, die veränderte

Lebensbedingungen wünscht. Diese Tatsachen sind aber heute so allgemein

bekannt, dass wir es nicht für notwendig erachten, sie lange zu besprechen. Wir

wollen jetzt nur zeigen, dass hermetisches Prinzip und hermetische Kunst all

diesen verschiedenartigen Formen der Praxis unterliegt, sei die Praxis gut oder

böse; denn nach dem hermetischen Prinzip der Polarität kann die Kraft in

entgegengesetzten Richtungen angewendet werden.

In diesem kleinen Buch werden wir die Grundprinzipien mentaler Transmutation

darlegen, so dass alle, welche es lesen, die zugrundeliegenden Prinzipien erfassen

mögen und so den Meister-Schlüssel besitzen, welcher die zahlreichen Tore des

Polaritätsprinzips erschließen wird.

Wir werden nun das erste der sieben Hermetischen Prinzipien betrachten, das

Prinzip der Mentalität, in welchem nach den Worten im Kybalion die Wahrheit

erklärt wird, dass “das All Mind ist, das Universum mental ist”. Wir fordern von

unseren Schülern große Aufmerksamkeit und sorgfältiges Studium dieses großen

Prinzips, weil es tatsächlich das Grundprinzip der ganzen hermetischen

Philosophie und der hermetischen Kunst mentaler Transmutation ist.

Das All

“Unter und hinter dem Universum von Zeit, Raum und Wechsel kann man

die substantielle Wirklichkeit, die fundamentale Wahrheit finden.”

Das Kybalion

“Substanz” bedeutet: “das, was allen äußeren Erscheinungen zugrunde

liegt; die wesentliche Wirklichkeit; das Ding an sich” usw. “Substantiell”

bedeutet: “wirklich existierende das wesentliche Element zu sein; wirklich

zu sein” usw. “Wirklichkeit” bedeutet: “der Zustand wirklichen Seins; wahr,

dauernd, gültig, festgesetzt; beständig; gegenwärtig” usw. Unter und

hinter allen äußeren Erscheinungen und Manifestationen muss es immer

substantielle Wirklichkeit geben. Dies ist das Gesetz. Wenn der Mensch

das Universum, von dem er ein Teil (unit) ist, betrachtet, sieht er nichts als

Wechsel in der Materie, den Kräften und den mentalen Zuständen. Er

sieht, dass nichts wirklich “ist”, sondern alles werdend und wechselnd.

Nichts steht still – alles wird geboren, wächst, stirbt – im selben Moment,

da ein Ding seinen Höhepunkt erreicht, beginnt schon sein Verfall – das

Gesetz vom Rhythmus wirkt beständig – es gibt keine Wirklichkeit,

andauernde Eigenschaft, Festigkeit oder Wesentlichkeit – nichts ist

beständig als nur der Wechsel. Er sieht, dass alles sich aus anderen

Dingen entwickelt und sich in anderen Dingen auflöst – fortwährende

Aktion und Reaktion; Einfließen und Ausfließen, Aufbauen und

Niederreißen; Schöpfung und Zerstörung; Geburt, Wachstum und Tod.

Nichts dauert an als nur der Wechsel. Und wenn er ein denkender

Mensch ist, erkennt er, dass alle diese wechselnden Dinge nur äußere

Erscheinungen oder Manifestationen irgendeiner zugrundeliegenden

Macht – einer substantiellen Wirklichkeit sein können.

Alle Denker aller Länder und aller Zeiten haben angenommen, dass es

notwendig ist, die Existenz dieser substantiellen Wirklichkeit

vorauszusetzen. Alle Philosophien, die ihres Namens wert sind, waren auf

diesem Gedanken aufgebaut. Die Menschen haben dieser substantiellen

Wirklichkeit viele Namen gegeben – manche nannten sie Gottheit (mit

vielen anderen Titeln); andere nannten sie die unendliche und ewige

Energie; andere versuchten sie Materie zu nennen – alle aber haben ihre

Existenz anerkannt. Sie ist selbstverständlich – sie braucht keine Beweise.

In diesen Lektionen folgen wir dem Beispiel einiger der größten Denker

der Welt, sowohl der alten als der modernen – dem Beispiel der

hermetischen Meister -, und nennen diese zugrunde liegende Macht,

diese substantielle Wirklichkeit bei dem hermetischen Namen “Das All”.

Wir halten diesen Ausdruck für den umfassendsten unter all den

Ausdrücken, welche der Mensch für das, was alle Namen und Ausdrücke

übersteigt, angewendet hat.

Wir nehmen die Ansicht der großen hermetischen Denker aller Zeiten und

der erleuchteten Seelen, welche höhere Daseinspläne erreicht haben, an

und lehren sie. Diese alle behaupten, dass die innere Natur des Alls

unerkennbar ist. Dies muss so sein, weil nichts als das All selbst seine

eigene Natur und sein eigenes Wesen verstehen kann. Die Hermetiker

glauben und lehren, dass das All in sich selbst unerkennbar ist und immer

sein muss. Für sie sind all die Theorien, Vermutungen und übersinnlichen

Lehren, welche die innere Natur des Alls betreffen, nichts als kindische

Bemühungen sterblicher Minds, das Geheimnis des Unendlichen zu

erfassen. Solche Anstrengungen haben immer fehlgeschlagen und

werden immer fehlschlagen, das liegt in der Natur der Sache selbst. Wer

darüber nachgrübelt, läuft im Labyrinth der Gedanken im Kreise umher,

bis er für jede gesunde Vernunft, Handlung und Verhalten verloren ist,

und für das Leben vollkommen untüchtig wird. Er gleicht dem

Eichhörnchen, welches wie wahnsinnig das Tretmühlenrad seines Käfigs

dreht, immer läuft und doch kein Ziel erreicht – und schließlich ein

Gefangener bleibt, der dort steht, von wo er ausging.

Noch anmaßender aber sind diejenigen, welche dem All ihre eigene

Persönlichkeit, ihre Eigenschaften, Beschaffenheiten, Kennzeichen und

Merkmale zuschreiben. Diese schreiben dem All menschliche

Empfindungen, Gefühle und Kennzeichen zu, nieder bis zu den

kleinlichsten menschlichen Eigenschaften als da sind Eifersucht,

Zugänglichkeit für Schmeichelei und Lob, Wunsch nach Opfern und

Anbetung und andere Überbleibsel aus den Tagen, da unsere Rasse in

ihrer Kindheit war. Solche Ideen sind erwachsener Männer und Frauen

nicht würdig und sollten rasch abgelegt werden.

Wir halten es für angezeigt, jetzt gleich festzustellen, dass wir einen

Unterschied machen zwischen Religion und Theologie – zwischen

Philosophie und Metaphysik. Religion bedeutet für uns die intuitive,

lebhafte Vorstellung von der Existenz des Alls und die eigenen

Beziehungen zum All; während Theologie die Versuche der Menschen

bedeutet, dem All Persönlichkeit, Eigenschaften und Merkmale

zuzuschreiben; ihre Theorien betreffend ihre Angelegenheiten, Willen,

Wünsche, Pläne und Vorhaben; und schließlich die Annahme der

Notwendigkeit von Mittelspersonen zwischen dem All und den Menschen.

Philosophie bedeutet für uns das Suchen nach Erkenntnissen von

erkennbaren und denkbaren Dingen, während Metaphysik den Versuch

bedeutet, die Forschungen über und jenseits der Grenzen in

unerkennbare und undenkbare Regionen hinaus zu verlegen, mit

derselben Tendenz wie die Theologie. Folglich sind für uns sowohl

Religion als auch Philosophie Dinge, die in der Wirklichkeit wurzeln,

während Theologie und Metaphysik gebrochenem Schilfrohr gleichen, das

im Flugsand wächst, und Mind und Seele des Menschen nur ganz

unsichere Stützen bieten können.

Wir verlangen von unseren Schülern nicht, dass sie diese Definitionen

annehmen, wir erwähnen sie nur, um unsere Stellungnahme zu zeigen.

Jedenfalls werdet ihr in diesen Lektionen sehr wenig über Theologie und

Metaphysik hören.

Obzwar die wesentliche Natur des Alls unerkennbar bleibt, gibt es doch

damit verbunden gewisse Wahrheiten, die anzunehmen der menschliche

Mind genötigt ist. Eine Untersuchung dieser Wahrheiten bildet einen

geeigneten Gegenstand der Forschung, umso mehr, als sie mit den

Berichten der Erleuchteten höherer Pläne übereinstimmen. Zu dieser

Untersuchung fordern wir euch nun auf.

“Das, was die fundamentale Wahrheit ist – die wesentliche Wirklichkeit –

steht über allen Namen, die weisen Männer aber nennen es das All.”

Das Kybalion

“In seinem Wesen ist das All unerkennbar.”

Das Kybalion

“Der Bericht der Vernunft aber muss gastlich empfangen und mit Achtung

behandelt werden.”

Das Kybalion

Die menschliche Vernunft, auf die wir hier hören müssen, solange wir

überhaupt denken, sagt uns ohne auch nur zu versuchen, den Schleier

des Unerkennbaren zu lüften – folgendes über das All:

1. Das All muss alles sein, was wirklich ist. Es kann nichts geben, das

außerhalb des Alls existiert, sonst wäre das All nicht das All.

2. Das All muss unendlich sein, denn es gibt sonst nichts, das All zu

definieren, zu beschränken, zu begrenzen.

Es muss unendlich sein in der Zeit oder ewig – es muss immer fortdauernd

existiert haben, denn es gibt nichts, von dem es hätte erschaffen werden

können – und etwas kann niemals aus nichts entstehen, und wenn es

jemals nichts gewesen wäre, nur für einen Augenblick, würde es jetzt

nicht sein. Es muss immer, fortdauernd existiert haben, denn es gibt

nichts, von dem es zerstört werden könnte. Es kann nie nicht sein, auch

nicht nur für einen Augenblick, denn etwas kann niemals nichts werden.

Es muss unendlich sein im Raum, es muss überall sein, denn es gibt

keinen Ort außerhalb des Alls, es kann nicht anders als

zusammenhängend im Raume sein, ohne Lücken, Aufhören, Trennung

oder Unterbrechung, denn es gibt nichts, das seinen Zusammenhang

unterbrechen oder trennen könnte, nichts, das die Lücken ausfüllen

könnte.

Es muss unendlich sein in der Macht oder absolut, denn es gibt nichts,

von dem es begrenzt, eingeschränkt, zurückgehalten, gestört oder bedingt

werden könnte – es ist keiner anderen Macht untertan, weil es keine

andere Macht gibt.

3. Das All muss unveränderlich sein, in seiner realen Natur keinem

Wechsel unterworfen, denn es gibt nichts, das eine Veränderung am All

hervorbringen könnte. Es gibt nichts, in das es umgeändert werden

könnte, nichts, aus dem es durch Veränderung entstehen hätte können.

Es kann zu nichts hinzugefügt werden und von nichts abgezogen werden;

es lässt sich nicht vermehren und nicht vermindern; noch kann es in

irgendeiner Hinsicht größer oder kleiner werden. Genau das, was es jetzt

ist – das All – muss es immer gewesen sein und muss es immer bleiben.

Etwas anderes, in das es sich hätte umändern können, hat es nie

gegeben, gibt es jetzt nicht und wird es nie geben. Daraus, dass das All

unendlich, absolut, ewig und unveränderlich ist, folgt, dass alles, was

endlich, bedingt, wechselnd und fließend ist, nicht das All sein kann. Und

da es tatsächlich nichts außerhalb des Alls gibt, müssen alle und jede

endlichen Dinge in Wirklichkeit soviel wie nichts sein. Werdet aber

deswegen nicht verwirrt oder erschreckt – wir beabsichtigen durchaus

nicht, euch unter dem Deckmantel der hermetischen Philosophie auf das

Gebiet christlicher Wissenschaften zu führen. Es gibt eine versöhnende

Lösung dieser anscheinend widersprechenden Feststellungen. Habt

Geduld, mit der Zeit werden wir sie erlangen.

Wir sehen um uns das, was Materie heißt, was die physische Grundlage

für alle Lebensformen bildet. Ist das All nur Materie? Ganz und gar nicht!

Materie kann nicht Leben oder Mind offenbaren, da aber Leben und Mind

im Universum manifestiert sind, kann das All nicht Materie sein; denn

nichts steigt höher als seine eigene Quelle – nichts ist je in einer Wirkung

manifestiert, was nicht schon in der Ursache enthalten ist – nichts

entwickelt sich als Folge, das nicht schon in einem Vorhergegangenen

verhüllt war. Weiter lehrt uns die moderne Wissenschaft, dass es in

Wirklichkeit Materie nicht gibt – dass das, was wir Materie nennen, nur

“unterbrochene Energie oder Kraft” ist, das heißt Energie oder Kraft in

ganz niederer Schwingung. Ein moderner Schriftsteller sagt: “Materie ist

mit Geheimnissen verschmolzen.” Sogar die materialistische

Wissenschaft ist von der Theorie der Materie abgekommen und ist nun

auf der Basis der Energie begründet.

Dann ist das All nur Energie oder Kraft? Nicht Energie oder Kraft im Sinn

der Materialisten, denn ihre Energie und ihre Kraft sind blind, und

mechanisch, ohne Leben oder Mind. Leben und Mind kann sich niemals

aus blinder Energie oder Kraft entwickeln, aus dem soeben gegebenen

Grund: “Nichts kann höher als seine Quelle steigen – es gibt keine

Evolution ohne Involution nichts offenbart sich in der Folge, außer es war

schon in der Ursache enthalten!” Und darum kann das All nicht bloß

Energie oder Kraft sein, denn, wenn es das wäre, gäbe es kein Leben und

kein Mind, wir aber wissen, dass es Leben und Mind gibt, denn wir leben

und gebrauchen Mind, um diese Frage zu betrachten, so wie diejenigen,

die fordern, dass Energie und Kraft alles sei.

Was gibt es denn Höheres im Universum als Materie und Energie? Leben

und Mind! Leben und Mind in all den verschiedenen Graden der

Entfaltung. “Dann”, fragt ihr, “wollt ihr uns sagen, dass das All Leben und

Mind sei? “Ja und Nein!” ist unsere Antwort. Wenn ihr Leben und Mind

meint, wie wir arme kleine Sterbliche es kennen, sagen wir Nein! Dies ist

nicht das All! “Aber welche Art von Leben und Mind meint ihr dann?” fragt

ihr uns.

Die Antwort ist “lebendes Mind, so hoch erhaben über das, was Sterbliche

unter diesen Worten verstehen, als Leben und Mind höher sind als

mechanische Kräfte oder Materie – unendliches, lebendes Mind verglichen

mit endlichem Leben und Mind.”

Wir meinen das, was die erleuchteten Seelen meinen, wenn sie

ehrfürchtig das Wort Spirit (Reiner Geist) aussprechen.

Das All ist unendliches lebendes Mind – die Erleuchteten nennen es

Reiner Geist!

Das mentale Universum

Das All ist Spirit (Reiner Geist)! Aber was ist Reiner Geist? Diese Frage lässt sich

nicht beantworten, weil eine Definition des Reinen Geiste praktisch der Definition

des Alls gleichkäme; da All aber kann weder erklärt noch definiert werden Reiner

Geist (Spirit) ist einfach ein Name, den die Menschen der höchsten Vorstellung

von unendlichem lebendem Mind geben – bedeutet die “wirkliche Essenz” –

bedeutet lebendes Mind, so hoch über dem uns bekannten Leben und Mind

stehend, als diese über mechanischer Energie und Materie stehen. Reiner Geist

übersteigt unsere Erkenntnis, wir gebrauchen den Ausdruck nur, um an das All zu

denken und von ihm zu sprechen. Um an Reinen Geist denken zu können und ihn

einigermaßen zu verstehen, sind wir berechtigt ihn uns als unendliches, lebendes

Mind zu denken, freilich muss es uns immer bewusst sein, das wir ihn niemals

voll begreifen können. Entweder muss uns dies bewusst bleiben oder wir müssen

überhaupt aufhören, darüber nachzudenken.

Gehen wir nun weiter und betrachten wir die Natur des Universums, als Ganzes

und in seinen Teilen. Was ist das Universum? Wir haben gesehen, dass nichts

außerhalb des Alls sein kann. Dann ist das Universum das All? Nein, dies kann

nicht sein, weil das Universum aus vielem aufgebaut erscheint und in

fortwährendem Wechsel begriffen ist; aber auch noch in anderer Hinsicht

entspricht es nicht der Vorstellung, die wir vom All haben müssen, wie wir sie in

unserer Lektion festgestellt haben.

Wenn aber das Universum nicht das All ist, dann muss es nichts sein – dies

scheint auf den ersten Blick der einzig mögliche Schluss zu sein. Diese Antwort

kann aber unsere Frage nicht befriedigend lösen, weil wir die Existenz des

Universums fühlen. Wenn aber das Universum weder das All noch nichts ist, was

kann es sein? Prüfen wir diese Frage. Wenn das Universum überhaupt existiert

oder zu existieren scheint, muss es irgendwie vom All ausgehen, muss es eine

Schöpfung des Alls sein. Da aber etwas niemals von nichts kommen kann, woraus

könnte das All das Universum erschaffen haben? Mehrere Philosophen haben

diese Frage beantwortet, indem sie sagten, das All habe das Universum aus sich

selbst erschaffen, d. h. aus dem Wesen und der Substanz des Alls. Dies kann aber

nicht richtig sein, weil das All nicht vermindert und nicht geteilt werden kann, wie

wir gesehen haben, und dann – wenn es auch so wäre, wäre nicht jedes Teilchen

im Universum sich seines Allseins bewusst ? Das All könnte weder sein Wissen

von sich selbst verlieren, noch wirklich ein Atom oder blinde Kraft oder ein

niederes lebendes Wesen werden. Manche Menschen, die wußten, dass das All

tatsächlich alles ist, dass aber auch sie, die Menschen, existieren, haben daraus

kühn den Schluss gezogen, dass sie und das All identisch seien. Zur Freude der

Menge und zum Kummer der Weisen erfüllten sie die Lüfte mit ihren Rufen “lch

bin Gott”. Im Vergleich zu dieser Anmaßung wäre der Anspruch des Atoms “Ich

bin Mensch” noch bescheiden zu nennen.

Was aber ist dann das Universum, wenn es nicht das All ist, ja nicht einmal vom

All erschaffen wurde, indem dieses sich teilte ? Was sonst kann es sein – woraus

sonst kann es gemacht worden sein? Dies ist die große Frage. Prüfen wir sie

sorgfältig.

Wir finden, dass uns das Prinzip der Entsprechung (siehe Lektion 2.1) hier zu

Hilfe kommt. Das alte hermetische Axiom “Wie oben so unten” muss zur Lösung

dieser Schwierigkeit herangezogen werden. Bemühen wir uns, einen flüchtigen

Schimmer des Wirkens auf höheren Plänen zu erhalten, indem wir unseren

eigenen Plan beobachten und prüfen. Das Prinzip der Entsprechung muss sich auf

dieses Problem ebenso gut wie auf andere Probleme anwenden lassen.

Sehen wir also zu! Wie schafft der Mensch auf seinem eigenen Daseinsplan?

Vorerst mag er schaffen, indem er etwas aus äußeren Materialien schafft. Dies

kann aber für unser Problem nicht zutreffen, weil es außerhalb des Alls keine

Materialien gibt, aus welchem es es schaffen könnte. Eine zweite Möglichkeit des

Schaffens: Der Mensch erzeugt, reproduziert seine Art durch den Vorgang der

Zeugung, welcher eine Vervielfältigung seines Selbst ist, indem der Mensch einen

Teil seiner Substanz auf seine Nachkommenschaft überträgt. Aber auch dieser

Vorgang kann beim All nicht zutreffen, weil das All weder einen Teil seines

Selbst übertragen und abgeben, noch sich selbst reproduzieren oder

vervielfältigen kann – im ersten Fall wäre es ein Wegnehmen vorn All, im zweiten

Fall eine Vervielfältigung des Alls oder ein Hinzufügen zum All. Alle diese

Gedanken sind absurd. Gibt es noch eine dritte Art, in welcher der Mensch

erschafft ? Ja, es gibt eine dritte Art – er schafft mental! Wenn er mental schafft,

benützt er keine äußeren Materialien und reproduziert er sich nicht, und doch

durchdringt sein Geist die mentale Schöpfung.

Nach dem Prinzip der Entsprechung dürfen wir mit Recht annehmen, dass das All

das Universum mental schafft, in einem Vorgang, ähnlich dem, in dem der

Mensch mentale Bilder schafft. Und diese Ansicht der Vernunft stimmt genau mit

den Ansichten der Erleuchteten überein, wie sie in deren Lehren und Schriften

dargelegt werden. So waren die Lehren der Weisen, so war die Lehre des Hermes.

Das All kann nur mental schaffen, ohne Materie zu gebrauchen (und es gibt keine,

die gebraucht werden könnte) oder sich selbst zu reproduzieren (was auch

unmöglich ist). Dieser vernünftigen Folgerung können wir nicht entgehen, sie

stimmt ja auch – wie wir schon sagten – mit den höchsten Lehren der Erleuchteten

überein. Gerade so, wie ein Schüler sein eigenes Universum in seiner eigenen

Mentalität erschaffen kann, ebenso erschafft das All Universen in seiner eigenen

Mentalität. Das Universum des Schülers aber ist die mentale Schöpfung eines

endlichen Mind, während das Universum des Alls die Schöpfung eines

unendlichen Mind ist. Die beiden sind ähnlich in der Art, aber unendlich

verschieden im Grad. Fortschreitend werden wir den Vorgang der Schöpfung und

Manifestation genauer studieren. Das aber müsst ihr schon jetzt festhalten: Das

Universum und alles, was es enthält, ist eine mentale Schöpfung des Alls.

Wahrlich alles ist Mind!

“Das All schafft in seinem unendlichen Mind zahllose Universen, die durch

Äonen bestehen – und doch, für das All ist Erschaffung, Entfaltung, Verfall und

Tod von Millionen von Universen nicht länger als ein Augenblick.”

Das Kybalion

“Das unendliche Mind des Alls ist der Schoss der Universen.”

Das Kybalion

Das Prinzip des Geschlechts (siehe Lektion 2.7 und andere folgende Lektionen)

ist auf allen Lebensplänen manifestiert, auf dem materiellen, mentalen und

spirituellen. Aber, wie wir schon früher bemerkten, Geschlecht bedeutet nicht

Sexualität – Sexualität ist nur die materielle Manifestation von Geschlecht.

Geschlecht bedeutet “auf Erzeugung oder Schöpfung bezüglich”. Und wo immer

etwas erzeugt oder erschaffen wird, muss auf allen Plänen – das Prinzip des

Geschlechts wirken. Und dies trifft sogar bei der Erschaffung von Universen zu.

Nun darf man aber nicht glauben, dass wir lehren wollen, es gäbe einen

männlichen und einen weiblichen Gott oder Schöpfer. Dies wäre nur eine

Verdrehung der alten Lehren. Die wahre Lehre ist, dass das All, in sich selbst,

über dem Geschlecht steht, wie es auch über jedes andere Gesetz, die Gesetze von

Raum und Zeit inbegriffen, erhaben ist. Das All ist das Gesetz, aus dem die

Gesetze hervorgehen, und ist ihm nicht unterworfen. Wenn sich aber das All auf

dem Plan der Zeugung oder Schöpfung offenbart, dann handelt es in

Übereinstimmung mit Gesetz und Prinzip, weil es sich auf einem niederen

Daseinsplan bewegt. Und folglich manifestiert es das Prinzip des Geschlechts in

seinen männlichen und weiblichen Aspekten, natürlich auf dem mentalen Plan.

Diese Vorstellung mag manchen Schüler, der zum erstenmal von ihr hört,

überraschen, aber alle haben sie tatsächlich in ihrer täglichen Auffassung

angenommen. Man spricht von der Vaterschaft Gottes, von der Mutterschaft der

Natur – von Gott, dem göttlichen Vater, und von der Natur, der universalen Mutter

– und hat so instinktiv das Prinzip des Geschlechts im Universum anerkannt. Oder

etwa nicht?

Die hermetischen Lehren sprechen aber nicht von einer wirklichen Zweiheit – das

All ist eins -, die beiden Aspekte sind nur Manifestationsaspekte. Die Lehre ist,

dass das vom All manifestierte männliche Prinzip von der wirklichen mentalen

Erschaffung des Universums gewissermaßen abseits steht. Es projiziert seinen

Willen auf das weibliche Prinzip (welches man Natur nennen kann), worauf das

letztere die eigentliche Evolution des Universums beginnt, von einfachen

Aktivitätszentren an bis zum Menschen, und dann weiter und höher, alles nach

wohl gegründeten und streng durchgesetzten Naturgesetzen. Wenn man die alten

Gedankenbilder vorzieht, kann man sich das männliche Prinzip als Gottvater

denken, das weibliche als die Natur, die universale Mutter, aus deren Schoß alle

Dinge geboren wurden. Das ist mehr als eine bloße poetische Redefigur, es ist

eine Idee vom wirklichen Vorgang der Schöpfung des Universums. Man darf aber

nie vergessen, dass das All Eins ist, und dass in seinem unendlichen Mind das

Universum erzeugt und erschaffen wird und existiert.

Um eine klarere Vorstellung zu gewinnen, mag es gut sein, das Gesetz der

Entsprechung auf sich selbst und auf sein eigenes Mind anzuwenden. Ihr wisst,

dass jener Teil eures Selbst, welches man “Ich” nennt, abseits steht und der

Schöpfung mentaler Bilder in euerem eigenen Innern zusieht. Der Teil eures

Selbst, in welchem die mentale Schöpfung stattfindet, kann das “Mich” genannt

werden zum Unterschied vom “lch”, welches abseits steht und die Gedanken,

Ideen und Bilder des “Mich” sieht und prüft. “Wie oben, so unten!” – erinnert euch

dieses Satzes, und das Phänomen des einen Planes mag dazu dienen, die Rätsel

höherer oder niederer Pläne zu lösen.

Ist es ein Wunder, dass der Mensch, das Kind, diese instinktive Ehrfurcht vor dem

All fühlt – wir nennen dieses Gefühl “Religion” -, diese Achtung und Ehrfurcht

vor dem Vater-Mind? Ist es ein Wunder, dass der Mensch, wenn er die Werke und

Wunder der Natur betrachtet, von einem mächtigen Gefühl übermannt wird,

welches in seinem innersten Wesen wurzelt? Es ist das Mutter-Mind, welches er

umarmt, wie ein Kind die Brust der Mutter.

Man darf aber nicht in den Fehler verfallen, zu glauben, dass diese kleine Welt

um uns – die Erde, die nur ein Stäubchen im Universum ist – das Universum selbst

sei. Es gibt Millionen und Millionen solcher und größerer Welten. Und es gibt

Millionen und Millionen solcher Universen im unendlichen Mind des Alls. Sogar

in unserem eigenen kleinen Sonnensystem gibt es Regionen und Daseinspläne, die

viel höher sind, als unsere, und Wesen, im Vergleich zu denen wir erdgebundenen

Sterblichen das sind, was die schleimigen Lebensformen des Meeresgrundes im

Vergleich zu den Menschen sind. Es gibt Wesen, deren Mächte und Eigenschaften

höher sind, als sie der Mensch von Göttern erträumte. Und doch waren diese

Wesen einst wie wir, und noch tiefer stehend, und ihr werdet einmal ihnen gleich

sein und noch höher denn dies ist die Bestimmung des Menschen, wie sie von den

Erleuchteten gelehrt wird.

Und Tod ist nichts Reales, nicht einmal im relativen Sinn – Er ist nur eine Geburt

zu einem neuen Leben – ihr werdet weitergehen und weiter und weiter zu höheren

und immer noch höheren Daseinsplänen, durch Äonen und Äonen. Das

Universum ist eure Heimat und ihr werdet seine fernsten Verborgenheiten

erforschen vor dem Ende der Zeit. Ihr wohnt im unendlichen Mind des Alls, eure

Möglichkeiten sind in Raum und Zeit unendlich. Und am Ende des großen Zyklus

der Äonen, wenn das All seine Schöpfungen in sich selbst zurückzieht, – da

werdet ihr freudig gehen, denn dann werdet ihr verstehen können, was es heißt,

Eins mit dem All zu sein. So lautet der Bericht der Erleuchteten – welche auf dem

Pfade wohl vorangeschritten sind.

Bis dahin aber bleibt ruhig und heiter – ihr seid sicher und beschützt von der

unendlichen Macht des Vater-Mutter-Mind.

“Im Vater-Mutter-Mind sind sterbliche Kinder daheim.”

Das Kybalion

“Es gibt niemanden im Universum, der vaterlos oder musterlos wäre.”

Das Kybalion

Das göttliche Paradoxon

“Wenn die Halb-Weisen die verhältnismäßige Unwirklichkeit des Universums

sehen, bilden sie sich ein, den Gesetzen des Universums trotzen zu können – das

sind aber eitle, anmaßende Narren, die an den Felsen zerschellen und von den

Elementen zerrissen werden wegen ihrer Narrheit. Der wahrhaft Weise, der die

Natur des Universums kennt, gebraucht das Gesetz gegen die Gesetze, das

höhere gegen das niedere; durch die Kunst der Alchemie verwandelt er das

Unerwünschte in das Wertvolle und triumphiert so. Meisterschaft besteht nicht in

abnormalen Träumen, Visionen, phantastischen Einbildungen oder abnormaler

Lebensweise, sondern darin, dass man den Mühsalen der niederen Pläne durch

höhere Schwingungen ausweicht. Transmutation, nicht anmaßende Verneinung,

ist die Waffe des Meisters.”

Das Kybalion

Das ist das Paradoxon des Universums, das aus dem Prinzip der Polarität

resultiert, welches sich manifestiert, sobald das All beginnt zu schaffen horcht

wohl darauf, denn es bezeichnet den Unterschied zwischen Halb-Weisheit und

Weisheit. Während für das unendliche All das Universum, seine Gesetze, seine

Mächte, sein Leben, seine Phänomene gleich sind den Dingen, die ins Zustand

der Meditation und des Traumes erscheinen, muss doch für alles Endliche das

Universum als wirklich betrachtet werden. Leben und Handlungen und Gedanken

müssen darauf basieren und damit übereinstimmen; freilich muss man immer der

höheren Wahrheit eingedenk bleiben. Alles muss mit seinem eigenen Plan und

dessen Gesetzen übereinstimmen.

Wäre das Universum für das All tatsächliche Wirklichkeit, darin wehe dem

Universum, weil es darin keine Möglichkeit einer Entwicklung vorm Niederen

zum Höheren, aufwärts zu Gott gäbe weil darin das Universum etwas Festes und

jeder Fortschritt unmöglich würde. Und worin der Mensch auf Grund von

Halb-Weisheit handelt und lebt und denkt, als wäre das Universum nur ein

Traum (ähnlich seinen eigenen endlichen Träumen), dann wird das Universum

für ihn tatsächlich nur ein Traum. Einem Schlafwandler gleich geht er im Kreise,

macht keinen Fortschritt und wird schließlich aufgeweckt, wenn er über die

Naturgesetze stolpert, die er Ignoriert hat. Lasst euren Geist bei den Sternen

weilen, eure Augen aber sollen auf eure Schritte achten, sonst fallt ihr wegen

eures Aufwärtsstarrens in den Schmutz. Erinnert euch des göttlichen Paradoxons,

dass das Universum gleichzeitig nicht ist und doch ist. Erinnert euch der beiden

Pole der Wahrheit – des Absoluten und des Relativen. Hütet euch vor

Halbwahrheiten.

Was die Hermetiker als das “Gesetz vorn Paradoxon” kennen, ist ein Aspekt des

Prinzips der Polarität. Die hermetischen Schritten sind voll von Hinweisen auf

das Erscheinen des Paradoxons bei der Betrachtung der Probleme des Lebens

und Seins. Immer wieder warnen die Lehrer ihre Schüler vor dem Irrtum, die

“andere Seite” einer Frage außer Acht zu lassen. Ihre Warnungen richten sich

besonders auf die Probleme vom Absoluten und Relativen, die alle Schüler der

Philosophie verblüffen, und sie sind die Ursache dafür, dass viele dem, was man

“gesunden Menschenverstand” nennt, entgegenhandeln.

Wir legen es allen Schülern ans Herz, das göttliche Paradoxon vom Absoluten

und Relativen zu erfassen, damit sie nicht in Halbwahrheiten sich verstricken. In

dieser Absicht wurde unsere Lektion geschrieben. Lest sie sorgfältig.

Wenn der denkende Mensch die Wahrheit erkennt, dass das Universum eine

mentale Schöpfung des Alls ist, ist sein erster Gedanke, das Universum und alles,

was es enthält, sei eine bloße Illusion, eine Unwirklichkeit; gegen diese Idee aber

empören sich seine Instinkte. Dieses Problem muss aber wie alle anderen großen

Wahrheiten sowohl vom absoluten als auch vom relativen Gesichtspunkt aus

betrachtet werden. Vom absoluten Gesichtspunkt ist das Universum natürlich

eine Illusion, ein Traum, ein Blendwerk, verglichen mit dem All in sich selbst.

Wir anerkennen dies sogar in unseren gewöhnlichen Ansichten, wir sprechen von

der Welt als von einem “flüchtigen Schein”, der kommt und geht, geboren wird

und stirbt.

Das Element der Unbeständigkeit und des Wechsels, der Endlichkeit und

Unwesentlichkeit muss immer mit der Vorstellung eines erschaffenen

Universums verbunden werden, wenn dieses der Vorstellung des Alls

entgegengesetzt wird, gleichgültig, was wir von der Natur des Alls und des

Universums denken.

Philosophen, Metaphysiker, Wissenschaftler und Theologen, sie alle stimmen

darin überein, und der Gedanke ist in allen Formen philosophischer Gedanken

und religiöser Auffassung, in allen Theorien metaphysischer und theologischer

Schulen zu finden.

Und die hermetischen Lehren predigen die Nichtwesentlichkeit des Universums

in nicht strengeren Ausdrücken als sie uns schon vertraut sind, obwohl uns ihre

Darstellung des Gegenstandes einigermaßen stutzig machen könnte. Etwas, das

einen Anfang und ein Ende hat, muss – in gewissem Sinne – unwirklich und

unwahr sein, und das Universum fällt unter diese Regel, in allen

Gedankenschulen. Vom absoluten Gesichtspunkt gibt es außer dem All nichts

Wirkliches, ganz gleich, welche Ausdrücke wir beim Denken oder Sprechen von

diesem Gegenstand anwenden. Ob nun das Universum aus Materie erschaffen

wurde oder ob es eine mentale Schöpfung im Mind des Alls ist – es ist nicht

wesentlich, nicht dauernd, ein Ding von Zeit, Raum und Wechsel. Wir wollen,

dass ihr diese Tatsache gründlich versteht, bevor ihr die hermetische Auffassung

von der mentalen Natur des Universums beurteilt. Überdenkt alle anderen

Auffassungen und seht, ob nicht diese unter wahr ist.

Aber der absolute Gesichtspunkt zeigt uns die eine Seite des Bildes – die andere

Seite ist die Relation. Absolute Wahrheit wurde definiert als “Dinge, wie sie der

Geist Gottes erkennt”, dagegen relative Wahrheit als “Dinge, wie sie die höchste

Vernunft des Menschen erkennt”. Während also das Universum für das All

unwirklich und illusorisch sein muss, ein bloßer Traum, ein Ergebnis der

Meditation – muss es für endliche Minds, die einen Teil dieses Universums

bilden und es mittels sterblicher Fähigkeiten sehen, wahrhaft wirklich sein und so

betrachtet werden. Wenn wir den absoluten Gesichtspunkt anerkennen, dürfen

wir nicht in den Fehler verfallen, die Tatsachen und Erscheinungen des

Universums, wie sie sich unseren sterblichen Fähigkeiten zeigen, zu Ignorieren

und zu verneinen – wir dürfen nie vergessen, dass wir nicht das All sind!

Um es mit wohlbekanntem Beispielen zu illustrieren: Wir alle anerkennen die

Tatsache, dass für unsere Sinne Materie existiert – es ginge uns nicht gut, wollten

wir das nicht anerkennen. Und doch, sogar unser endlicher Geist begreift den

wissenschaftlichen Satz, dass es vom wissenschaftlichen Standpunkt keine

Materie gibt. Wir begreifen, dass das, was wir Materie nennen, nur als eine

Anhäufung von Atomen angesehen werden muss, dass diese Atome selbst nur

Gruppierungen von Krafteinheiten, Elektronen oder lonen genannt, sind, die in

Schwingung und ständiger kreisender Bewegung sind. Wir stoßen an einen Stein

und fühlen den Stoß, er erscheint uns wirklich, obwohl wir wissen, dass er nur

das ist, was wir oben festgestellt haben. Wir dürfen eben nicht vergessen, dass

unser Fuß, der mittels unseres Gehirns den Stoß fühlt, gleicherweise Materie ist,

aus Elektronen besteht, desgleichen unser Gehirn. Und würden wir es nicht durch

unser Mind erkennen, würden wir Fuß und Stein überhaupt nicht erkennen.

Ferner, das Ideal des Malers oder des Bildhauers, das er auf der Leinwand oder in

Stein nachzubilden bestrebt ist, erscheint ihm wirklich. Wirklich erscheinen die

Charaktere im Mind des Autors oder Dramatikers, weicher sie so darzustellen

sucht, dass andere sie wiedererkennen. Und wenn dies bei unseren endlichen

Minds der Fall ist, wie hoch muss der Grad der Wirklichkeit bei den mentalen

Bildern sein, die im Mind des Unendlichen erschaffen werden? O Freunde, für

Sterbliche ist dieses mentale Universum tatsächlich, wirklich es ist das einzige,

das wir je erkennen, wenn wir uns auch in ihm von Plan zu Plan höher und höher

erheben. Um es durch wirkliche Erfahrung anders zu erkennen, müssten wir das

All selbst sein. Es ist wahr, je höher wir auf der Leiter steigen, je mehr wir uns

dem “Mind des Vaters” nähern – desto augenscheinlicher wird die illusorische

Natur der endlichen Dinge; aber erst, wenn uns das All schließlich in sich selbst

zurückzieht, wird die Vision ganz verschwinden.

Wir brauchen also nicht bei den illusorischen Zügen des Universums zu

verweilen; lasst uns vielmehr suchen, die wirkliche Natur des Universums zu

erkennen, seine mentalen Gesetze zu verstehen, und uns bemühen, sie auf unserer

Reise von Daseinsplan zu Daseinsplan so anzuwenden, dass sie die beste

Wirkung auf unseren Fortschritt im Leben ausüben. Die Gesetze des Universums

sind trotz ihrer mentalen Natur “eherne Gesetze”. Alles – nur das All

ausgenommen – ist durch sie gebunden. Was im unendlichen Mind des Alls ist,

ist in einem Grade wirklich, der nur der Wirklichkeit nachsieht, welche die Natur

des Alls selbst besitzt.

Fühlt euch daher nicht unsicher und bange wir alle sind festgehalten im

unendlichen Mind des Alls, und es gibt nichts, das uns schaden könnte, nichts,

das wir zu fürchten hätten. Es gibt keine Macht außerhalb des Alls, die auf uns

einwirken könnte. Wir können ruhig und sicher sein. Es liegt eine Welt von Trost

und Sicherheit in dieser Erkenntnis, wenn wir sie einmal erlangt haben. Dann

“schlafen wir ruhig und friedlich, gewiegt in der Wiege der Tiefe” – ruhen wir

sicher am Busen des Ozeans des unendlichen Mind, welches das All ist.

Wahrlich, im All “leben wir und bewegen wir uns und sind wir”.

Solange wir auf dem materiellen Plan leben, ist Materie doch nicht weniger

Materie für uns, wenn wir auch wissen, dass sie nur eine Anhäufung von

“Elektronen” oder Kraftteilchen ist, die in rascher Schwingung in den

Formationen der Atome umeinander kreisen, die Atome drehen sich schwingend

und kreisend und bilden Moleküle, die wieder größere Massen von Materie

bilden. Materie wird auch dann nicht weniger Materie, wenn wir in der

Untersuchung noch weiter gehen und aus den hermetischen Lehren lernen, dass

die “Kraft”, von der die Elektronen Einheiten sind, nur eine Manifestation vom

Mind des Alls ist, und gleich allem im Universum in ihrer Natur rein mental ist.

Solange wir auf dem materiellen Plan sind, müssen wir die Phänomene der

Materie anerkennen – wir mögen die Materie beherrschen (wie dies alle Meister

in höherem oder geringerem Grade tun), wir müssen sie aber durch die

Anwendung höherer Kräfte beherrschen. Wir begehen eine Torheit, wenn wir

versuchen, die Existenz der Materie im relativen Aspekt zu verneinen. Wir

dürfen mit Recht ihre Herrschaft über uns verneinen – aber wir sollen nicht

versuchen, sie in ihrem relativen Aspekt zu verneinen, so lange wenigstens nicht,

wie wir auf ihrem Plan wohnen.

Auch die Gesetze der Natur werden nicht weniger beständig oder wirksam, wenn

wir sie – gleicherweise – als nur mentale Schöpfungen erkennen. Sie sind auf den

verschiedenen Plänen in voller Wirksamkeit. Wir überwältigen die niederen

Gesetze einzig und allein, indem wir höhere Gesetze anwenden. Aber wir können

dem Gesetz nicht entgehen oder uns gänzlich über das Gesetz erheben. Nichts als

das All kann dem Gesetz entgehen – und das deshalb, weil das All das Gesetz

selbst ist, von dem alle Gesetze ausgehen. Die am weitesten vorgeschrittenen

Meister mögen eine Macht erlangen, wie sie von den Menschen gewöhnlich den

Göttern zugeschrieben wird. In der großen Hierarchie des Lebens gibt es zahllose

Reihen von Wesen, deren Wesen und Macht die der höchsten Meister unter den

Menschen bis zu einem Grade übersteigt, der für Sterbliche unausdenkbar ist.

Aber auch die höchsten Meister und die höchsten Wesen müssen sich dem

Gesetz beugen und für das Auge des Alls wie ein Nichts sein. Wenn also sogar

diese höchsten Wesen, deren Macht selbst die Macht überragt, welche die

Menschen ihren Göttern zuschreiben, – wenn sogar diese durch das Gesetz

gebunden und dem Gesetz unterworfen sind, dann kann man sich die Anmaßung

des sterblichen Menschen unserer Rasse und unseres Entwicklungsgrades

vorstellen, der es wagt, die Naturgesetze als “unwirklich”, eingebildet und

illusorisch zu betrachten, weil er zufällig fähig ist, die Wahrheit zu erfassen, dass

die Gesetze in ihrer Natur mental und einfach mentale Schöpfungen des Alls

sind. Diesen Gesetzen, welche nach der Absicht des Alls Gesetze, herrschende

Gesetze sind, darf man nicht trotzen, man kann sie nicht wegdisputieren. So

lange das Universum besteht, werden die Gesetze dauern, denn das Universum

existiert kraft dieser Gesetze, welche sein Gerüst bilden und es zusammenhalten.

Das hermetische Prinzip der Mentalität ändert nicht die wissenschaftliche

Vorstellung vom Universum, vom Leben, von der Evolution, wenn es auch die

wahre Natur des Universums als mental erklärt. In der Tat, die Wissenschaft

bestätigt nur die hermetischen Lehren. Diese lehren, dass die Natur des

Universums mental ist, während die moderne Wissenschaft gelehrt hat, es sei

materiell, oder (seit neuestem), das Universum sei letzten Endes Energie. Die

hermetischen Lehren haben an Herbert Spencers Grundprinzip nichts

auszusetzen, welches eine “unendliche und ewige Energie, von der alle Dinge

ausgehen”, voraussetzt. Die Hermetiker anerkennen in Spencers Philosophie

tatsächlich die höchste Darlegung der Wirkungen der Naturgesetze, die von

einem Außenstehenden (outsider) jemals geboten wurde. Ja, sie halten Spencer

für eine Reinkarnation eines alten Philosophen, der vor Tausenden von Jahren im

alten Ägypten wohnte und sich später als Heraklit, den griechischen Philosophen,

inkarnierte, der um 500 v. Chr. lebte. Sie betrachten seine Darlegung von der

“unendlichen und ewigen Energie” als übereinstimmend mit der Richtung der

hermetischen Lehren, immer mit der Hinzufügung ihrer eigenen Lehre, das, seine

Energie die Energie vom Mind des Alls ist. Mit dem Meister-Schlüssel der

hermetischen Philosophie wird der Schüler Spencers fähig sein, viele Tore der

inneren philosophischen Darlegungen des großen englischen Philosophen zu

öffnen. Spencers Werk zeigt das Ergebnis, das die Vorbereitung seiner früheren

Inkarnationen zeitigte. Seine Lehren betreffend Evolution und Rhythmus sind in

beinahe vollkommener Übereinstimmung mit den hermetischen Lehren vom

Prinzip des Rhythmus.

Der Schüler der Hermetiker braucht also keine seiner ihm lieb gewordenen

wissenschaftlichen Ansichten über das Universum abzulegen. Alles, was von ihm

verlangt wird, ist, dass er das zugrunde liegende Prinzip erfasst: “Das All ist

Mind; das Universum ist mental – gehalten im Mind des Alls.” Er wird finden,

dass die anderen sechs von den sieben Prinzipien zu seinen wissenschaftlichen

Erkenntnissen passen und dazu dienen werden, unklare Punkte zu klären und

dunkle Winkel zu erhellen. Dies ist nicht verwunderlich, wenn wir uns den

Einfluss vergegenwärtigen, den der hermetische Gedanke auf die früheren

griechischen Philosophen ausgeübt hat. Auf den gedanklichen Grundlagen dieser

griechischen Philosophen ruhen größtenteils die Theorien der modernen

Wissenschaft. Die Annahme des ersten hermetischen Prinzips (Mentalität) ist der

einzige große strittige Punkt zwischen moderner Wissenschaft und hermetischen

Schülern. Indem aber die moderne Wissenschaft einen Weg aus dem Labyrinth

sucht, in welchem sie sich auf der Suche nach Wirklichkeit verirrt hat, nähert sie

sich allmählich der hermetischen Lehre.

Der Zweck dieser Lektion ist, den Minds unserer Schüler die Tatsache

einzuprägen, dass für alle Vorhaben und für jeden Zweck das Universum, seine

Gesetze und seine Phänomene, soweit sie den Menschen betreffen, ebenso

wirklich sind, wie sie es nach den Hypothesen des Materialismus und

Energismus wären. Unter allen Hypothesen ist das Universum in seinem äußeren

Aspekt wechselnd, immer fließend, flüchtig – es entbehrt daher der

Wesentlichkeit und Wirklichkeit. Aber (beachtet den anderen Pol der Wahrheit),

alle Hypothesen zwingen uns, so zu handeln und zu leben, als ob die Richtigen

Dinge wirklich und wesentlich wären. Immer mit dem Unterschied zwischen den

verschiedenen Hypothesen – dass nach den alten Anschauungen mentale Macht

als eine Naturkraft ignoriert wurde, während sie unter dem Mentalismus die

größte Naturkraft wird. Und dieser eine Unterschied gestaltet das Leben um für

jene, die das Prinzip und die daraus folgenden Gesetze und Anwendungen

verstehen.

Daher, ihr Schüler alle, erfasst den Vorteil der Mentalität und lernt die

resultierenden Gesetze kennen, gebrauchen und anwenden. Unterliegt aber nicht

der Versuchung, die – wie das Kybalion feststellt – den Halbweisen überkommt

und ihn von der scheinbaren Unwirklichkeit der Dinge derart hypnotisiert werden

lässt, dass er Träumern gleich durch eine Traumwelt geht, das praktische Wirken

und Leben des Menschen übersieht; und das Ende von allem: “Er zerschellt an

den Felsen, wird von den Elementen zerrissen, infolge seiner Torheit.” Folgt

vielmehr dem Beispiel der Weisen, welche “das Gesetz gegen die Gesetze

anwenden, das höhere gegen das niedere; und durch die Kunst der Alchemie

Unerwünschtes in Wertvolles umwandeln und so triumphieren.” Folgen wir der

Autorität, vermeiden wir die Halbweisheit (die töricht ist), welche die Wahrheit

ignoriert, dass “Meisterschaft nicht in abnormalen Träumen, Visionen,

phantastischen Vorstellungen und Lebensführung besteht, sondern darin, dass

man höhere Kräfte gegen niedere anwendet, dass man durch Schwingungen

höherer Pläne die Mühsale der niederen Pläne vermeidet”. Ihr Schüler, seid

immer eingedenk: Transmutation, nicht anmaßende Verneinung, ist die Waffe

der Meister. Diese zitierten Aussprüche sind aus dem Kybalion und sind es wert,

im Gedächtnis der Schüler aufbewahrt zu werden.

Wir leben nicht in einer Traumwelt, sondern in einem Universum, das, obwohl

relativ, soweit es unser Leben und unsere Handlungen betrifft, doch wirklich ist.

Unsere Aufgabe im Universum ist nicht, seine Existenz zu verneinen, sondern zu

leben, die Gesetze anzuwenden, vom niederen zum höheren uns zu erheben –

weiter zu leben, in dem wir das Beste tun, was wir unter den sich täglich

ergebenden Umständen tun können, und soweit als möglich unseren höchsten

Ideen und Idealen zu leben. Der wahre Sinn des Lebens ist den Menschen auf

diesem Plan nicht bekannt – aber die höchsten Autoritäten und unsere eigene

Intuition lehren uns, dass wir nicht fehlen können, wenn wir soweit als möglich

nach dem Besten, das in uns ist, leben, und wenn wir erkennen, dass die

universale Tendenz nach derselben Richtung neigt, trotz des scheinbaren

Gegenteils. Wir sind alle auf dem Pfade – und der Weg führt mit häufigen

Ruheplätzen – immer aufwärts.

Lest die Botschaft aus dem Kybalion – und folgt dem Beispiel “des Weisen” –

vermeidet den Irrtum des “Halbweisen”, der durch seine Torheit zugrunde geht.

“Das All” in allem

“Da alles im All ist, ist es gleicherweise wahr, dass das All in allem ist. Dem, der

diese Wahrheit wirklich versteht, ist große Weisheit gekommen.”

Das Kybalion

Wie oft haben die meisten Menschen die Feststellung wiederholen gehört, ihre

Gottheit (bei vielen Namen genannt) sei “alles in allem”, und wie wenig haben sie

die innere okkulte Wahrheit geahnt, die in diesen nachlässig ausgesprochenen

Worten verborgen ist. Diese häufig gebrauchte Redensart ist ein Überbleibsel des

oben angeführten alten hermetischen Lehrsatzes. Das Kybalion sagt: “Dem, der

diese Wahrheit wirklich versteht, ist große Weisheit gekommen.” Und da dies so

ist, so lasst uns die Wahrheit suchen, deren Verstehen so viel bedeutet.

In dieser Darlegung der Wahrheit, in diesem hermetischen Grundsatz, ist eine der

größten philosophischen, wissenschaftlichen und religiösen Wahrheiten verborgen.

Wir haben auch die hermetischen Lehren über die mentale Natur des Universums

mitgeteilt, die Wahrheit, dass “das Universum mental ist – gehalten im Mind des

Alls”. In der oben angeführten Schriftstelle sagt das Kybalion: “Alles ist im All”.

Achtet aber auch auf die beigefügte Bemerkung: “Es ist gleicherweise wahr, dass

das All in allem ist.” Dieser scheinbare Widerspruch kann durch das Gesetz vom

Paradoxon gelöst werden. Es ist überdies eine exakte hermetische Darlegung der

Beziehungen, die zwischen dem All und seinem mentalen Universum bestehen.

Wir haben gesehen, dass “alles im All ist”. Untersuchen wir nun den anderen

Aspekt des Gegenstandes.

Nach den hermetischen Lehren ist das All immanent in seinem Universum und in

jedem Teil, Partikel, in jeder Einheit und Verbindung im Universum. Diese

Tatsache wird von den Lehrern gewöhnlich durch Bezugnahme auf das Prinzip der

Entsprechung erläutert. Die Lehrer weisen den Schüler an, das mentale Bild von

irgend etwas zu fordern, z. B. von einer Person, einer Idee, kurz von irgend etwas,

das eine mentale Form hat. Das bevorzugte Beispiel ist ein Dichter oder

Dramatiker, der die Idee seiner Charaktere bildet; oder ein Maler oder Bildhauer,

der das Bild eines Ideals formt, das er durch seine Kunst auszudrücken sucht. In

jedem Fall wird der Schüler finden, dass, solange das Bild seine Existenz und sein

Wesen bloß im eigenen Mind des, Denkers hat, er, der Schüler, Dichter,

Dramatiker, Maler oder Bildhauer in gewissem Sinn immanent (bleibend in”

dauernd in) im mentalen Bilde ist. In anderen Worten, die ganze Kraft, das Leben,

der Geist, die Wirklichkeit des Bildes stammt von dem “immanenten Mind” des

Denkers. Betrachtet dies einen Moment, bis die Idee erfasst ist.

Um ein modernes Beispiel zu nehmen, lasst uns sagen, dass Othello, Jago, Hamlet,

Lear, Richard III zur Zeit ihrer Erschaffung nur im Mind Shakespeares existierten.

Und doch, auch Shakespeare existierte in jedem dieser Charaktere, er gab ihnen

ihre Lebenskraft, ihren Geist und ihre Handlung. Wessen ist der “Geist” der

Charaktere, die wir als Micawber, Oliver Twist, Uriah Heep kennen – ist es

Dickens Geist, oder hat jeder dieser Charaktere einen persönlichen Geist,

unabhängig von ihrem Schöpfer? Haben die Venus von Milo, die Sixtinische

Madonna, der Apollo von Belvedere ihren eigenen Geist und ihre eigene

Wirklichkeit oder stellen sie die geistigen und mentalen Kräfte ihrer Schöpfer dar?

Das Gesetz vom Paradoxon erklärt, dass beide Annahmen richtig sind, vom

eigenen Gesichtspunkt aus betrachtet. Micawber ist sowohl Micawber als auch

Dickens. Aber, obwohl man von Micawber sagen kann, er sei Dickens, darf man

Dickens doch nicht mit Micawber identifizieren. Der Mensch darf – gleich

Micawber – ausrufen: “Der Geist meines Schöpfers wohnt in mir – aber doch bin

ich nicht Er”. Wie verschieden ist das von der empörenden Halbweisheit, die von

gewissen Halbweisen schreiend angekündigt wird, welche die Luft erfüllen mit

ihren rauhen Rufen: “Ich bin Gott!” Stellt euch vor, wie das wäre, wenn der arme

Micawber oder der schleichende Uriah Heep ausriefen: “Ich bin Dickens”, oder

wenn ein Tölpel aus einem von Shakespeares Dramen großsprecherisch

verkündete: “Ich bin Shakespeare.” Das All ist im Regenwurm, und doch ist der

Regenwurm weit davon entfernt, das All zu sein. Und stets bleibt es ein Wunder,

dass, obwohl der Regenwurm nur als ein niederes Ding existiert, erschaffen wurde

und sein Wesen hat im Mind des All -, doch das All im Regenwurm immanent ist

und in den Partikeln, die den Regenwurm aufbauen. Kann es ein größeres Wunder

geben als dieses “Alles im All und das All in allem”?

Der Schüler muss sich selbstverständlich vergegenwärtigen, dass die oben

gegebenen Ilustrationen notwendigerweise unvollkommen und unzulänglich sind,

da sie die Erschaffung mentaler Bilder in endlichen Minds darstellen, während das

Universum eine Schöpfung des unendlichen Mind ist – und die Differenz zwischen

den beiden Polen sie trennt. Und doch liegt der Unterschied nur im Grade –

dasselbe Prinzip ist wirksam – das Prinzip der Entsprechung äußert sich überall

-“wie oben, so unten, wie unten, so oben.”

Und im selben Maße wie der Mensch die Existenz des innewohnenden, seinem

Wesen immanenten Geistes erkennt, steigt er auf der geistigen Lebensleiter höher.

Dies ist die Bedeutung “geistiger Entwicklung” – die Erkenntnis, die Vorstellung,

die Offenbarung des Geistes in uns. Bemüht euch, diese Definition von der

geistigen Entwicklung wohl zu merken. Sie enthält die Wahrheit wahrer Religion.

Es gibt viele Daseinspläne – viele Unterpläne des Lebens – viele Existenzgrade im

Universum. Und alle hängen vom Fortschritt der Wesen auf der Stufenleiter ab;

der niederste Punkt dieser Leiter ist die gröbste Materie, der höchste Punkt ist vom

reinen Geist des All nur durch einen kaum merklichen Unterschied getrennt. Und

aufwärts und vorwärts entlang dieser Lebensleiter ist alles in Bewegung. Alles ist

auf dem Pfade, dessen Ende das All ist. Jeder Fortschritt ist ein Heimkehren; alles

ist ein Aufwärts und Vorwärts, trotz allem widersprechenden Anschein. So lautet

die Botschaft der Erleuchteten.

Die hermetischen Lehren, die mentale Erschaffung des Universums betreffend,

sind wie folgt: Am Beginn des Schöpfungszyklus projiziert das All in seinem

Aspekt des “Seins” seinen Willen auf seinen Aspekt des “Werdens” und der

Schöpfungsvorgang beginnt. Es wird gelehrt, dass er darin besteht, dass die

Schwingung herabgesetzt wird, bis ein sehr niederer Grad schwingender Energie

erreicht ist, an welchem Punkt die gröbstmögliche Form der Materie sich

offenbart. Dieser Vorgang wird das Stadium Involution” genannt, in welchem das

All in seine Schöpfung “eingehüllt” oder “eingewickelt” wird. Die Hermetiker

glauben, dass die Involution dem Vorgang bei einem Künstler, Schriftsteller oder

Erfinder entspricht, der von seiner Schöpfung so “eingehüllt” wird, dass er beinahe

seine eigene Existenz vergisst und für eine Zeit fast “in seiner Schöpfung lebt”.

Wenn wir statt “eingehüllt” das Wort “verzückt” gebrauchen, geben wir vielleicht

eine bessere Vorstellung, von dem, was gemeint ist.”

Dieses Involutionsstadium der Erschaffung wird manchmal das “Ausströmen der

göttlichen Energie” genannt, während das Evolutionsstadium das “Einziehen”

genannt wird. Der extreme Pol des Schöpfungsvorgangs wird als der vom All am

weitesten entfernte angesehen, während der Anfang des Evolutionsstadiums als

der Beginn des Rückschwungs des rhythmischen Pendels betrachtet wird, eine

“Heimkehr”-Vorstellung, die in allen hermetischen Lehren enthalten ist.

Es wird gelehrt, dass während des “Ausströmens” die Schwingungen langsamer

und langsamer werden, bis endlich der Hinschwung aufhört und der Rückschwung

beginnt. Hier besteht aber der Unterschied, dass, während des “Ausströmens” die

schöpferischen Kräfte kompakt, als Ganzes offenbar werden, sich vom Beginn des

“Evolutions”- oder “Einziehungs” -Stadiums an sich das Gesetz der

Individualisation offenbart, d. h. die Neigung, sich in Krafteinheiten zu trennen, so

dass endlich das, was das All als unindividualisierte Energie verließ, zu seinem

Ursprung als zahllose, hoch entwickelte, Lebenseinheiten zurückkehrt, die sich

durch physische, mentale und spirituelle Evolution auf der Stufenleiter höher und

höher erhoben haben.

Die alten Hermetiker gebrauchen das Wort “Meditation”, wenn sie den Vorgang

der mentalen Erschaffung des Universums im Mind des Alls beschreiben, häufig

auch das Wort “Betrachtung”, “Kontemplation”; sie scheinen damit ausdrücken zu

wollen, dass die göttliche “Attention” in Anwendung gebracht wird. Attention ist

aus einer lateinischen Wurzel abgeleitet, die bedeutet “sich erstrecken, sich

ausdehnen”, Attention ist daher wirklich ein “Sich-Erstrecken, eine Ausdehnung”

mentaler Energie, so dass die zugrunde liegende Idee sogleich verstanden wird,

wenn wir auf die wirkliche Bedeutung des Wortes Attention näher eingehen. Die

hermetischen Lehren betreffs des Vorganges der Evolution gehen dahin, dass das

All, nachdem es über den Schöpfungsbeginn meditiert und so die materiellen

Grundlagen des Universums errichtet hat, indem es diese in Existenz gedacht hat,

dann stufenweise erwacht oder sich aus seiner Meditation erhebt; dadurch bringt

es den Vorgang der Evolution auf den materiellen, mentalen und spirituellen

Plänen, der Reihe nach, in Gang. So beginnt die Aufwärtsbewegung – und alles

beginnt, sich dem Geist zu nähern. Materie wird weniger grob; die Einheiten treten

ins Dasein; die Kombinationen beginnen sich zu bilden; Leben erscheint und

offenbart sich in immer höheren Formen; und Mind wird immer augenscheinlicher

– die Schwingungen werden stets höher. Kurz, der ganze Vorgang der Evolution in

all seinen Phasen beginnt und geht vor sich nach den festen Gesetzen des

“Einziehungsvorganges”. Dies alles erfordert Äonen über Äonen menschlicher

Zeit, und jedes Äon enthält zahllose Millionen von Jahren; und doch teilen uns die

Erleuchteten mit, dass die ganze Schöpfung eines Universums, Involution und

Evolution inbegriffen, für das All nur ist “wie ein Augenblick”. Am Ende zahlloser

Zyklen von Äonen, zieht das All seine “Attention” – seine Kontemplation und

Meditation – vom Universum zurück, weil das große Werk beendet ist – und alles

ist ins All zurückgezogen, von wo es ausging. Dies ist der Bericht der

Erleuchteten.

Die oben gegebene Illustration von der “Meditation” des Alls ist natürlich nur ein

Versuch der Lehrer, den unendlichen Vorgang durch ein endliches Beispiel zu

schildern. Und doch: “Wie unten, so oben”. Der Unterschied besteht nur im Grad.

Und gerade so, wie das All sich aus seiner Meditation über das Universum erhebt,

wird der Mensch (zur gegebenen Zeit) aufhören, sich auf dem materiellen Plan zu

manifestieren, wird er sich mehr und mehr in den ihm innewohnenden Geist

zurückziehen, welcher das “Göttliche Ego” ist. In dieser Lektion wollen wir noch

etwas besprechen; es ist beinahe ein Übergriff in metaphysisches

Spekulationsgebiet, obwohl wir nur zeigen wollen, wie vergeblich und nutzlos

solche Spekulationen sind. Wir spielen auf die Frage an, die sich unvermeidlich

dem Mind aller Denker aufdrängt, welche die Wahrheit zu suchen bestrebt sind.

Die Frage lautet: “Warum erschafft das All Universen?” Die Frage mag in

verschiedenen Formen gestellt werden, die oben angeführte aber trifft den Kern

der Sache.

Die Menschen haben sich sehr bemüht, diese Frage zu beantworten, aber noch

haben sie keine Antwort gefunden, die dieser Bezeichnung wert wäre. Manche

haben sich eingebildet, das All hätte durch die Schöpfung etwas zu gewinnen; das

ist aber absurd, denn was könnte das All gewinnen, was es nicht schon besitzt?

Andere haben die Antwort in der Idee gesucht, das All “wünsche etwas, um es

lieben zu können”. Andere meinten, das All erschaffe zu seinem Vergnügen, zu

seiner Unterhaltung; oder weil es sich “einsam” fühlte; oder um seine Macht zu

offenbaren. All dies sind kindische Erklärungen und Ideen, die der kindischen

Gedankenperiode angehören.

Wieder andere haben das Geheimnis zu erklären gesucht, indem sie annahmen,

dass das All durch seine eigene “innerliche Natur”, seinen “schöpferischen

Instinkt” sich gezwungen sah, zu schaffen. Diese Idee ist besser als die anderen,

ihr schwacher Punkt aber liegt in der Vorstellung, dass das All durch irgend etwas

Innerliches oder Äußerliches “gezwungen wäre”. Wenn seine “innerliche Natur”,

sein “schöpferischer Instinkt” es zwingen würde, etwas zu tun, dann wäre die

“innerliche Natur”, der “schöpferische Instinkt” an Stelle des Alls das Absolute;

dieser Vorschlag ist also auch hinfällig. Und doch schafft und offenbart sich das

All und scheint eine gewisse Befriedigung dabei zu finden. Es ist schwer, der

Schlussfolgerung zu entgehen, das All habe in einem unendlichen Grade etwas,

das der “inneren Natur” oder dem “schöpferischen Instinkt” im Menschen

entspricht, mit entsprechendem unendlichen Wunsch und Willen. Es könnte nicht

handeln, wenn es nicht handeln wollte; und es könnte nicht handeln wollen, wenn

es nicht zu handeln wünschte; und es würde nicht zu handeln wünschen, wenn es

dadurch nicht irgend eine Befriedigung erlangte. Und all dies würde einer “inneren

Natur” angehören und könnte nach dem Gesetz der Entsprechung als existierend

vorausgesetzt werden. Und doch ziehen wir es vor, uns das All vollkommen frei

von jedem – innerlichen oder äußerlichen – Einfluss handelnd zu denken. Das ist

das Problem, das an der Wurzel der Schwierigkeit liegt – und die Schwierigkeit,

die an der Wurzel des Problems liegt.

Genau genommen, kann man beim All nicht von irgendeinem “Grund” zu handeln

sprechen, denn ein “Grund” schließt eine “Ursache” in sich und das All steht über

Ursache und Wirkung, ausgenommen das All will eine Ursache werden, in

welchem Fall das Prinzip in Tätigkeit tritt. Ihr seht also, der Gegenstand ist

unausdenkbar, ebenso wie das All unausdenkbar ist. Ebenso wie wir sagen, das All

ist einfach, müssen wir auch sagen, “das All handelt, weil es handelt”. Letzten

Endes ist das All in sich selbst aller Grund-, in sich selbst alles Gesetz; in sich

selbst alle Handlung – man kann wahrhaftig sagen, das All ist sein eigener Grund;

sein eigenes Gesetz, seine eigene Handlung – oder noch weiter, das All, sein

Grund, seine Handlung, sein Gesetz sind Eines, alles sind nur Namen für dasselbe

Ding. Nach der Meinung derer, die euch diese Lektion geben, ist die Antwort im

inneren Selbst des All verschlossen, in seinem Wesensgeheimnis. Unserer

Meinung nach reicht das Gesetz von der Entsprechung nur bis zu jenem Aspekt

des Alls, von dem man als dem “Aspekt des Werdens” sprechen kann. Hinter

diesem Aspekt ist der “Aspekt des Seins”, in dem alle Gesetze sich im Gesetz

verlieren; alle Prinzipien im Prinzip aufgehen – und das All, das Prinzip, das

Wesen identisch, ein und dasselbe sind. Darum ist metaphysische Spekulation über

diesen Punkt vergeblich. Wir gehen hier auf den Gegenstand nur ein, um zu

zeigen, dass wir die Frage kennen, ebenso wie die Absurdität der gewöhnlichen

Antworten, die von der Metaphysik und von der Theologie gegeben werden.

Schließlich mag es für unsere Schüler interessant sein, zu hören, dass einige alte

und neue hermetische Lehrer dazu neigten, das Prinzip der Entsprechung auf die

Frage anzuwenden, mit dem Erfolg der Schlussfolgerung von der “inneren Natur”;

die Legende aber erzählt, dass Hermes, der Große, wenn ihm von seinen

vorgeschrittenen Schülern diese Frage gestellt wurde, antwortete, indem er die

Lippen fest zusammenpresste und kein Wort sagte, dadurch andeutend, dass es auf

diese Frage keine Antwort gebe. Vielleicht wollte er auf das Axiom seiner

Philosophie hinweisen: “Die Lippen der Weisheit sind verschlossen,

ausgenommen für die Ohren des Verstehens”, da er glaubte, dass nicht einmal

seine vorgeschrittenen Schüler das Verständnis besäßen, das sie berechtigen

würde, die Lehre zu hören. Auf jeden Fall, wenn Hermes das Geheimnis besaß, so

teilte er es nicht mit, und so weit es die Welt betrifft, sind die Lippen des Hermes

verschlossen. Und wo der Große Hermes zögerte zu sprechen, wie könnten

Sterbliche es wagen zu lehren?

Vergesst aber nie, dass, was immer auch die Antwort auf diese Frage ist wenn es

wirklich eine Antwort gibt, die Wahrheit bleibt: “Da alles im All ist, ist es

gleicherweise wahr, dass das All in allem ist.” Die Lehre hierüber ist

nachdrücklich. Wir fügen auch noch die Schlussworte des Zitates hinzu: “Dem,

der diese Wahrheit wirklich versteht, ist große Weisheit gekommen.”

Pläne der Entsprechung

“Wie oben, so unten, wie unten, so oben.”

Das Kybalion

Das große zweite hermetische Prinzip enthält die Wahrheit, dass eine Harmonie,

eine Übereinstimmung, eine Entsprechung zwischen den verschiedenen Plänen

von Manifestation, Leben und Dasein besteht. Diese Wahrheit ist deshalb eine

Wahrheit, weil alles, was im Universum eingeschlossen ist, aus derselben Quelle

kommt, und weil dieselben Gesetze, Prinzipien und Kennzeichen für jede Einheit

und jede Verbindung von Aktivitätseinheiten gelten, während alles seine eigenen

Phänomene auf seinem eigenen Plan manifestiert.

Zur Erleichterung des Denkens und des Studiums teilt die hermetische Philosophie

das Universum in drei große Klassen der Phänomene, bekannt als die drei großen

Pläne, nämlich:

1. der große physische Plan

2. der große mentale Plan

3. der große spirituelle Plan.

Diese Einteilung ist mehr oder weniger künstlich und willkürlich, weil alle drei

Abteilungen in Wahrheit nur aufsteigende Grade der großen Stufenleiter des

Lebens sind, deren niederster Punkt undifferenzierte Materie und deren höchster

Reiner Geist (Spirit) ist. Die einzelnen Pläne gehen auch ineinander über, sodass

keine harte und feste Teilung gemacht werden kann zwischen den höheren

Phänomenen des Physischen und den niederen des Mentalen; oder zwischen den

höheren des Mentalen und den niederen des Spirituellen.

Kurz, die drei großen Pläne können als drei große Gruppen von

Manifestationsgraden des Lebens angesehen werden. Der Zweck dieses kleinen

Buches erlaubt es uns nicht, auf eine breitere Besprechung oder Erklärung dieser

verschiedenen Pläne einzugehen; wir halten es aber für richtig, eine allgemeine

Beschreibung der Pläne zu geben.

Zu Beginn wollen wir die Frage ins Auge fassen, die so oft vom Neophyten

gestellt wird, der über die Bedeutung des Wortes “Plan” Aufklärung wünscht; der

Ausdruck “Plan” wurde in zahlreichen neuen Werken über Okkultismus sehr frei

gebraucht und sehr dürftig erklärt. Die Frage ist im allgemeinen diese: “Ist ein

Plan ein Ort von räumlicher Dimension oder ist er nur eine Beschaffenheit oder

ein Zustand?” Wir antworten: “Nein, kein Ort, auch keine gewöhnliche räumliche

Dimension; und doch mehr als ein Zustand, eine Beschaffenheit. Er kann als eine

Beschaffenheit oder ein Zustand angesehen werden und doch ist der Zustand oder

die Beschaffenheit ein Grad von Dimension auf einer Skala, die den Maßen

unterworfen ist. ” Einigermaßen paradox, nicht wahr?

Aber lasst uns die Angelegenheit prüfen. Eine “Dimension” ist, wie ihr wisst, ein

“Maß in gerader Linie, auf Maß bezüglich” usw. Die gewöhnlichen Dimensionen

des Raumes sind Länge, Breite und Höhe, oder vielleicht Länge, Breite, Höhe,

Dicke oder Umfang. Es gibt aber noch eine andere Dimension erschaffener Dinge,

oder ein “Maß in einer geraden Linie”, den Okkultisten bekannt, auch den

Wissenschaftlern, obwohl die letzteren noch nicht den Ausdruck “Dimension”

dafür angewendet haben – und diese neue Dimension, welche, nebenbei bemerkt,

die viel begrübelte “Vierte Dimension” ist, ist der Maßstab, der bei der

Bestimmung der Grade oder “Pläne” gebraucht wird.

Diese Vierte Dimension kann die “Dimension der Schwingung” genannt werden.

Der modernen Wissenschaft ebenso wohl wie den Hermetikern, welche die

Wahrheit in ihrem “dritten hermetischen Prinzip” niedergelegt haben, ist es

bekannt, dass “alles in Bewegung ist, alles schwingt; nichts in Ruhe ist”. Von der

höchsten Manifestation bis zur niedersten, schwingt alles und jedes. Es schwingt

aber nicht nur in verschiedenen Bewegungsmaßen, sondern auch in verschiedenen

Richtungen und auf verschiedene Art und Weise. Die Grade der

Schwingungsmaße bestimmen die Grade auf der Stufenleiter der Schwingungen,

mit anderen Worten, die Grade der Vierten Dimension. Und diese Grade bilden

das, was die Okkultisten “Pläne” nennen. Je höher der Grad des

Schwingungsmaßes, desto höher der Plan und desto höher die Manifestation des

Lebens, das diesen Plan einnimmt. Obwohl also ein Plan weder ein “Ort” noch

“ein Zustand oder eine Beschaffenheit” ist, besitzt er Eigenschaften, die beiden

gemeinsam sind. In unseren folgenden Lektionen, in denen wir das hermetische

Prinzip der Schwingung betrachten werden, werden wir mehr über die Stufenleiter

der Schwingungen zu sagen haben.

Merkt euch indessen, dass die drei großen Pläne nicht wirkliche Teilungen der

Phänomene des Universums sind, sondern nur willkürliche Ausdrücke, die von

den Hermetikern gebraucht werden, um das Denken und das Studium der

verschiedenen Grade und Formen universalen Lebens und universaler Aktivität zu

erleichtern. Das Atom der Materie, die Krafteinheit, das Mind des Menschen, und

das Wesen der Erzengel, sie alle sind nur Grade einer Stufenleiter, sind im Grunde

dasselbe, der Unterschied besteht nur im Grad und Maß der Schwingung – sie alle

sind Schöpfungen des Alls und haben ihr Dasein allein im unendlichen Mind des

Alls.

Die Hermetiker unterteilen jeden der drei großen Pläne in sieben Unterpläne, und

jeden dieser letzteren in sieben Unterabteilungen; alle diese Teilungen sind mehr

oder weniger willkürlich, gehen ineinander über und wurden nur zur Erleichterung

wissenschaftlichen Studiums und Denkens angenommen.

Der große physische Plan mit seinen sieben Unterplänen ist jene Abteilung der

Phänomene des Universums, welche alles einschließt, was auf physische oder

materielle Dinge, Kräfte und Manifestationen Bezug hat. Er schließt alle Formen

von dem, was wir Materie nennen, ein und alle Formen von dem, was wir Energie

oder Kraft nennen. Ihr dürft aber nicht vergessen, dass die hermetische

Philosophie die Materie nicht als ein “Ding an sich” anerkennt, der Materie keine

gesonderte Existenz im Mind des Alls zuspricht.

Es wird gelehrt, dass Materie nur eine Form von Energie ist, d. h. Energie von

niederer Schwingung bestimmter Art. Demgemäß reihen die Hermetiker die

Materie unter Energie ein und weisen ihr drei der sieben Unterpläne des großen

physischen Planes zu.

Diese physischen Unterpläne sind folgende:

I. Der Plan der Materie (A)

II. Der Plan der Materie (B)

III. Der Plan der Materie (C)

IV. Der Plan der ätherischen Substanz

V. Der Plan der Energie (A)

VI. Der Plan der Energie (B)

VII. Der Plan der Energie (C)

Der Plan der Materie (A) umfaßt die Formen der Materie in ihren Formen der

festen, flüssigen und gasförmigen Körper, wie sie allgemein in den physikalischen

Lehrbüchern genannt werden. Der Plan der Materie (B) umfaßt gewisse höhere

und subtilere Formen der Materie, deren Existenz die moderne Wissenschaft erst

jetzt anerkennt. (Die Phänomene der strahlenden Materie in ihren Phasen von

Radium usw. gehören den niederen Unterabteilungen dieses Unterplanes an.) Der

Plan der Materie (C) umfaßt Formen der subtilsten und dünnsten Materie, deren

Existenz von den gewöhnlichen Gelehrten nicht einmal vermutet wird. Der Plan

der ätherischen Substanz umfaßt das, von dem die Wissenschaft als Äther spricht,

eine Substanz äußerster Dünnheit und Elastizität, welche den ganzen Raum des

Universums durchdringt und als Medium für die Weiterleitung von Energiewellen

(Licht, Wärme, Elektrizität usw.) dient. Diese ätherische Substanz bildet ein

Verbindungsglied zwischen (sogenannter) Materie und Energie und hat an der

Natur beider teil. Die hermetischen Lehren teilen uns übrigens mit, dass auch

dieser Plan sieben Unterabteilungen hat (wie alle anderen Unterpläne) und dass es

tatsächlich sieben Äther gibt, nicht nur einen.

Als nächster nach dem Plan der ätherischen Substanz kommt der Plan der, Energie

(A), welcher die gewöhnlichen der Wissenschaft bekannten Energieformen

umfaßt; seine sieben Unterpläne sind beziehungsweise Wärme, Licht,

Magnetismus, Elektrizität und Anziehung (eingeschlossen Gravitation, Kohäsion,

chemische Affinität usw.) und mehrere andere Energieformen, die durch

wissenschaftliche Experimente schon angezeigt, aber bis jetzt noch nicht benannt

oder klassifiziert worden sind. Der Plan der Energie (B) umfaßt Unterpläne

höherer Energieformen, die bis jetzt von der Wissenschaft noch nicht entdeckt

worden sind. Diese Energieformen wurden die “feineren Naturkräfte” genannt;

von ihnen wird gesagt, dass sie bei der Manifestation gewisser Formen mentaler

Phänomene am Werk sind; durch sie werden solche Phänomene möglich. Der Plan

der Energie (C) umfaßt sieben Unterpläne von Energie, die so hoch organisiert ist,

dass sie manche für das “Leben” charakteristische Merkmale trägt. Diese Energie

wurde vom Mind der Menschen auf dem gewöhnlichen Entwicklungsplan noch

nicht erkannt, sie ist nur für Wesen des spirituellen Planes verfügbar – solche

Energie ist für den gewöhnlichen Menschen unausdenkbar und kann beinahe als

“göttliche Macht” angesehen werden. Die Wesen, welche sie anwenden, sind,

verglichen mit den höchsten uns bekannten Menschentypen, wie “Götter”.

Der große mentale Plan umfaßt sowohl Formen “lebender Dinge”, die uns im

gewöhnlichen Leben bekannt sind, als auch andere Formen, die ausgenommen die

Okkultisten – nicht so bekannt sind. Die Klassifikation der sieben mentalen

Unterpläne ist mehr oder weniger befriedigend und willkürlich (wenn sie nicht

von kunstvollen Erklärungen begleitet wird, die dem Zweck dieses Werkes fremd

sind), wir wollen sie aber doch erwähnen. Die Pläne sind folgende:

I. Der Plan des Mineral-Mind

II. Der Plan des Elemental-Mind (A)

III. Der Plan des Pflanzen-Mind

IV. Der Plan des Elemental-Mind (B)

V. Der Plan des Tier-Mind

Vl. Der Plan des Menschen-Mind.

Der Plan des Mineral-Mind umfasst die “Zustände und Beschaffenheit”, Einheiten

oder Wesen, oder Gruppen und Kombinationen derselben, welche die Formen

beleben, die uns als “Mineralien, Chemikalien” usw. bekannt sind. Diese Wesen

dürfen nicht mit den Molekülen, Atomen und Körperteilchen selbst verwechselt

werden; diese letzteren sind nur die materiellen Körper oder Formen dieser

Wesen, ebenso, wie der menschliche Körper nur eine materielle Form und nicht

der Mensch “selbst” ist. Diese Wesen können in gewissem Sinne “Seelen” genannt

werden und sind Lebewesen eines geringen Grades von Entwicklung, Leben und

Mind – nur wenig höher als die Einheiten “lebender Energie”, welche die höheren

Unterabteilungen des höchsten physischen Planes umfassen.

Das Durchschnittsmind schreibt dem Mineralreich gewöhnlich weder Mind, noch

Seele, noch Leben zu, die Okkultisten aber wissen, dass im Mineralreich Mind,

Seele, Leben existiert und die moderne Wissenschaft nähert sich in dieser

Beziehung rasch der Ansicht der Hermetiker. Die Moleküle, Atome und

Körperteilchen haben “ihre Liebe und ihren Hass”, “Gefallen und Missfallen”,

“Anziehung und Abstoßung” “,Affinität und Nicht Affinität” usw. Manche der

kühnsten modernen Gelehrten haben die Meinung geäußert, dass Wunsch und

Wille, Gemütsbewegungen und Gefühle der Atome sich von denen der Menschen

nur im Grade unterscheiden. Uns fehlen Zeit und Raum, um dies hier zu beweisen.

Alle Okkultisten kennen es als Tatsache und andere verweisen zu

Außenseiterbestätigung auf neuere wissenschaftliche Werke.

Es gibt auch auf diesem Plan die üblichen sieben Unterabteilungen. Der Plan des

Elemental-Mind (A) umfaßt den Zustand oder die Beschaffenheit und den Grad

mentaler und vitaler Entwicklung einer Klasse von Wesen, die dem

Durchschnittsmenschen unbekannt, den Okkultisten aber wohlbekannt sind. Sie

sind für die gewöhnlichen Sinne des Menschen unsichtbar, nichtsdestoweniger

existieren sie aber und spielen im Drama des Universums ihre Rolle. Der Grad

ihrer Intelligenz steht zwischen der Intelligenz der mineralischen und

chemikalischen Wesen einerseits und der Wesen des Pflanzenreiches andererseits.

Auch auf diesem Plan gibt es sieben Unterabteilungen. Der Plan des

Pflanzen-Mind in seinen sieben Unterabteilungen umfaßt die Zustände und

Beschaffenheiten der Wesen des Pflanzenreiches, deren vitale und mentale

Phänomene dem Menschen von durchschnittlicher Intelligenz ziemlich gut

bekannt sind; im Lauf der letzten zehn Jahre wurden ja viele neue, interessante

wissenschaftliche Werke über “Mind und Leben der Pflanzen” veröffentlicht. Die

Pflanzen haben Leben, Mind und “Seele” ebenso wohl wie die Tiere, Menschen

und Übermenschen.

Der Plan des Elemental-Mind (B) umfaßt in seinen sieben Unterabteilungen die

Zustände und Beschaffenheiten höherer Formen von “Elementalen” oder

unsichtbaren Wesen, welche ihre Rolle im Werk des Universums spielen; deren

Mind und Leben bildet einen Teil der Stufenleiter zwischen dem Plan des

Pflanzen-Mind und dem Plan des Tier-Mind; diese Wesen haben an der Natur

beider Anteil.

Der Plan des Tier-Mind umfaßt in seinen Unterabteilungen die Zustände und

Beschaffenheiten von Wesen oder Seelen, welche die uns allen bekannten

tierischen Lebensformen beseelen. Es ist nicht notwendig, diesen Lebensplan, das

Tierreich näher zu besprechen, da uns die Tierwelt ebenso vertraut ist, wie unsere

eigene.

Der Plan des Elemental-Mind (C) umfaßt in seinen sieben Unterabteilungen jene

Wesen, die unsichtbar wie alle Elementale – an der Natur des in unserer

Besprechung der sieben mentalen Unterpläne haben wir nur allgemein auf die drei

Elemental-Pläne verwiesen. In diesem Werk können wir in Bezug auf diese Pläne

nicht ins Detail gehen, denn es gehört nicht in diesen Teil der allgemeinen

Philosophie und Lehre. Wir sagen aber noch folgendes, um euch eine etwas

klarere Vorstellung von den Beziehungen dieser Pläne zu den bekannteren zu

geben: die Elemental-Pläne haben zu den Plänen des mineralischen, pflanzlichen,

tierischen und menschlichen Lebens und deren Mentalität dieselbe Beziehung, wie

die schwarzen Tasten des Klaviers zu den weißen. Die weißen Tasten genügen,

um Musik hervorzubringen, es gibt aber bestimmte Tonleitern, Melodien und

Harmonien, in welchen die schwarzen Tasten ihre Rolle spielen und in denen ihre

Gegenwart notwendig ist. Die Elemental-Pläne sind notwendig als “Bindeglieder”

von Seelenbeschaffenheiten, Wesenszuständen usw. zwischen den einzelnen

anderen Plänen, da gewisse Entwicklungsformen auf ihnen erreicht sind; – dem

Leser, der zwischen den Zeilen lesen kann, wird diese letzte Tatsache ein neues

Licht auf die Entwicklungsvorgänge werfen und ihm einen neuen Schlüssel geben

für die Geheimtüren der “Sprünge des Lebens” zwischen Naturreich und

Naturreich. Alle Okkultisten kennen die großen Elementalreiche genau, viele

esoterische Schriften erwähnen diese Reiche häufig. Die Leser von Bulwers

“Zanoni”

und ähnlicher Erzählungen werden die Wesen, welche diese Lebenspläne

bewohnen, kennen.

Wenn wir in unserer Betrachtung vom großen mentalen Plan zum großen

spirituellen Plan übergehen, was sollen wir da sagen? Wie können wir diese

höheren Zustände von Sein, Leben und Mind solchen Minds erklären, die noch

unfähig sind, die höheren Unterabteilungen des Planes des Menschen-Mind zu

erfassen und zu verstehen? Die Aufgabe ist unmöglich. Wir können von diesem

Plan nur ganz allgemein sprechen. Wie kann man einem Blindgeborenen das Licht

beschreiben, wie einem Menschen, der niemals etwas Süßes gekostet hat, den

Zucker, wie einem Taubstummen die Harmonie?

Alles, was wir sagen können, ist, dass die sieben Unterpläne des großen

spirituellen Planes (von denen jeder seine sieben Unterabteilungen hat) Wesen

umfaßt, deren Leben, Mind und Form über das des Menschen unserer Zeit so hoch

erhaben ist, als letzteres erhaben ist über den Wurm, das Mineral, ja sogar gewisse

Formen von Energie oder Materie. Das Leben dieser Wesen überragt unser Leben

so weit, dass wir die Details ihres Lebens nicht einmal denken können; ihr Mind

überragt unser Mind so weit, dass wir für sie kaum zu “denken” scheinen und

unsere mentalen Vorgänge für sie wie materielle Vorgänge erscheinen. Die

Materie, aus der ihre Formen zusammengesetzt sind, gehört den höchsten

materiellen Plänen an, ja von manchen Wesen wird gesagt, sie seien in reine

Energie gekleidet”. Was kann von solchen Wesen gesagt werden?

Auf den sieben Unterplänen des großen spirituellen Planes existieren Wesen, von

denen wir als von Engeln, Erzengeln, Halbgöttern sprechen. Auf den niederen

Unterplänen wohnen jene großen Seelen, die wir Meister und Adepten nennen;

nach diesen kommen die großen Hierarchien der englischen Heerscharen, für den

Menschen unausdenkbar; und nach diesen kommen jene Wesen, die wir – ohne

eine Unehrerbietigkeit zu begehen -“Götter” nennen dürfen, so hoch stehen sie auf

der Stufenleiter der Lebewesen; ihr Wesen, ihre Intelligenz und ihre Macht gleicht

der, die von den Menschen der Gottheit zugeschrieben wird. Der höchste

Gedankenflug menschlicher Phantasie kann diese Wesen nicht erreichen, nur das

Wort “göttlich” ist auf sie anwendbar. Viele dieser Wesen, ebenso wohl wie die

englischen Heerscharen haben größtes Interesse an den Vorgängen im Universum

und spielen darin eine wichtige Rolle. Diese unsichtbaren Gottheiten und

englischen Helfer üben ihren Einfluss auf den Evolutionsprozess und den

kosmischen Fortschritt frei und machtvoll aus. Ihr gelegentliches

Dazwischentreten und ihr gelegentlicher Beistand bei menschlichen

Angelegenheiten haben zu den zahlreichen Legenden, Glauben, Religionen und

Traditionen vergangener und gegenwärtiger Rassen geführt. Durch ihr Wissen und

durch ihre Macht haben sie wieder und immer wieder auf die Welt eingewirkt,

natürlich immer nur nach dem Gesetz des Alls.

Und doch, auch die höchsten dieser vorgeschrittenen Wesen existieren nur im

Mind des Alls – als seine Schöpfungen – und sind den kosmischen Prozessen und

den Gesetzen des Universums unterworfen. Sie sind noch sterblich. Wir dürfen sie

“Götter” nennen, wenn wir wollen, aber sie sind doch nur unsere älteren Brüder,

die vorgeschrittenen Seelen, welche ihre Brüder überholt haben, und welche die

Entzückung des Aufgehens im All vorübergehen ließen, um den Menschen auf

ihrer Reise entlang des Pfades helfen zu können. Sie gehören aber dem Universum

an, sind seinen Bedingungen unterworfen – sie sind sterblich – und ihr Plan ist

unter dem Plan des Absoluten Geistes.

Nur die vorgeschrittensten Hermetiker sind fähig, die inneren Lehren über den

Existenzzustand auf den spirituellen Plänen und über die Macht, die sich auf

diesen Plänen manifestiert, zu erfassen. Die Phänomene des spirituellen Planes

sind so viel höher als die des mentalen Planes, dass nur eine Verwirrung der

Vorstellungen entstehen könnte, wollten wir versuchen, sie zu beschreiben. Nur

jene Menschen, die durch Jahre ihr Mind im Sinne der hermetischen Philosophie

geübt haben, ja nur solche, welche aus anderen Inkarnationen früher erworbenes

Wissen mitgebracht haben, können verstehen, was unter den Lehren über die

spirituellen Pläne gemeint ist. Und viele dieser inneren Lehren werden von den

Hermetikern für zu heilig, zu wichtig und sogar zu gefährlich gehalten, als dass sie

öffentlich bekannt gegeben würden. Der intelligente Schüler wird verstehen, was

wir meinen, wenn wir feststellen, dass “Spirit” – wie es von den Hermetikern

gebraucht wird, – gleichbedeutend ist mit “lebende Macht”, “beseelte Kraft”,

“innere Essenz”, “Lebensessenz” usw. Diese Bedeutung darf nicht verwechselt

werden mit der gewöhnlich in Verbindung mit diesem Ausdruck angewendeten,

das heißt “religiös, kirchlich, spirituell, ätherisch, heilig” usw. Der Okkultist

gebraucht das Wort “Spirit” im Sinne von “belebendes Prinzip”, welches die Idee

von “Macht, lebender Energie, mystischer Kraft” usw. in sich trägt. Die

Okkultisten wissen auch, dass das, was als “spirituelle Macht” bekannt ist, im

schlechten, ebenso wie im guten Sinne angewendet werden kann, (in

Übereinstimmung mit dem Prinzip der Polarität), eine Tatsache, die von den

meisten Religionen in ihren Vorstellungen von Satan, Belzebub, Teufel, Luzifer,

den gefallenen Engeln usw. anerkannt wurde. Das Wissen von diesem Plan wurde

in allen esoterischen Bruderschaften und okkulten Orden im Allerheiligsten, im

Geheimraum des Tempels gehütet. Dies aber möge hier gesagt werden: jene, die

hohe spirituelle Macht erlangt und dieselbe missbraucht haben, haben ein

schreckliches Schicksal zu erwarten, der Schwung des rhythmischen Pendels wird

sie unvermeidlich zum fernsten Extrem materieller Existenz zurückschwingen,

von wo aus sie ihre Schritte wieder zurück, dem “Spirit” entgegen lenken müssen.

Sie müssen all die ermüdenden Runden des Pfades durchschreiten, wobei ihre

Qual dadurch vergrößert sein wird, dass sie immer die Erinnerung an jene Höhen

in sich tragen, aus denen sie infolge ihrer eigenen bösen Handlungen gestürzt sind.

Alle vorgeschrittenen Okkultisten wissen, dass die Legenden von den gefallenen

Engeln auf Tatsachen beruhen. Das selbstsüchtige Streben nach Macht auf den

spirituellen Plänen fährt unvermeidlich zu dem Ergebnis, dass die selbstsüchtige

Seele ihr spirituelles Gleichgewicht verliert und soweit zurückfällt, als sie sich

vordem erhoben hatte. Aber auch solchen Seelen ist Gelegenheit zu einer

Rückkehr geboten, – solche Seelen machen die Rückreise, auf der sie die

schreckliche Strafe nach dem unveränderlichen Gesetz zahlen.

Zum Schluss wollen wir euch noch einmal daran erinnern, dass nach dem Prinzip

der Entsprechung, welches die Wahrheit enthält: “Wie oben, so unten, wie unten,

so oben”, alle sieben hermetischen Prinzipien auf all den zahlreichen physischen,

mentalen und spirituellen Plänen in voller Wirksamkeit sind. Das Prinzip von der

mentalen Substanz ist natürlich auf alle Pläne anwendbar, weil alle im Mind des

Alls gehalten werden. Das Prinzip der Entsprechung manifestiert sich auf allen

Plänen, weil zwischen den einzelnen Plänen Übereinstimmung, Harmonie und

Entsprechung besteht. Das Prinzip der Schwingung manifestiert sich auf allen

Plänen, beruhen doch die Unterschiede, welche die “Pläne” bilden, selbst auf der

Schwingung, wie oben erklärt wurde. Das Prinzip der Polarität manifestiert sich

auf jedem Plan, da die Extreme der Pole augenscheinlich entgegengesetzt und

widersprechend sind. Das Prinzip des Rhythmus manifestiert sich auf jedem Plan,

da die Extreme der Pole augenscheinlich entgegengesetzt und widersprechend

sind. Das Prinzip des Rhythmus manifestiert sich auf jedem Plan, da die

Bewegung der Phänomene ihre Ebbe und Flut, ihr Steigen und Fallen, ihr

Eingehen und Ausgehen hat. Das Prinzip von Ursache und Wirkung manifestiert

sich auf jedem Plan, da jede Wirkung ihre Ursache und jede Ursache ihre Wirkung

hat. Das Prinzip des Geschlechts manifestiert sich auf jedem Plan, da sich die

schöpferische Energie immer manifestiert und nach ihren männlichen und

weiblichen Aspekten wirkt.

“Wie oben, so unten, wie unten, so oben.”

Dieses Jahrhunderte alte hermetische Axiom enthält eines der größten Prinzipien

des Universums. Je weiter wir in unserer Betrachtung der übrigen Prinzipien

fortschreiten, desto klarer werden wir die Wahrheit der universellen Natur dieses

großen Prinzips der Entsprechung sehen.

Schwingung

“Nichts ruht, alles bewegt sich; alles schwingt.”

Das Kybalion

Das große dritte hermetische Prinzip – das Prinzip der Schwingung – enthält die

Wahrheit, dass in allem im Universum sich Bewegung manifestiert dass nichts in

Ruhe ist – dass alles sich bewegt, schwingt und kreist. Dieses hermetische Prinzip

wurde von einigen der alten griechischen Philosophen erkannt, welche es in ihr

System einbauten. Dann aber verloren es die Denker außerhalb der hermetischen

Reihen für Jahrhunderte aus den Augen. Im neunzehnten Jahrhundert aber wurde

die Wahrheit von der physikalischen Wissenschaft wieder entdeckt, und die

wissenschaftlichen Entdeckungen des zwanzigsten Jahrhunderts haben neue

Beweise für die Richtigkeit und Wahrheit dieser Jahrhunderte alten Lehre

geliefert.

Die hermetischen Lehren sagen uns, dass nicht nur alles in fortwährender

Bewegung und Schwingung ist, sondern dass die Unterschiede zwischen den

einzelnen Manifestationen der universalen Macht nur in den verschiedenen

Maßen und Arten der Schwingungen bestehen. Aber nicht nur dies, sogar das All,

in sich selbst, manifestiert eine fortwährende Schwingung von so unendlicher

Intensität und so schneller Bewegung, dass es praktisch als in Ruhe befindlich

angesehen werden kann; die Lehrer machen die Schüler auf die Tatsache

aufmerksam, dass sogar auf dem physischen Plan ein Gegenstand, der sich rasch

bewegt (z. B. ein sich drehendes Rad) uns ruhig erscheint. Nach den hermetischen

Lehren ist “Spirit” an einem Pol der Schwingung, am anderen Pol sind gewisse

Formen von Materie. Zwischen diesen beiden Polen sind Millionen über

Millionen verschiedener Schwingungsmaße und Schwingungsarten.

Die moderne Wissenschaft hat bewiesen, dass alles, was wir Materie und Energie

nennen, nur “Arten schwingender Bewegung” sind, und manche fortschrittliche

Gelehrte nähern sich rasch der Ansicht der Okkultisten, welche auch die

Phänomene des Mind für Arten von Schwingung oder Bewegung halten. Sehen

wir zu, was die Wissenschaft über die Schwingungen in Materie und Energie zu

sagen hat.

Fürs erste lehrt die Wissenschaft, dass alle Materie in gewissem Grade die

Schwingungen manifestiert, die durch Temperatur oder Wärme entstehen. Ist ein

Gegenstand heiß oder kalt – beides sind nur Grade desselben Dinges -, er

manifestiert gewisse Wärmeschwingungen und ist in diesem Sinne in Bewegung

und Schwingung. Vom Körperchen bis zu den Sonnen sind alle Teile der Materie

in kreisender Bewegung. Die Planeten drehen sich um die Sonne und viele von

ihnen drehen sich um ihre eigene Achse. Die Sonnen bewegen sich um größere

Mittelpunkte, von diesen Mittel punkten glaubt man, dass auch sie sich um noch

größere bewegen und so weiter, bis ins Unendliche. Die Moleküle, aus denen die

einzelnen Arten der Materie zusammengesetzt sind, sind in einem Zustand

fortwährender Schwingung und Bewegung umeinander und gegeneinander. Die

Moleküle sind aus Atomen zusammengesetzt, welche gleicherweise in einem

Zustand andauernder Bewegung und Schwingung sind. Die Atome sind aus

Körperteilchen, manchmal “Elektronen” “Ionen” genannt, zusammengesetzt,

welche auch in einem Zustand rascher Bewegung sind, sich umeinander drehen,

und eine sehr rasche Schwingungsart manifestieren. So sehen wir, dass, in

Übereinstimmung mit dem hermetischen Prinzip der Schwingung, alle Formen

der Materie Schwingung manifestieren.

Und so ist es auch mit den verschiedenen Formen der Energie. Die Wissenschaft

lehrt, dass Licht, Wärme, Magnetismus und Elektrizität nur Formen schwingender

Bewegung sind, in gewisser Weise mit dem Äther zusammenhängend,

wahrscheinlich vom Äther ausgehend. Der Wissenschaft ist es bis jetzt noch nicht

gelungen, die Natur der Phänomene zu erklären, die als Kohäsion, chemische

Affinität und Gravitation bekannt sind. Kohäsion ist das Prinzip der

Molekular-Anziehung, chemische Affinität ist das Prinzip der Atom-Anziehung;

Gravitation (das größte Geheimnis unter den dreien) ist das Prinzip der

Anziehung, durch welche jeder Teil und jede Masse von Materie an jeden anderen

Teil und jede andere Masse gebunden ist. Diese drei Energieformen werden von

der Wissenschaft noch nicht verstanden, doch neigen die Fachautoren zu der

Ansicht, dass auch sie Manifestationen einer Form von schwingender Energie

sind, eine Tatsache, welche von den Hermetikern seit undenklichen Zeiten

erkannt und gelehrt wurde.

Der universale Äther, der von der Wissenschaft vorausgesetzt wird, ohne dass sie

seine Natur klar verstehen würde, wird von den Hermetikern als eine höhere

Manifestation dessen angesehen, was irrtümlich Materie genannt wird – das will

sagen, als Materie von höherem Schwingungsgrad – und wird von ihnen

“ätherische Substanz” genannt. Die Hermetiker lehren, dass diese ätherische

Substanz von außerordentlicher Dünnheit und Elastizität ist, den universalen

Raum durchdringt und als Übertragungsmedium für Wellen schwingender

Energie (Wärme, Licht, Elektrizität, Magnetismus usw.) dient. Die Lehren gehen

dahin, dass die ätherische Substanz ein Bindeglied ist zwischen den als “Materie”

bekannten Formen schwingender Energie einerseits und “Energie und Kraft”

andererseits; auch dass sie einen nach Maß und Art vollständig eigenen

Schwingungsgrad manifestiert.

Um die Wirkung zunehmender Schwingungsmaße zu zeigen, haben die Gelehrten

die Illustration durch ein Rad, durch einen Kreisel oder einen Zylinder in rascher

Bewegung gewählt. Es wird dabei vorausgesetzt, dass ein Rad, ein Kreisel oder

ein sich drehender Zylinder mit geringer Geschwindigkeit läuft – wir wollen bei

der Besprechung des ganzen Vorgangs dieses sich drehende Ding “den

Gegenstand” nennen. Nehmen wir also an, der Gegenstand bewege sich zunächst

langsam. Man kann die Bewegung gut sehen, aber kein Laut von dieser

Bewegung erreicht unser Ohr. Die Geschwindigkeit nimmt nach und nach zu.

Nach einigen Augenblicken wird die Bewegung so schnell, dass ein tiefes

Brummen oder eine tiefe Note hörbar wird. Wenn dann die Geschwindigkeit noch

weiter wächst, wird ein der musikalischen Tonleiter angehörender Ton erzeugt.

Bei weiterer Steigerung der Geschwindigkeit kann man den nächst folgenden Ton

unterscheiden. Und so kommen – einer nach dem andern – alle die Töne der

Tonleiter, je mehr die Bewegung sich steigert, desto höher werden die Töne.

Wenn die Bewegung schließlich einen gewissen Grad erreicht hat, ist der höchste,

für das menschliche Ohr noch vernehmbare Ton erreicht, der schrille,

durchdringende Schrei erstirbt und Stille folgt. Kein Laut des sich drehenden

Gegenstandes wird gehört, da das Maß der Bewegung so hoch geworden ist, dass

das menschliche Ohr die Schwingungen nicht mehr aufnehmen kann. Dann

empfinden wir zunehmende Wärme. Nach einiger Zeit erreicht das Auge einen

flüchtigen Schimmer des Gegenstandes, der eine trübe, stumpfe rötliche Farbe

angenommen hat. Mit wachsender Geschwindigkeit wird das Rot heller und geht

später in Orange über. Dann folgen nach und nach die Schattierungen von Grün,

Blau, Indigo und schließlich Violett. Die Geschwindigkeit nimmt immer weiter

zu. Es vergeht das Violett, alle Farben verschwinden, das menschliche Auge kann

sie nicht aufnehmen. Vom sich drehenden Gegenstand gehen aber unsichtbare

Strahlen aus, die Strahlen, die in der Photographie verwendet werden und noch

andere feine Lichtstrahlen. Dann beginnen sich besondere, als Röntgenstrahlen

bekannte Strahlen zu manifestieren, da sich die Körperbeschaffenheit des

Gegenstandes geändert hat. Wenn das zugehörige Schwingungsmaß erreicht ist,

werden Elektrizität und Magnetismus ausgesendet.

Wenn dann der Gegenstand ein bestimmtes Schwingungsmaß erreicht hat,

zerfallen seine Moleküle und lösen sich in die ursprünglichen Elemente und

Atome auf. Dem Prinzip der Schwingung folgend, werden die Atome in die

zahllosen Teilchen (Elektronen), aus denen sie zusammengesetzt sind, getrennt.

Und schließlich verschwinden auch die Elektronen und man kann sagen, der

Gegenstand wird aus der ätherischen Substanz zusammengesetzt. Die

Wissenschaft wagt es nicht, die Illustration noch weiter zu verfolgen, die

Hermetiker aber lehren, dass, wenn die Schwingungen andauernd anwachsen

würden, der Gegenstand die folgenden Manifestationsstadien erreichen würde und

der Reihe nach die verschiedenen mentalen Stufen manifestieren würde, dem

“Spirit” immer näher käme und endlich wieder ins All eingehen würde, das

absoluter Spirit ist. Lange bevor er die Stufe ätherischer Substanz erreicht hat, hat

der “Gegenstand” jedoch aufgehört, ein “Gegenstand” zu sein. Andererseits aber

ist die Illustration doch richtig, sofern sie die Wirkung andauernd gesteigerten

Schwingungsmaßes zeigt. Bei der oben gegebenen Illustration darf man nicht

vergessen, dass in den Stadien, in denen der “Gegenstand” Schwingungen von

Licht, Wärme, usw. aussendet, er nicht wirklich in diese Energieformen aufgelöst

wurde (diese Energieformen stehen auf einer viel höheren Stufe); er erreicht

einfach einen Schwingungsgrad, in welchem diese Energieformen, bis zu einem

gewissen Grad, von den beschränkenden (confining, ihn begrenzenden)

Einflüssen seiner Moleküle, Atome und Elektrone befreit werden. Obwohl diese

Energieformen viel höher stehen als Materie, sind sie doch in die materiellen

Verbindungen eingeschlossen dadurch, dass sie sich durch materielle Formen

manifestieren und sie gebrauchen. Dadurch aber werden sie in ihre Schöpfungen

materieller Formen verwickelt und eingesperrt, was bis zu einem gewissen Grad

bei allen Schöpfungen der Fall ist: die schöpferische Kraft wird in ihre Schöpfung

involviert.

Die hermetischen Lehren gehen aber viel weiter als die moderne Wissenschaft.

Sie lehren, dass alle Manifestationen von Gedanken, Gefühlen, Verstand, Wille

oder Wunsch, oder mentalen Zuständen und Beschaffenheiten von Schwingungen

begleitet werden, von denen ein Teil ausgesendet wird und die Minds anderer

Personen durch “Induktion” beeinflussen kann. Dies ist das Prinzip, das die

Erscheinungen der “Telepathie” hervorruft, mentalen Einfluss und andere Formen

von Wirkung und Macht von Mind über Mind. Infolge der weiten Verbreitung

okkulten Wissens durch die verschiedenen Schulen, Kulte und Lehrer in unserer

Zeit wird das Publikum mit diesen Erscheinungen rasch bekannt.

Jeder Gedanke, jedes Gefühl oder jeder mentale Zustand hat sein entsprechendes

Maß und seine entsprechende Art der Schwingung. Und durch eine Anstrengung

des Willens der Person selbst oder anderer Personen können diese mentalen

Zustände reproduziert werden, ebenso wie ein musikalischer Ton erzeugt werden

kann, indem man ein Instrument in einem bestimmten Maße schwingen lässt, –

wie auch eine Farbe auf dieselbe Weise reproduziert werden kann. Durch die

Kenntnis des Prinzips der Schwingung, angewendet auf mentale Phänomene,

kann man sein Mind auf jeden erwünschten Schwingungsgrad polarisieren, und so

eine vollkommene Herrschaft über seine mentalen Zustände, Stimmungen usw.

erlangen. Auf dieselbe Weise kann man auch die Minds anderer beeinflussen,

indem man die gewünschten, mentalen Zustände in ihnen hervorruft. Kurz gesagt,

man kann fähig sein, auf dem mentalen Plan das hervorzurufen, was Wissenschaft

auf dem physischen Plan erzeugt, nämlich “Schwingungen nach dem Willen”.

Diese Macht kann man natürlich nur durch besonderen Unterricht, durch

Übungen und durch Praxis usw. erlangen, denn sie ist die Wissenschaft mentaler

Transmutation, ein Zweig der hermetischen Kunst.

Ein kurzes Überlegen dessen, was wir gesagt haben, wird dem Schüler zeigen,

dass das Prinzip der Schwingung den wunderbaren machtvollen Phänomenen

zugrunde liegt, welche von den Meistern und Adepten manifestiert werden. Die

Meister und Adepten können scheinbar die Naturgesetze unwirksam machen, in

Wirklichkeit aber gebrauchen sie nur ein Gesetz gegen ein anderes; ein Prinzip

gegen andere Prinzipien. Sie erzielen ihre Erfolge dadurch, dass sie die

Schwingungen von materiellen Gegenständen oder von Energieformen verändern,

und so das vollbringen, was gewöhnlich “Wunder” genannt wird.

Sehr wahr sagt ein alter hermetischer Schriftsteller: “Wer das Prinzip der

Schwingung versteht, hat das Szepter der Macht erlangt.”

Polarität

“Alles ist zweifach; alles hat Pole; alles hat seine zwei Gegensätze; Gleich und

Ungleich ist dasselbe; Gegensätze sind ihrer Natur nach identisch, nur im Grad

verschieden; Extreme begegnen einander; alle Wahrheiten sind nur

Halb-Wahrheiten, alle Paradoxe können in Übereinstimmung gebracht werden.”

Das Kybalion

Das große vierte hermetische Prinzip der Polarität enthält die Wahrheit, dass alle

manifestierten Dinge “zwei Seiten” haben, “zwei Aspekte”, “zwei Pole”, “zwei

Gegensätze” mit mannigfaltigen Stufen zwischen den beiden Extremen. Die alten

Paradoxa, die immer das Mind des Menschen verblüfft haben, werden durch das

Verstehen dieses Prinzips erklärt. Der Mensch hat schon immer etwas von diesem

Prinzip Verwandtes erkannt und hat es in Sprichwörtern, Maximen und

Aphorismen auszudrücken gesucht, wie z. B. “Alles ist und ist nicht zur gleichen

Zeit”; “Alle Wahrheiten sind nur Halb-Wahrheiten”; “Jede Wahrheit ist halb

falsch”; “Jedes Ding hat zwei Seiten”; “Jedes Schild hat eine Kehrseite”; usw. usw.

Die hermetischen Lehren gehen dahin, dass de Unterschied zwischen Dingen, die

scheinbar diametral entgegengesetzt sind, nur im Grade besteht. Sie lehren, dass

die “zwei Gegensätze mit einander versöhnt werden können”; und dass “Thesis

und Antithesis ihrer Natur nach identisch sind, nur im Grade verschieden”; und

dass “die universale Versöhnung der Gegensätze durch die Erkenntnis des Prinzips

der Polarität erreicht werden kann”. Die Lehrer machen darauf aufmerksam, dass

Illustrationen für dieses Prinzip leicht gefunden werden können, und zwar durch

eingehende Prüfung der wahren Natur jedes Dings. Vorerst zeigen sie uns, dass

“Spirit” und Materie nur die beiden Pole desselben Dinges sind, die Mittelpläne

nur Schwingungsgrade. Sie zeigen, dass das All und das Vielerlei dasselbe sind,

dass der Unterschied nur im Grade der mentalen Manifestation besteht. So sind

auch das Gesetz und die Gesetze die entgegengesetzten Pole desselben Dinges,

gleicherweise das Prinzip und die Prinzipien, das unendliche Mind und die

endlichen Minds.

Eingehend auf den physischen Plan, illustrieren die Lehrer das Prinzip, indem sie

zeigen, dass Hitze und Kälte der Natur nach identisch sind, die Unterschiede nur

im Grade bestehen. Das Thermometer zeigt viele Temperaturgrade, der niederste

Pol wird “Kälte”, der höchste Pol “Hitze” genannt. Zwischen diesen beiden Polen

sind viele Grade von “Wärme” und “Kälte”, man kann sie so oder so nennen, man

hat immer recht. Der höhere von zwei Graden ist immer “wärmer”, während der

niedere immer “kälter” ist. Es gibt keinen absoluten Maßstab, alles ist nur vom

Grade abhängig. Es gibt keinen Punkt am Thermometer, wo Wärme aufhört und

Kälte beginnt. Es ist alles nur höhere oder niedere Schwingung. Die Ausdrücke

“hoch” und “nieder” selbst, die wir gezwungenermaßen verwenden, sind nur Pole

desselben Dinges – die Ausdrücke sind relativ. So ist es auch mit “Ost” und

“West” – reist in östlicher Richtung rund um die Erde und ihr werdet einen Punkt

erreichen, der an eurem Ausgangspunkt Westen heißt, und ihr kehrt von diesem

westlichen Punkt zurück. Wenn ihr weit genug gegen Norden reist, werdet ihr

euch auf einmal gegen Süden reisend finden, oder umgekehrt.

Licht und Dunkelheit sind Pole desselben Dinges, mit vielen Zwischengraden. Die

Tonleiter ist dasselbe; von C ausgehend, steigt man immer höher, bis man ein

anderes C erreicht und so fort, die Unterschiede zwischen den beiden Enden sind

dasselbe, mit vielen Graden zwischen den beiden Extremen. Die Farbenskala ist

dasselbe – höhere und niedere Schwingungen sind der einzige Unterschied

zwischen hohem Violett und tiefem Rot. Groß und Klein sind relative Begriffe,

desgleichen Lärm und Ruhe; hart und weich folgen derselben Regel, ebenso scharf

und stumpf. Positiv und negativ sind zwei Pole desselben Dinges mit vielen

Zwischengraden.

Gut und Böse sind nicht absolut – wir nennen das eine Ende der Skala gut und das

andere böse, oder ein Ende das Gute und das andere Ende das Übel, je nach der

Anwendung der Ausdrücke. Ein Ding ist “weniger gut” als das Ding, das auf der

Skala höher steht. Dieses “weniger gute Ding” aber ist wieder “besser” als das

Ding, das zunächst unter ihm steht – und so weiter, das “Mehr oder Weniger” wird

von der Stellung auf der Skala reguliert.

So ist es auch auf dem mentalen Plan. “Liebe und Hass” werden gewöhnlich als

diametrale Gegensätze angesehen, als vollkommen verschieden, unvereinbar.

Wenn wir aber das Prinzip der Polarität anwenden, so finden wir, dass es keine

absolute Liebe und keinen absoluten Hass, als voneinander unterschieden gibt.

Hass und Liebe sind nur die Ausdrücke, die für die beiden Pole desselben Dinges

gebraucht werden. Wenn wir auf irgendeinem Punkt der Skala beginnen, finden

wir “mehr Liebe” oder “weniger Hass”, wenn wir die Skala aufwärts steigen; und

“mehr Hass” und “weniger Liebe”, wenn wir die Skala abwärts steigen, und dies

ist so, ganz gleich, ob wir von einem hohen oder einem niederen Punkt ausgehen.

Es gibt Grade von Hass und Liebe, und es gibt einen mittleren Punkt, an dem

Zuneigung und Abneigung so schwach werden, dass es schwer ist, zwischen den

beiden zu unterscheiden. Mut und Furcht fallen unter dieselbe Regel. Die zwei

Gegensätze existieren überall. Wo ihr ein Ding findet, da findet ihr auch seinen

Gegensatz, – die beiden Pole.

Und diese Tatsache ist es, die den Hermetiker befähigt, einen mentalen Zustand in

einen anderen zu transmutieren, nach den Richtlinien der Polarisation. Dinge, die

verschiedenen Klassen angehören, können nicht ineinander transmutiert werden,

aber Dinge derselben Klasse können vertauscht werden, das heißt, sie können ihre

Polarität ändern. So wird aus Liebe niemals Osten oder Westen, oder Rot oder

Violett – sie kann sich aber in Hass verwandeln – und sie tut es oft -, gleicherweise

kann Hass durch Veränderung der Polarität in Liebe umgewandelt werden. Mut

kann sich in Furcht transmutieren und umgekehrt. Harte Dinge können weich

gemacht werden, stumpfe Dinge werden scharf, heiße Dinge werden kalt. Und so

weiter, die Transmutation findet immer nur zwischen den Dingen derselben Art

und verschiedenen Graden statt. Nehmen wir den Fall eines furchtsamen

Menschen. Wenn er seine mentalen Schwingungen in der Richtung Furcht – Mut

erhebt, kann er vom höchsten Grade von Mut und Furchtlosigkeit erfüllt werden.

Gleicherweise kann ein träger Mensch sich in ein tätiges, energisches Individuum

verwandeln, einfach durch Polarisation in der Richtung der erwünschten

Eigenschaft.

Der Schüler, welcher mit den Prozessen vertraut ist, durch welche die

verschiedenen Schulen mentaler Wissenschaft usw. die Veränderungen der

mentalen Zustände jener hervorbringen, die ihren Lehren folgen, wird nicht

sogleich das Prinzip verstehen, das vielen dieser Veränderungen zugrunde liegt.

Wenn jedoch das Prinzip der Polarität einmal erfasst wurde und man gesehen hat,

dass mentale Veränderungen von einer Veränderung der Polarität verursacht

werden – einem Gleiten entlang derselben Skala – dann ist dies alles leichter zu

verstehen. Die Veränderung besteht nicht in der Transmutation eines Dinges in ein

anderes, von diesem vollkommen verschiedenen Ding – sie ist nur eine Änderung

des Grades von gleichen Dingen, ein sehr wichtiger Unterschied. Um ein Beispiel

aus dem physischen Plan zu geben: es ist unmöglich, Hitze in Schärfe

umzuwandeln oder in Lärm, in Höhe usw.; Hitze aber kann leicht in Kälte

umgewandelt werden, einfach durch Herabsetzen der Schwingungen. Auf diese

gleiche Weise sind Hass und Liebe gegenseitig wandelbar, auch Furcht und Mut.

Aber Furcht kann nicht in Liebe verwandelt werden, noch kann Mut in Hass

transmutiert werden. Die mentalen Zustände gehören zahllosen Klassen an, jede

dieser Klassen hat ihre entgegengesetzten Pole, zwischen denen Transmutation

möglich ist.

Der Schüler wird ohne Schwierigkeit erkennen, dass in den mentalen Zuständen

ebenso wohl wie bei den Phänomenen des physischen Planes die beiden Pole als

positiv beziehungsweise negativ bezeichnet werden können. So ist Liebe positiv

zum Hass; Mut zur Furcht; Tätigkeit zur Untätigkeit usw. usw. Bemerkt sei noch,

dass sogar jenen, die mit dem Prinzip der Schwingung nicht vertraut sind, der

positive Pol von höherem Grade erscheint als der negative, und dass der positive

Pol den negativen beherrscht. Die Tendenz der Natur geht nach der dominierenden

Aktivität des positiven Poles.

Die Phänomene mentaler Beeinflussung, in ihren mannigfaltigen Phasen, zeigen

uns, dass man durch die Anwendung der Polarisationskunst nicht nur die Pole

seiner eigenen mentalen Zustände verändern kann. Das Prinzip erstreckt sich auch

auf jene Phänomene, in denen ein Mind das Mind anderer beeinflusse. In den

letzten Jahren wurde über diesen Gegenstand viel geschrieben und gelehrt. Wenn

man verstanden hat, dass mentale Induktion möglich ist, d. h. dass mentale

Zustände durch Induktion anderer hervorgerufen werden können, kann man ohne

Schwierigkeit einsehen, dass ein gewisses Schwingungsmaß, oder die Polarisation

eines gewissen mentalen Zustandes einer anderen Person mitgeteilt und deren

Polarität in dieser Klasse mentaler Zustände verändert werden kann. Nach diesem

Prinzip können die Resultate vieler “mentaler Behandlungsarten” erzielt werden,

z. B. eine Person ist “blau”, melancholisch und voll Furcht. Ein mentaler

Wissenschaftler bringt nun vermöge seines geübten Willens sein eigenes Mind auf

die gewünschte Schwingung und erreicht so für sich selbst die erwünschte

Polarisation. Dann ruft er durch Induktion einen ähnlichen mentalen Zustand bei

der anderen Person hervor. Das Resultat ist dass die Schwingungen gehoben

werden und die Person gegen das positive Ende der Skala statt gegen das negative

polarisiert wird; ihre Furcht und andere negative Gefühle wurden in Mut und

ähnliche positive mentale Zustände transmutiert. Ein wenig Nachdenken wird

zeigen, dass nahezu alle mentalen Veränderungen Polarisationsänderungen sind,

und dass häufiger der Grad als die Gattung geändert wird.

Das Wissen von der Existenz dieses großen hermetischen Prinzips wird den

Schüler befähigen, seine eigenen mentalen Zustände, wie auch die anderer Leute,

besser zu verstehen. Der Schüler wird sehen, dass alle diese Zustände vom Grade

abhängen, und wird dadurch fähig, die Schwingungen willkürlich zu erhöhen oder

zu erniedrigen, seine mentalen Pole zu ändern; und so wird er Meister seiner

mentalen Zustände, statt deren Diener und Sklave zu sein. Durch sein Wissen

kann er seinen Mitmenschen weise helfen, und durch Anwendung geeigneter

Methoden die Polarität ändern, wenn es wünschenswert ist. Wir raten allen

Schülern, sich mit dem Prinzip der Polarität vertraut zu machen, weil ein korrektes

Verstehen desselben Licht auf viele Schwierigkeiten werfen wird.

Rhythmus

“Alles fließt, aus und ein; alles hat seine Gezeiten; alles hebt sich und fällt; der

Schwung des Pendels äußert sich in allem; der Ausschlag des Pendels nach rechts

ist das Maß für den Ausschlag nach links; Rhythmus gleicht aus.”

Das Kybalion

Das große fünfte hermetische Prinzip – das Prinzip vom Rhythmus – enthält die

Wahrheit, dass sich in allem eine abgemessene Bewegung äußert; eine Bewegung

hin und her; ein Fluten und Einfluten; ein Vorwärts- und Rückwärtsschwingen;

eine pendelartige Bewegung; eine gezeitengleiche Ebbe und Flut; eine Hoch-Zeit

und eine Tief-Zeit; zwischen den beiden Polen, die sich auf den physischen,

mentalen und spirituellen Plänen manifestieren. Das Prinzip vom Rhythmus ist eng

verknüpft mit dem Prinzip der Polarität, welches im vorhergehenden Kapitel

erörtert wurde. Rhythmus manifestiert sich zwischen den beiden Polen, die vom

Prinzip der Polarität errichtet worden sind. Dies will aber nicht sagen, dass das

rhythmische Pendel bis zu den extremen Polen schwingt, denn das kommt nur

selten vor. Tatsächlich ist es in den meisten Fällen schwer, die extremen, polaren

Gegensätze festzusetzen. Aber der Schwung des Pendels ist immer erst in der

Richtung nach dem einen und dann in der Richtung nach dem anderen Pol.

In allen Phänomenen des Universums manifestiert sich eine Aktion und Reaktion,

ein Fortschritt und Rückschritt, ein Steigen und Sinken. Sonnen, Welten,

Menschen, Tiere, Pflanzen, Minerale, Kräfte, Energie, Mind und Materie, ja sogar

Geist oder Spirit, manifestieren dieses Prinzip. Das Prinzip manifestiert sich in der

Erschaffung und Zerstörung von Welten, im Steigen und Fallen von Nationen, in

der Lebensgeschichte aller Dinge, und endlich in den mentalen Zuständen des

Menschen.

Um mit den Manifestationen des Spirit – des All – zu beginnen: man wird

bemerken, dass immer das Ausströmen und Einziehen da ist, das “Ausatmen und

Einatmen von Brahm”, wie die Brahmanen es ausdrücken. Universen werden

geschaffen, erreichen ihren extrem niederen Punkt der Materialität und beginnen

dann ihren Schwung nach aufwärts. Sonnen treten ins Dasein; und dann, wenn sie

die Höhe ihrer Macht erreicht haben, beginnt der Prozess des Rückgangs. Nach

Äonen werden sie tote Massen von Materie und warten auf einen Impuls, welcher

ihre inneren Energien wieder in Tätigkeit versetzt; damit hat dann ein neuer solarer

Lebenszyklus begonnen. Und so ist es mit allen Welten; sie werden geboren,

wachsen und sterben, nur um wieder geboren zu werden; sie schwingen von

Aktion zu Reaktion; von der Geburt zum Tod; von Tätigkeit zu Untätigkeit und

dann wieder zurück. So ist es mit allen leben den Dingen; sie werden geboren,

wachsen und sterben – und werden dann wieder geboren. So ist es mit allen großen

Bewegungen, Philosophien, Glaubensbekenntnissen, Sitten und Bräuchen,

Regierungen, Nationen und allem anderen – Geburt, Wachstum, Reife, Verfall,

Tod – und dann neue Geburt. Der Schwung des Pendels ist in allem offenbar.

Die Nacht folgt dem Tage und der Tag folgt der Nacht. Das Pendel schwingt vom

Sommer zum Winter und dann wieder zurück. Die Körperteilchen, Atome,

Moleküle und alle Massen von Materie schwingen um den Kreis ihrer Natur. Es

gibt keine absolute Ruhe, kein Aufhören der Bewegung, und alle Bewegung hat

Teil am Rhythmus. Das Prinzip ist von universaler Anwendungsmöglichkeit. Es

kann auf jede Frage angewendet werden, auf alle Phänomene eines jeden der

zahlreichen Lebenspläne. Es kann auf alle Phasen menschlicher Tätigkeit

angewendet werden. Es ist immer der rhythmische Schwung von einem Pol zum

anderen. Das universale Pendel ist immer in Bewegung. Die Gezeiten des Lebens

fluten ein und aus, in Übereinstimmung mit dem Gesetz.

Das Prinzip vom Rhythmus wird von der modernen Wissenschaft gut verstanden

und wird angewendet auf materielle Dinge – als universales Gesetz betrachtet. Die

Hermetiker aber dehnen die Anwendung des Prinzips viel weiter aus; sie wissen,

dass seine Manifestationen und sein Einfluss bis zu den mentalen Aktivitäten des

Menschen reichen, dass dieses Prinzip die verwirrende Folge von Stimmungen,

Gefühlen und andere unangenehme und verblüffende Veränderungen, die wir in

uns selbst wahrnehmen, erklärt. Durch das Studium der Wirkungen dieses Prinzips

haben die Hermetiker gelernt, manchen seiner Wirkungen durch Transmutation zu

entgehen.

Die hermetischen Meister haben schon vor langer Zeit entdeckt, dass, obwohl das

Prinzip vom Rhythmus unveränderlich und in mentalen Phänomenen immer

evident ist, es doch zwei Pläne seiner Manifestationen gibt, soweit es mentale

Phänomene betrifft. Sie entdeckten, dass es zwei Hauptpläne des Bewusstseins

gibt, den niederen und den höheren. Das Verständnis dieser Tatsache befähigte sie,

sich zum höheren Plan zu erheben und so dem Schwung des rhythmischen Pendels

zu entgehen, welcher sich auf dem niederen Plan manifestierte. In anderen Worten,

der Pendelschwung fand auf dem unbewussten Plan statt, und das Bewusstsein

wurde nicht berührt. Dies nennen die Hermetiker das Gesetz der Neutralisation.

Seine Wirksamkeit besteht darin, dass sich das Ego über die Schwingungen des

unbewussten Planes mentaler Aktivität erhebt, sodass sich der negative Schwung

des Pendels nicht im Bewusstsein manifestiert und so die Hermetiker nicht davon

berührt werden. Es ist dies ein Vorgang, ähnlich dem, wenn man sich über ein

Ding erhebt und es unter sich vorübergehen lässt. Die hermetischen Meister oder

fortgeschrittene Schüler polarisieren sich auf den gewünschten Pol, und durch

einen Vorgang, ähnlich einer “Verweigerung” an dem Rückschwung

teilzunehmen, oder, wenn es euch so lieber ist, einer “Verneinung” seines

Einflusses auf sie selbst, stehen sie fest auf ihrer polarisierten Position und lassen

das Pendel auf dem unbewussten Plan zurückschwingen. Alle Individuen, die

einen gewissen Grad von Selbstbeherrschung erlangt haben, tun dies mehr oder

weniger unwissentlich; wenn sie ihren Stimmungen und negativen mentalen

Zuständen nicht gestatten, sie zu beeinflussen, so wenden sie das Gesetz der

Neutralisation an. Der Meister jedoch erreicht in dieser Kunst einen viel höheren

Grad der Vollkommenheit. Mit Hilfe seines Willens erlangt er einen Grad von

Gleichgewicht und mentaler Festigkeit, der denen, die sich gestatten, von dem

mentalen Pendel der Stimmungen und Gefühle vor- und zurückgeschwungen zu

werden, fast unmöglich und unglaublich erscheint.

Jede denkende Person, welche erkennt, dass die meisten Menschen Kreaturen ihrer

Stimmungen, Gefühle und Gemütsbewegungen sind und nur sehr geringe

Selbstbeherrschung haben, wird die Wichtigkeit mentalen Gleichgewichts richtig

einschätzen. Wenn ihr kurze Zeit innehaltet und nachdenkt, werdet ihr erkennen,

wie oft euch diese rhythmischen Schwünge in euerem Leben beeinflusst haben –

wie einer Periode von Begeisterung unausbleiblich entgegengesetzte Gefühle und

Niedergeschlagenheit folgten. Gleicherweise folgten euren mutigen Stimmungen

Perioden der Furcht. Und so ist es mit den meisten Menschen immer gewesen –

Gezeiten der Gefühle sind mit ihnen gestiegen und gefallen, ohne dass sie den

Grund oder die Ursache der mentalen Phänomene auch nur vermutet hätten. Ein

Verständnis des Wirkens dieses Prinzips wird uns den Schlüssel zur Herrschaft

über diese rhythmischen Schwünge der Gefühle geben, wird uns befähigen, uns

selbst besser zu kennen und es zu vermeiden, von diesem Ein- und Ausfluten

mitgerissen zu werden. Der Wille selbst ist den bewussten Manifestationen dieses

Prinzips überlegen, obwohl das Prinzip selbst niemals zerstört werden kann. Wir

können seinen Wirkungen ausweichen, dessen ungeachtet aber wirkt das Prinzip.

Das Pendel schwingt immer, wir können es aber vermeiden, von ihm mitgerissen

zu werden.

Es gibt noch andere Grundzüge der Wirksamkeit dieses Prinzips vom Rhythmus,

von welchen wir jetzt sprechen wollen; wir meinen das Gesetz der Kompensation.

Eine der Bedeutungen des Wortes “Kompensation” ist “Ausgleichung”, und in

diesem Sinne wird es von den Hermetikern angewendet. Auf das Gesetz der

Kompensation bezieht sich das Kybalion, wenn es sagt: “Der Ausschlag des

Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links; Rhythmus gleicht

aus.”

Das Gesetz der Kompensation ist, dass der Schwung in einer Richtung den

Schwung in der entgegengesetzten Richtung oder zum entgegengesetzten Pol

bestimmt – der eine hält dem andern das Gleichgewicht. Auf dem physischen Plan

sehen wir viele Beispiele für dieses Gesetz. Der Glockenschwengel schwingt bis

zu einem gewissen Abstand nach rechts und dann bis zum gleichen Abstand nach

links. Die Jahreszeiten halten sich das Gleichgewicht. Die Gezeiten folgen

demselben Gesetz. Und dasselbe Gesetz manifestiert sich in allen rhythmischen

Phänomenen. Das Pendel, das in einer Richtung kurz schwingt, kann auch in der

anderen Richtung nur kurz schwingen; während ein weiter Schwung nach rechts

unabänderlich einen weiten Schwung nach links bedeutet. Ein Gegenstand, der zu

einer gewissen Höhe hochgeworfen wird, hat auf seinem Rückweg die gleiche

Entfernung zurückzulegen. Die Kraft, mit der ein Geschoß eine Meile in die Höhe

geschossen wurde, wird wieder hervorgebracht, wenn das Geschoß zur Erde

zurückkehrt. Dieses Gesetz ist auf dem physischen Plan konstant, die höchsten

Autoritäten bestätigen es.

Die Hermetiker gehen aber noch weiter. Sie lehren, dass die mentalen Zustände

des Menschen demselben Gesetz unterworfen sind. Der Mensch, der sich stark

freuen kann, kann auch stark leiden, während derjenige, der nur wenig Schmerz

empfindet, auch nur geringer Freude fähig ist. Das Schwein leidet nur wenig

mental und freut sich auch nur wenig, es ist ausgeglichen. Andererseits aber gibt es

Tiere, welche sich sehr freuen können, deren nervöser Organismus und

Temperament ihnen große Schmerzensgrade verursacht. Und so ist es auch beim

Menschen. Es gibt Temperamente, welche nur ein geringes Maß von Freude

zulassen und gleicherweise ein geringes Maß von Leiden. Und es gibt

Temperamente, welche die intensivste Freude zulassen, aber auch den intensivsten

Schmerz. Die Regel ist, dass in jedem Individuum die Fähigkeit für Schmerz und

Freude ausgeglichen ist. Das Gesetz der Kompensation ist hier in voller

Wirksamkeit.

Die Hermetiker gehen aber noch weiter. Sie lehren, dass, ehe man fähig wird,

einen gewissen Grad von Freude zu genießen, man vorher – verhältnismäßig –

ebenso weit gegen den anderen Pol der Gefühle geschwungen haben muss. Sie

halten aber daran fest, dass in dieser Sache das Negative dem Positiven

vorausgeht; das heißt, wenn man einen gewissen Grad von Freude empfindet, folgt

nicht daraus, dass man noch “dafür bezahlen müsse” durch einen entsprechenden

Grad von Schmerz. Im Gegenteil, nach dem Gesetz der Kompensation ist die

Freude der rhythmische Schwung, der einem vorhergegangenen Grad von Schmerz

folgt, den man entweder in diesem Leben oder in einer früheren Inkarnation

erfahren hat. Das wirft ein neues Licht auf das Problem des Leidens.

Die Hermetiker betrachten die Kette der Leben als zusammenhängend; sie

glauben, dass sie einen Teil eines Lebens des Individuums bildet, sodass folglich

der rhythmische Schwung auf diese Weise verstanden wird. Wenn nicht die

Wahrheit der Reinkarnation zugegeben würde, wäre das Gesetz der Kompensation

ohne Sinn.

Aber die Hermetiker lehren, dass die Meister oder vorgeschrittenen Schüler fähig

sind, durch den oben erwähnten Prozess der Neutralisation dem Schwung gegen

den Pol des Leidens bis zu einem hohen Grade zu entgehen. Dadurch, dass sich

das Ego auf einen höheren Plan erhebt, vermeidet es viele Erfahrungen, die zu

jenem kommen, der auf dem niederen Plane weilt.

Das Gesetz der Kompensation spielt eine wichtige Rolle im Leben von Männern

und Frauen. Man wird bemerken, dass man im allgemeinen den Preis für alles, was

man besitzt oder nicht besitzt, zahlt. Hat man ein Ding, so fehlt einem ein anderes –

das Gleichgewicht ist auffallend. Niemand kann gleichzeitig “seinen Pfennig

behalten und den Kuchen bekommen”. Alles hat seine erfreulichen und seine

unerfreulichen Seiten. Die Dinge, die man erlangt, werden bezahlt durch Dinge,

die man verliert. Der Reiche besitzt viel, was dem Armen fehlt während der Arme

oft Dinge besitzt, die für den Reichen unerreichbar sind. Der Reiche mag eine

starke Vorliebe für Schmausereien besitzen, er hätte auch die nötigen Mittel, um

die Leckerbissen zu kaufen, es fehlt ihm aber der Appetit, um sie zu genießen. Er

beneidet den Arbeiter um seinen Appetit und um seine gesunde Verdauung, und

dem Arbeiter fehlen der Reichtum und die Neigungen des Millionärs. Er hat an

seinen einfachen Mahlzeiten mehr Genuss, als der Reiche haben könnte, auch

wenn sein Appetit besser, seine Verdauung nicht ruiniert wäre; denn die

Bedürfnisse, Gewohnheiten und Neigungen sind verschieden. Und so ist es überall

im Leben. Das Gesetz der Kompensation ist immer wirksam, ist immer bestrebt,

auszugleichen, und hat – mit der Zeit – immer Erfolg, wenn auch für den

Rückschwung des rhythmischen Pendels mehrere Leben nötig sein mögen.

Kausalität

“Jede Ursache hat ihre Wirkung; jede Wirkung hat ihre Ursache; alles geschieht

gesetzmäßig; Zufall ist nur ein Name für ein unbekanntes Gesetz; es gibt viele

Pläne von Ursachen, aber nichts entgeht dem Gesetz.”

Das Kybalion

Das große sechste hermetische Prinzip – das Prinzip von Ursache und Wirkung –

enthält die Wahrheit, dass Gesetz das Universum durchdringt; dass nichts durch

Zufall geschieht; dass Zufall nur ein Ausdruck ist, der eine Ursache anzeigt, die

wohl existiert, aber noch nicht erkannt oder noch nicht bemerkt wurde; dass die

Phänomene kontinuierlich, ohne Unterbrechung und ohne Ausnahme sind.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung liegt allem wissenschaftlichen Denken –

alt und modern – zugrunde, und wurde von den hermetischen Lehrern in den

frühesten Tagen ausgesprochen.

Seit dieser Zeit haben sich viele und verschiedenartige Dispute zwischen den

zahlreichen Denkerschulen erhoben. Diese Dispute behandeln hauptsächlich die

Details der Wirksamkeit dieses Prinzips und am häufigsten die Bedeutung

gewisser Wörter. Das zugrunde liegende Prinzip von Ursache und Wirkung ist

praktisch von allen Denkern der Welt , die diesen Namen verdienen, als richtig

angenommen worden. Anders zu denken, würde bedeuten, die Phänomene des

Universums aus dem Reich von Gesetz und Ordnung zu nehmen und sie der

Herrschaft eines imaginären Etwas auszuliefern, das die Menschen “Zufall”

genannt haben.

Eine kurze Betrachtung wird jedem zeigen, dass es wirklich nicht so etwas wie

reinen Zufall geben kann. Webster definiert das Wort “Zufall” wie folgt: “Ein

vorausgesetztes Agens oder eine Art von Aktivität, anders als Kraft, Gesetz oder

Zweck; die Wirksamkeit oder die Tätigkeit eines solchen Agens; die

vorausgesetzte Wirkung eines solchen Agens; ein sich zufällig Ereignen; ein

gelegentliches Geschehen usw.” Eine kurze Betrachtung wird aber zeigen, dass es

kein solches Agens wie Zufall – im Sinne von etwas außerhalb des Gesetzes, von

etwas außerhalb von Ursache und Wirkung – geben kann. Wie könnte es ein

Etwas geben, das unabhängig von Gesetzen, Ordnung und Zusammenhang im

phänomenalen Universum wirkte? Ein solches Etwas wäre gänzlich unabhängig

von der geordneten Richtung des Universums und deshalb über demselben

stehend. Wir können uns außer dem All nichts vorstellen, das außerhalb des

Gesetzes stünde und dies nur deshalb, weil das All das Gesetz in sich selbst ist.

Es ist kein Raum im Universum für ein Etwas außerhalb des Gesetzes und

unabhängig vom Gesetz. Die Existenz eines solchen Etwas würde alle

Naturgesetze unwirksam machen und das Universum in chaotische Unordnung

und Gesetzlosigkeit stürzen.

Eine sorgfältige Untersuchung wird zeigen, dass das, was wir “Zufall” nennen,

nur ein Ausdruck ist, der sich auf verborgene Ursachen bezieht; auf Ursachen, die

wir nicht wahrnehmen können, auf Ursachen, die wir nicht verstehen können.

Das Wort Zufall ist abgeleitet von “fallen” (das Fallen der Würfel); dabei ist die

Vorstellung maßgebend, dass das Fallen der Würfel (und viele andere Ereignisse)

nur zufällige Ereignisse ohne irgendeine Ursache seien. Und in diesem Sinne

wird der Ausdruck Zufall im allgemeinen angewendet. Wenn man die Sache aber

näher untersucht, wird man sehen, dass auch beim Fallen der Würfel durchaus

kein Zufall im Spiel ist. Jedesmal wenn ein Würfel fällt, und eine gewisse

Punktzahl zeigt, gehorcht er einem Gesetz, das ebenso unfehlbar ist, wie das

Gesetz, welches die Bewegung der Planeten um die Sonne beherrscht. Hinter dem

Fallen des Würfels stehen Ursachen, oder Ketten von Ursachen, die weiter

zurückgehen, als das Mind folgen kann. Die Lage des Würfels im Würfelbecher;

die für den Wurf aufgewendete Menge von Muskelkraft; die Beschaffenheit des

Tisches usw. usw., all dies sind Ursachen, deren Wirkung man sehen kann. Aber

hinter diesen ersichtlichen Ursachen stehen Ketten von unsichtbaren,

vorhergehenden Ursachen, welche alle einen Einfluss haben auf die Punktzahl,

die geworfen wurde.

Wenn ein Würfel sehr oft geworfen wird, wird man finden, dass die geworfenen

Punkte fast gleich sind, d. h. es wird eine gleiche Anzahl von 1 Punkt, 2 Punkten

usw. geworfen werden. Wirf eine Münze in die Luft und sie wird entweder mit

der Vorder- oder mit der Rückseite wieder zu liegen kommen. Wirf die Münze

aber genügend oft, dann wird die Vorderseite ungefähr gleich oft nach oben zu

liegen kommen wie die Rückseite. Dies ist die Auswirkung des Gesetzes vom

Durchschnitt. Aber sowohl der Durchschnitt als auch der einzelne Wurf folgen

dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Wenn wir imstande wären, alle

vorübergehenden Ursachen zu untersuchen, würden wir klar sehen, dass es für

den Würfel einfach unmöglich war, unter denselben Umständen und zur selben

Zeit anders zu fallen, als er gefallen ist. Aus den gleichen gegebenen Ursachen

werden die gleichen Resultate folgen. Bei jedem Ereignis gibt es eine Ursache

und ein “Weil”. Nichts geschieht je zufällig ohne Ursache oder vielmehr ohne

eine Kette von Ursachen.

In den Minds mancher Personen entstand eine gewisse Verwirrung, wenn sie

dieses Prinzip studierten, und zwar deshalb, weil sie sich nicht erklären konnten,

wie ein Ding ein anderes Ding verursachen könne – d. h. der Schöpfer eines

anderen Dings sein. In der Tat, kein “Ding” verursacht oder “schafft “je ein

anderes “Ding”. Ursache und Wirkung gibt es nur bei “Ereignissen”. Ein

“Ereignis” ist das, was kommt oder geschieht als Ergebnis oder Folge eines

vorangegangenen Ereignisses.

Kein Ereignis “schafft” ein anderes Ereignis, es ist nur ein vorangehendes Glied

in der großen Kette von Ereignissen, die aus der schöpferischen Energie des Alls

flutete. Zwischen allen vorangehenden, folgenden und nachfolgenden Ereignissen

besteht ein Zusammenhang. Zwischen allem, was vorhergegangen ist, und allem,

was folgt, besteht eine Beziehung. Ein Stein löst sich von einem Bergesabhang

und bricht durch das Dach einer Hütte, die unten im Tal steht. Auf den ersten

Blick betrachten wir dies als eine Zufallswirkung; wenn wir aber die Sache

prüfen, finden wir eine lange Kette von Ursachen. Vorerst war der Regen da, der

die Erde, welche den Stein trug, erweichte und ihn so fallen ließ; auch waren da

der Einfluss der Sonne, anderer Regen usw., welcher nach und nach dieses

Felsstück von seinem Zusammenhang mit einem größeren Felsen lockerte; auch

waren Ursachen da, welche zur Formation des Gebirges führten, zu seiner

Aufwölbung durch Erschütterungen der Natur und so fort ad infinitum. Dann

könnten wir die Ursachen zurückverfolgen, die hinter dem Regen stehen. Dann

könnten wir die Beschaffenheit des Daches betrachten. Kurz, wir würden uns

bald in ein Netz von Ursachen und Wirkungen verstrickt finden, aus dem wir uns

bald zu befreien suchten.

Ebenso wie ein Mensch zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern, sechzehn

Ururgroßeltern hat und so fort bis, wenn, sagen wir, mit 40 Generationen

gerechnet wird, die Anzahl der Vorfahren in die Millionen geht, ebenso ist es

auch mit der Anzahl der Ursachen, die auch hinter dem unbedeutendsten Ereignis

der Phänomene stehen. Wie beispielsweise das Vorüberfliegen eines kleinen

Stäubchens Ruß vor euren Augen. Es wäre keine leichte Aufgabe, das Teilchen

Ruß zurückzuverfolgen bis in die Frühperiode der Weltgeschichte, da es einen

Teil eines starken Baumstammes bildete, welcher später in Kohle umgewandelt

wurde, und so weiter, bis es als das Rußteilchen an eurem Blick vorüberfliegt, auf

seinem Weg in neue Abenteuer. Und eine mächtige Kette von Ereignissen,

Ursachen und Wirkungen brachte es zu seiner gegenwärtigen Beschaffenheit, und

letztere ist nur eines aus der Kette von Ereignissen, welche nach Hunderten von

Jahren andere Ereignisse hervorbringen werden.

Das Niederschreiben dieser Zeilen war eines der Ereignisse, die von dem

Rußteilchen ihren Ausgang nahmen, was wieder den Schriftsetzer veranlasste,

eine gewisse Arbeit zu vollbringen, ebenso den Leser der Korrekturbogen; es

wird gewisse Gedanken in eurem Mind und in dem Mind anderer erwecken, diese

Gedanken werden andere beeinflussen, und so weiter, und weiter, als die

Geisteskräfte des Menschen die Wirkungen verfolgen können – und dies alles

kommt daher, dass ein kleines Rußteilchen vor euren Augen vorbeigeflogen ist.

Dies alles zeigt die Relativität und die Assoziationen der Dinge und auch die

Tatsache, dass “es im Mind, das alles verursacht, nichts Großes und nichts

Kleines gibt.”

Haltet nun einen Augenblick ein, um nachzudenken. Wäre nicht vor grauen

Zeiten, in der Steinzeit, ein gewisser Mann einem gewissen Mädchen begegnet,

du, der du diese Zeilen liest, wärest nicht hier. Und wenn vielleicht dasselbe Paar

sich nicht getroffen hätte, wir, die wir nun diese Zeilen schreiben, wären nicht

hier. Ja, auch dieser Akt des Schreibens – unsererseits – und der Akt des Lesens –

eurerseits – wird nicht nur unsere beziehungsweise euere Leben beeinflussen,

sondern wird auch einen direkten oder einen indirekten Einfluss haben auf viele

andere Leute, welche jetzt leben und welche in künftigen Zeiten leben werden.

Jeder Gedanke, den wir denken, jede Tat, die wir vollbringen, sie haben ihre

direkten und indirekten Ergebnisse, welche in die große Kette von Ursache und

Wirkung passen.

Aus verschiedenen Gründen wollen wir in diesem Werk die Frage “Freier Wille”

oder “Vorherbestimmung” nicht erörtern. Unter vielen Gründen ist der

Hauptgrund der, dass weder das eine noch das andere ganz richtig ist. Tatsächlich

ist beides teilweise richtig, in Übereinstimmung mit den hermetischen Lehren.

Das Prinzip der Polarität zeigt uns, dass beide nur Halb-Wahrheiten sind, die

entgegengesetzten Pole der Wahrheit. Die Lehren gehen dahin, dass ein Mann

frei sein und doch durch Notwendigkeit gebunden sein kann, es hängt von der

Bedeutung der Ausdrücke ab und von der Höhe der Wahrheit, von der aus die

Angelegenheit betrachtet wird. Die alten Schriftstellen drücken dies so aus: “Je

weiter die Schöpfung vom Mittelpunkt entfernt ist, desto mehr ist sie gebunden;

je mehr sie sich dem Mittelpunkt nähert, desto freier ist sie.”

Die meisten Leute sind mehr oder weniger Sklaven der Vererbung, der

Umgebung usw. und zeigen nur sehr wenig Freiheit. Sie werden von den

Meinungen, Gewohnheiten und Gedanken der äußeren Welt und von ihren

eigenen Gemütsbewegungen, Gefühlen, Stimmungen usw. gelenkt. Sie

manifestieren keine Meisterschaft, die dieses Namens wirklich wert wäre. Sie

weisen diese Behauptung unwillig zurück, indem sie sagen: “Ganz sicherlich bin

ich frei, zu handeln und zu tun, was mir beliebt – ich tue gerade das, was ich zu

tun wünsche.” Dabei unterlassen sie es aber, uns zu erklären, woher dieses

“Wünschen” und dieses “Was mir beliebt” kommt. Was lässt sie “wünschen” ein

Ding lieber zu tun als ein anderes? Was lässt sie “belieben”, dies zu tun und nicht

das? Gibt es für ihr “Belieben” und ihr “Wünschen” kein “Weil”? Der Meister

kann dieses “Belieben” und “Wünschen” in anderes, an dem entgegengesetzten

Ende des mentalen Pols umwandeln. Er kann “wollen zu wollen”, statt nur zu

wollen, weil irgendein Gefühl, eine Stimmung, eine Gefühlsbewegung oder eine

Suggestion aus der Umgebung in ihm die Neigung oder den Wunsch hervorruft,

so zu handeln.

Die meisten Leute lassen sich treiben, wie ein fallender Stein, gehorsam der

Umgebung, äußerlichen Einflüssen und inneren Stimmungen, Wünschen usw.,

gar nicht zu reden von den Wünschen und dem Willen anderer, Stärkerer als sie

selbst, von Vererbung, Umgebung, Suggestion; das alles treibt sie weiter, ohne

dass sie Widerstand leisten oder ihren Willen üben. Sie werden herumgerückt wie

Spielfiguren am Brettspiel des Lebens, spielen ihre Rolle und werden beiseite

gelegt, wenn das Spiel vorbei ist. die Meister aber kennen die Spielregeln; sie

erheben sich über den Plan des materiellen Lebens und setzen sich mit den

höheren Mächten ihrer Natur in Verbindung. Sie beherrschen ihre eigenen

Stimmungen, Charaktere, Eigenschaften, ihre Polarität ebenso gut wie ihre ganze

Umgebung und werden so – statt Spielfiguren zu sein – Spieler im Brettspiel des

Lebens, Ursachen statt Wirkungen. Die Meister entgehen der Kausalität der

höheren Pläne nicht, aber sie stimmen mit den höheren Gesetzen überein und

beherrschen so die Bedingungen des niederen Planes. Sie bilden dadurch einen

Teil des Gesetzes, statt nur blinde Werkzeuge zu sein. Während sie auf den

höheren Plänen dienen, herrschen sie auf dem materiellen Plan.

Das Gesetz aber ist immer am Werke, auf den höheren wie auf den niederen

Plänen. Die blinde Göttin wurde von der Vernunft abgesetzt. Mit unseren Augen,

die durch Wissen klar geworden sind, können wir nun sehen, dass alles durch das

universale Gesetz beherrscht wird, dass die unendliche Zahl von Gesetzen nur

Manifestationen des einen großen Gesetzes sind – des Gesetzes, welches das All

ist. Es ist wirklich wahr, dass kein Sperling vom Dache fällt, ohne dass dies vom

Mind des Alls bemerkt würde – dass sogar die Haare auf unserem Haupte gezählt

sind -, wie die Schriften sagen. Es gibt nichts außerhalb des Gesetzes; nichts

geschieht im Gegensatz zum Gesetz. Aber fallt nicht in den Fehler, zu glauben,

der Mensch sei ein blinder Automat – das wäre weit gefehlt. Die hermetischen

Lehren gehen dahin, dass der Mensch das Gesetz anwenden kann, um die Gesetze

zu überwältigen; dass das höhere immer die Oberhand über das niedere hat, bis

der Mensch endlich seine Zuflucht im Gesetz selbst sucht und für die

phänomenalen Gesetze nur ein verächtliches Lächeln übrig hat. Könnt ihr die

innere Bedeutung dieser Lehre erfassen?

Geschlecht

“Geschlecht ist in allem; alles hat sein männliches und sein weibliches Prinzip;

Geschlecht manifestiert sich auf allen Plänen.”

Das Kybalion

Das große siebente hermetische Prinzip vom Geschlecht enthält die Wahrheit, das

sich in allem Geschlecht manifestiert – dass das männliche und das weibliche

Prinzip in allen Phasen der Phänomene, auf allen und jeden Lebensplänen, immer

gegenwärtig und aktiv ist. Bei dieser Gelegenheit halten wir es für angebracht,

auch darauf aufmerksam zu machen, dass Geschlecht, in seiner hermetischen

Bedeutung, und Sexualität, in der gewöhnlichen Anwendung des Ausdrucks,

nicht dasselbe sind.

Das Wort Geschlecht (genus) ist verwandt mit “zeugen, erzeugen, schaffen,

hervorbringen, Schöpfung”. Eine kurze Überlegung wird zeigen, dass das Wort

eine viel weitere und allgemeinere Bedeutung hat als der Ausdruck Sexualität;

letzterer bezieht sich auf die physischen Unterschiede zwischen männlichen und

weiblichen Lebewesen. Sexualität ist nur eine Manifestation von Geschlecht auf

einem bestimmten Plan des großen physischen Planes – dem Plan des organischen

Lebens. Wir wollen diesen Unterschied zwischen Geschlecht und Sexualität

eurem Mind deshalb gut einprägen, weil gewisse Schriftsteller, die eine

oberflächliche Kenntnis hermetischer Philosophie erlangt haben, versuchen,

dieses siebte hermetische Prinzip mit wilden, phantastischen, oft tadelnswerten

Theorien und Lehren, Sexualität betreffend, zu identifizieren.

Die Aufgabe von Geschlecht ist zu schaffen, hervorzubringen usw. Seine

Manifestationen sind auf jedem Plan von Phänomenen sichtbar. Es ist

einigermaßen schwierig, wissenschaftliche Beweise für diese Behauptung zu

erbringen, weil die Wissenschaft noch nicht anerkannt hat, dass dieses Prinzip

universal anwendbar ist. Einige Beweise kommen aber doch aus

wissenschaftlichen Quellen. In erster Linie finden wir eine deutliche

Manifestation dieses Prinzips bei den Körperchen, Ionen und Elektronen, welche

die Grundlage der Materie – wie sie die Wissenschaft jetzt kennt sind, und durch

Bildung gewisser Kombinationen das Atom bilden, das bis vor kurzem für

endgültig unteilbar angesehen wurde.

Das letzte Wort der Wissenschaft ist, dass das Atom aus einer großen Menge von

Körperchen, Elektronen oder Ionen (verschiedene Namen werden von

verschiedenen Autoritäten verwendet) zusammengesetzt ist, welche um einander

kreisen und in hohem Grad und hoher Intensität schwingen. Es wird aber auch

festgestellt, dass das Atom seine Entstehung dem Umstand verdankt, dass

negative Elektronen sich um ein positives Elektron anhäufen. Die positiven

Elektronen scheinen einen gewissen Einfluss auf die negativen auszuüben,

scheinen sie zu verlassen, gewisse Kombinationen einzugehen und so ein Atom

zu “schaffen”. Dies stimmt mit den ältesten hermetischen Lehren überein, welche

immer das männliche Prinzip mit dem “positiven” und das weibliche Prinzip mit

dem (sogenannten) “negativen” Pol der Elektrizität identifiziert haben.

Jetzt noch ein Wort über diese Identifizierung. Die öffentliche Meinung hat sich

eine ganz irrtümliche Ansicht über die Eigenschaften des sogenannten negativen

Poles von elektrifizierter oder magnetisierten Materie gebildet; die Ausdrücke

positiv und negativ werden von der Wissenschaft auf diese Phänomene ganz

fälschlich angewendet: Das Wort positiv bedeute etwas Reales und Starkes, im

Gegensatz zu einer negativen Unrealität oder Schwäche. Nichts liegt dem wahren

Sachverhalt bei elektrischen Phänomenen ferner. Der sogenannte negative Pol der

Batterie ist in Wahrheit derjenige Pol, in welchem und durch welchen die

Generation oder Schaffung neuer Formen und Energien manifestiert wird. Es ist

nichts “Negatives” an ihm. Die besten wissenschaftlichen Autoritäten gebrauchen

jetzt das Wort “Kathode” anstelle von “negativ”. Das Wort Kathode kommt vom

Griechischen und bedeutet “Abstammung, der Pfad der Erschaffung usw.” Vom

Kathoden-Pol schwärmen die Elektronen aus, von ihm gehen die wundervollen

“Strahlen” aus, welche die wissenschaftlichen Anschauungen während des letzten

Jahrzehnts revolutioniert haben. Die Kathode ist die Mutter all der seltsamen

Phänomene, welche die alten Lehrbücher außer Gebrauch setzten und welche die

Ursache waren, dass viele lang angenommene Theorien in den Papierkorb

wissenschaftlicher Spekulationen verwiesen wurden. Die Kathode, oder der

negative Pol, ist das mütterliche Prinzip der elektrischen Phänomene und der

feinsten Formen von Materie, die bis jetzt der Wissenschaft bekannt sind. Ihr seht

also, dass wir wohl berechtigt sind, bei unserer Betrachtung des Gegenstandes

den Ausdruck “negativ” zurückzuweisen und diesen durch den alten Ausdruck

“weiblich” zu ersetzen. Die Tatsachen selbst unterstützen uns darin, ohne dass wir

die hermetischen Lehren in Betracht ziehen müssten. Wenn wir also von diesem

Pol der Aktivität sprechen, werden wir das Wort “weiblich” statt “negativ”

gebrauchen.

Die letzten wissenschaftlichen Lehren gehen dahin, dass die schöpferischen

Elektronen weiblich sind (die Wissenschaft sagt, sie seien “aus negativer

Elektrizität zusammengesetzt”, wir sagen, sie seien “aus weiblicher Energie

zusammengesetzt”).

Ein weibliches Elektron wird von einem männlichen Elektron abgesondert oder

vielmehr verlässt dieses und beginnt eine neue Laufbahn. Es sucht aktiv eine

Vereinigung mit einem männlichen Elektron, es wird dazu von dem natürlichen

Impuls, neue Formen von Materie oder Energie zu schaffen, getrieben. Ein

Schriftsteller geht so weit, dies so auszudrücken: “Es sucht auf einmal, nach

seinem eigenen Wollen, eine Vereinigung” usw. Dieses Loslösen und Vereinigen

bildet die Grundlage für den größeren Teil der Aktivitäten der chemischen Welt.

Wenn sich das weibliche Elektron mit einem männlichen Elektron vereinigt, hat

ein gewisser Prozess begonnen. Das weibliche Teilchen schwingt unter dem

Einfluss der männlichen Energie sehr rasch und kreist um das männliche

Teilchen. Das Ergebnis ist die Geburt eines neuen Atoms. Dieses neue Atom ist

tatsächlich aus der Vereinigung des männlichen und des weiblichen Elektrons

zusammengesetzt. Wenn aber die Vereinigung vollzogen ist, ist das Atom ein

Ding für sich, mit gewissen Eigenschaften; aber die Eigenschaft der freien

Elektrizität manifestiert es nicht länger mehr. Der Prozess der Loslösung oder

Trennung der weiblichen Elektrone wird “Ionisation” genannt. Diese Elektrone

sind die tätigsten Arbeiter in der Natur. Aus ihren Vereinigungen oder

Kombinationen hervorgehend, manifestieren sich die verschiedenen Phänomene

von Licht, Wärme, Elektrizität, Magnetismus, Anziehung, Abstoßung, chemische

Affinität und deren Gegenteil und ähnliche Phänomene. Und all dies geht aus der

Wirksamkeit des Prinzips vom Geschlecht hervor.

Die Aufgabe des männlichen Prinzips scheint darin zu liegen, eine gewisse

angebotene Energie auf das weibliche Prinzip zu richten und so den

Schöpfungsvorgang in Tätigkeit zu setzen. Das weibliche Prinzip ist aber immer

dasjenige, welches das aktive schöpferische Werk vollbringt; und so ist es auf

allen Plänen. Und doch, kein Prinzip ist ohne Beistand des anderen Prinzips

wirksamer Energie fähig. In manchen Lebensformen sind die beiden Prinzipien in

einem Organismus vereinigt. Was dies betrifft, alles in der organischen Welt

manifestiert beide Geschlechter: In der männlichen Form ist immer auch das

weibliche Prinzip gegenwärtig, und in der weiblichen Form immer auch das

männliche Prinzip. Die hermetischen Lehren enthalten viel über die Wirksamkeit

der beiden Geschlechtsprinzipien bei der Hervorbringung und Manifestation von

verschiedenen Energieformen usw. Wir halten es aber nicht für angezeigt,

hinsichtlich dieser Lehren jetzt schon ins Detail zu gehen, weil wir unsere

Behauptungen nicht durch wissenschaftliche Beweise erhärten können, aus dem

einfachen Grund, weil die Wissenschaft noch nicht so weit fortgeschritten ist. Das

Beispiel aber, das wir euch von den Phänomenen der Elektronen gegeben haben,

wird euch zeigen, dass die Wissenschaft am rechten Weg ist. Es wird euch auch

eine allgemeine Vorstellung von den zugrunde liegenden Prinzipien vermitteln.

Manche führende wissenschaftliche Forscher haben ihre Ansicht verkündet, dass

in der Kristallbildung etwas zu finden ist, das mit “Geschlechtsaktivität”

übereinstimmt; das ist wieder ein Zeichen, aus welcher Richtung der

wissenschaftliche Wind bläst. Und jedes Jahr wird neue Tatsachen bringen,

welche die Richtigkeit des hermetischen Prinzips vom Geschlecht bestätigen.

Man wird finden, dass Geschlecht im Bereich der anorganischen Materie in

konstanter Wirksamkeit und Manifestation ist, ebenso wie auch im Bereich von

Energie oder Kraft. Elektrizität wird jetzt allgemein als das “Etwas” angesehen, in

welches sich alle anderen Energieformen verschmelzen oder aufzulösen scheinen.

Die “elektrische Theorie vom Universum” ist die letzte wissenschaftliche Lehre,

wird rasch populär und allgemein angenommen. Und so folgt daraus, dass, wenn

wir fähig sind, im Phänomen der Elektrizität – an ihrer Wurzel und an der Quelle

ihrer Manifestation einen klaren, unverkennbaren Beweis für das Vorhandensein

des Geschlechts und seiner Aktivitäten zu erkennen, wir berechtigt sind, von euch

den Glauben zu verlangen, dass die Wissenschaft zuletzt Beweise angeboten hat

für das Vorhandensein dieses großen hermetischen Prinzips in allen universalen

Phänomenen.

Es ist nicht nötig, euere Zeit zur Besprechung der wohlbekannten Phänomene in

Anspruch zu nehmen, wie “Anziehung und Abstoßung” der Atome, chemische

Affinität, Liebe und Hass der Atome, Anziehung oder Kohäsion zwischen den

Molekülen der Materie. Diese Tatsachen sind zu gut bekannt, als dass sie einer

weiteren Erklärung bedürfen. Aber habt ihr je schon bedacht, dass alle diese

Tatsachen Manifestationen des Prinzips vom Geschlecht sind? Könnt ihr nicht

sehen, dass diese Phänomene mit den Phänomenen der Elektronen

übereinstimmen? Und mehr noch, könnt ihr nicht die Vernunftmäßigkeit der

hermetischen Lehren erkennen, welche behaupten, dass sogar das Gesetz der

Gravitation – diese seltsame Anziehungskraft, durch welche alle materiellen

Teilchen und Körper im Universum zueinander streben – auch nur eine

Manifestation des Geschlechtsprinzips ist, welches in der Richtung wirkt, die

männlichen Energien zu den weiblichen Energien zu ziehen und umgekehrt. Wir

können euch jetzt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür anbieten! Prüft aber

das Phänomen im Lichte der darauf bezüglichen hermetischen Lehren und seht,

ob ihr nicht eine besser arbeitende Hypothese habt als sie die physikalische

Wissenschaft bis jetzt bieten konnte. Ihr könnt alle physikalischen Phänomene der

Prüfung unterwerfen, immer werdet ihr das Geschlechtsprinzip erkennen.

Lasst uns nun zu einer Betrachtung der Wirksamkeit des Prinzips auf dem

mentalen Plan übergehen. Viele interessante Züge warten hier der Untersuchung.

Mentales Geschlecht

Die Beharrlichkeit der Dual-Mind-Idee, welche sich während der letzten zehn oder

fünfzehn Jahre so stark geäußert und eine Anzahl von einleuchtenden Theorien

über die Natur und Konstitution dieser beiden Minds zur Folge gehabt hat, fällt

jedem Schüler der Psychologie auf, der die moderne Gedankenrichtung, mentale

Phänomene betreffend, verfolgt hat. Der kürzlich verstorbene Thomson J. Hudson

erlangte durch die Veröffentlichung seiner Theorie vom “objektiven und

subjektiven Mind”, welche er als in jedem Individuum vorhanden annahm, im

Jahre 1893 große Popularität. Andere Schriftsteller haben fast ebenso viel

Aufmerksamkeit erregt durch ihre Theorien vom bewussten und unterbewussten

Mind”, vom “willkürlichen und unwillkürlichen Mind”, vom “aktiven und

passiven Mind” usw. usw. Die Theorien der verschiedenen Schriftsteller weichen

in vielem voneinander ab, aber es bleibt das allen zugrunde liegende Prinzip vom

“Dualismus des Mind”.

Der Schüler der hermetischen Philosophie ist versucht, zu lächeln, wenn er von

diesen zahlreichen “neuen Theorien” vom Dualismus des Mind liest und hört; jede

Schule hält zäh an ihren eigenen Theorien fest und behauptet, sie habe die

Wahrheit entdeckt. Der Schüler blättert zurück im Buch der okkulten Geschichte

und findet in den dunklen Anfängen der okkulten Lehren Hinweise auf den

althermetischen Lehrsatz vom Geschlechtsprinzip auf dem mentalen Plan – auf die

Manifestation des mentalen Geschlechts. Und wenn er weiter forscht, findet er

auch, dass die alte Philosophie vom Phänomen des dualen Mind Kenntnis hatte;

dies wird bezeugt durch ihre Theorie vom mentalen Geschlecht. Diese Vorstellung

vom mentalen Geschlecht soll in wenigen Worten erläutert werden für jene

Schüler, welche mit den eben erwähnten modernen Theorien vertraut sind.

Das männliche Prinzip des Mind entspricht dem sogenannten objektiven Mind,

bewussten Mind, willkürlichen Mind, aktiven Mind usw. Und das weibliche

Prinzip des Mind entspricht dem sogenannten subjektiven Mind, unterbewussten

Mind, unwillkürlichen Mind, passiven Mind usw. Natürlicherweise stimmen die

hermetischen Lehren mit den zahlreichen modernen Theorien über die Natur der

beiden Phasen des Mind nicht überein, auch lassen sie viele von den Tatsachen,

die für die beiden bezüglichen Aspekte beansprucht werden, nicht gelten; manche

der erwähnten Theorien und Forderungen sind weit hergeholt und können einer

Prüfung durch Experiment und Beweisführung nicht standhalten. Wir weisen auf

die übereinstimmenden Phasen nur deshalb hin, um dem Schüler zu helfen, sein

früher erworbenes Wissen leichter mit den Lehren der hermetischen Philosophie

zu assimilieren. Schüler von Hudson werden die Feststellung am Beginn des

zweiten Kapitels seines Werkes “Das Gesetz der physischen Phänomene”

bemerken”, der mystische Jargon der hermetischen Philosophen offenbart dieselbe

allgemeine Idee, – die Dualität des Mind. Hätte Dr. Hudson Zeit und Mühe nicht

gescheut, einiges aus diesem “mystischen Jargon der hermetischen Philosophen”

zu entziffern, so hätte er manche Erleuchtung über das “dunkle Mind” bekommen;

aber dann wäre vielleicht sein interessantes Werk nie geschrieben worden.

Betrachten wir nun die hermetischen Lehren vom mentalen Geschlecht.

Die hermetischen Lehren erteilen ihre Unterweisung über diesen Gegenstand,

indem sie ihre Schüler auffordern, die Berichte des Bewusstseins von ihrem

eigenen Selbst zu prüfen. Der Schüler wird aufgefordert, seine Aufmerksamkeit

nach innen, auf das ihm innewohnende Selbst, zu richten. Jeder Schüler wird

angeleitet, zu sehen, dass sein Bewusstsein ihm vorerst vom Vorhandensein seines

Selbst berichtet – es sagt ihm “Ich bin”. Auf den ersten Blick scheinen uns dies die

endgültigen Worte des Bewusstseins zu sein; eine weitere Untersuchung aber

offenbart die Tatsache, dass dieses “Ich bin” in zwei deutliche Teile oder Aspekte

getrennt oder gespalten werden kann, welche im Bewusstsein getrennt werden

können, obwohl sie im Einklang und in Verbindung wirken.

Vorerst erscheint es uns, als ob nur ein “Ich” existiert; wenn wir aber sorgfältiger

und genauer zusehen, entdecken wir die Tatsache, dass ein “Ich” und ein “Mich”

existiert. Diese mentalen Zwillinge unterscheiden sich in ihren charakteristischen

Merkmalen und in ihrer Natur. Eine Untersuchung ihrer Natur und der

Phänomene, die aus ihr hervorgehen, wird auf viele Probleme vom mentalen

Einfluss Licht werfen.

Beginnen wir mit der Betrachtung des “Mich”, das von den Schülern meist

fälschlich für das “Ich” gehalten wird, ehe sie in die versteckten Winkel des

Bewusstseins vordringen. Ein Mensch denkt sich sein “Selbst” (in seinem Aspekt

des “Mich”), zusammengesetzt aus gewissen Gefühlen, Zuneigungen,

Abneigungen, Gewohnheiten, besonderen Verpflichtungen, charakteristischen

Merkmalen, Geschmacksrichtungen usw., welche alle zusammen die

Persönlichkeit ausmachen oder das Selbst, wie es ihm selbst und anderen bekannt

ist. Er weiß, dass sich diese Gemütsbewegungen und Gefühle ändern, geboren

werden und absterben; dem Prinzip des Rhythmus unterworfen sind und dem

Prinzip der Polarität, welche den Menschen von einem Gefühlsextrem zum

anderen tragen. Er denkt sich sein “Mich” auch als eine gewisse Menge von

Wissen, das in seinem Mind gesammelt wurde und so einen Teil seines Selbst

bildet. Dies ist das “Mich” eines Menschen. Aber wir sind zu rasch vorgegangen.

Vom “Mich” vieler Menschen kann gesagt werden, es bestehe größtenteils aus

dem Bewusstsein des Körpers und der physischen Gelüste usw. Ihr Bewusstsein

ist zum größten Teil an ihre körperliche Natur gebunden, praktisch “leben sie

hier”. Manche Menschen gehen sogar so weit, ihre persönlichen Kleidungsstücke

als einen Teil ihres “Mich” anzusehen; sie scheinen sie wirklich als einen Teil

ihres “Selbst” zu betrachten. Ein Schriftsteller hat humorvoll geschrieben: “Der

Mensch besteht aus drei Teilen – Seele, Leib und Kleider.” Diese

“kleiderbewussten Leute” würden ihre Persönlichkeit verlieren, wenn sie

gelegentlich eines Schiffbruches von Wilden ihrer Kleider beraubt würden. Aber

auch viele, die nicht so eng an die Idee ihrer persönlichen Kleidung gebunden

sind, haften an der Vorstellung, ihre Körper seien ihr “Mich”. Ein Selbst,

unabhängig vom Körper, können sie nicht begreifen. Ihr Mind scheint ihnen

wirklich ein “Etwas” zu sein, das zu ihrem Körper gehört” – was oft wirklich der

Fall ist.

Wenn sich der Mensch aber zu höherem Bewusstsein erhebt, wird er fähig, sein

“Mich” von der Idee des Körpers loszulösen und von seinem Körper als zum

mentalen Teil des Körpers “gehörend” zu denken. Aber auch dann noch ist er nur

zu sehr geneigt, das “Mich” gänzlich mit den mentalen Zuständen, Gefühlen usw.,

welche er in sich existieren fühlt, zu identifizieren. Er ist sehr geneigt, diese

internen Zustände als identisch mit sich selbst zu betrachten, statt als das, was sie

sind: einfach “Dinge”, durch einen gewissen Teil seiner Mentalität hervorgebracht

und in sich, von sich existierend, aber doch nicht “er selbst”. Er sieht, dass er

durch eine Willensanstrengung diese internen Gefühlszustände verändern kann,

dass er einen Zustand oder ein Gefühl, dem vorigen ganz entgegengesetzt, auf

dieselbe Weise hervorbringen kann, und dass doch dasselbe “Mich” existiert. Und

so wird er nach einiger Zeit fähig, diese verschiedenen mentalen Zustände,

Gemütsbewegungen, Gefühle, Gewohnheiten, Eigenschaften, charakteristischen

Merkmale und andere persönliche mentale Zugehörigkeiten beiseite zu setzen er

wird fähig, sie beiseite zu setzen in die “NichtMich”-Sammlung von Seltenheiten

und Lasten wie auch von kostbaren Besitztümern. Dies erfordert von seiten des

Schülers viel mentale Konzentration und die Macht mentaler Analyse. Für den

fortgeschrittenen Schüler ist es aber doch möglich, die Aufgabe zu lösen, und jene,

die nicht so weit fortgeschritten sind, können sich doch wenigstens vorstellen, wie

der Prozess ausgeführt wird.

Wenn er diesen Prozess des “Beiseite-Setzen” ausgeführt hat, wird sich der

Schüler im bewussten Besitz eines “Selbst” finden, welches in den dualen

Aspekten des “Ich” und des “Mich” betrachtet werden kann. Das “Mich” wird er

als ein mentales Etwas fühlen, in welchem Gedanken, Ideen, Gemütsbewegungen,

Gefühle und andere mentale Zustände hervorgebracht werden. Er kann als der

“mentale mütterliche Schoß” – wie es die Alten nannten – angesehen werden, der

fähig ist, mentale Nachkommenschaft zu erzeugen. Es erscheint dem Bewusstsein

als “Mich” mit latenten Schöpfungskräften, mit der latenten Kraft, Nachkommen

aller Sorten und Arten hervorzubringen. Seine Kräfte schöpferischer Energie

werden als enorm gefühlt. Aber doch scheint es uns bewusst zu werden, dass es

irgendeine Form von Energie erhalten muss, sei es von seinem eigenen “Ich”

Gefährten oder von einem anderen “Ich”, ehe es seine mentalen Schöpfungen ins

Dasein bringen kann. Dieses Bewusstsein bringt die Verwirklichung einer

enormen Fähigkeit für mentale Arbeit und schöpferische Begabung mit sich.

Aber der Schüler wird bald erkennen, dass dies noch nicht alles ist, was er in

seinem inneren Bewusstsein findet. Er findet, dass ein mentales Etwas existiert,

das fähig ist, zu wollen, dass das “Mich” nach gewissen schöpferischen

Richtlinien wirkt, das aber auch fähig ist, abseits stehend der mentalen Schöpfung

beizuwohnen. Der Schüler wird gelehrt, diesen Teil seines Selbst sein “Ich” zu

nennen. In seinem Bewusstsein kann er nach seinem Willen ruhen.

Er findet hier nicht das Bewusstsein einer Fähigkeit zu erzeugen und aktiv zu

schaffen, im Sinne des stufenweisen Prozesses, der mentales Wirken begleitet,

sondern vielmehr das Gefühl und das Bewusstsein einer Fähigkeit, eine Energie

vom “Ich” auf das “Mich” zu projizieren – einen Prozess des “Wollens”, dass die

mentale Schöpfung beginne und ausgeführt werde. Er findet, dass das “lch” abseits

stehen und dem Wirken der mentalen Schöpfung und Erzeugung des “Mich”

zusehen kann. Dieser duale Aspekt ist im Mind jeder Person. Das “Ich” vertritt das

männliche Prinzip – das “Mich” das weibliche Prinzip des mentalen Geschlechts.

Das “Ich” stellt den Aspekt des “Seins” dar, das “Mich” den Aspekt des

“Werdens”. Ihr werdet bemerken, dass das Prinzip der Entsprechung auf diesem

Plan ebenso wirkt wir auf dem großen Plan, auf dem die Erschaffung von

Universen vollzogen wird. Die beiden sind der Art nach gleich, aber im Grade

sehr verschieden. “Wie oben, so unten, wie unten, so oben.”

Diese beiden Aspekte des Mind – das männliche und das weibliche Prinzip – das

“Ich” und das “Mich” – geben, betrachtet in Verbindung mit den wohl bekannten

mentalen und psychischen Phänomenen, den Meisterschlüssel zu den wenig

erforschten Regionen mentaler Wirksamkeit und Manifestation. Das Prinzip vom

mentalen Geschlecht bringt die Wahrheit, die den Gebieten der Erscheinungen

mentalen Einflusses usw. zugrunde liegt.

Die Tendenz des weiblichen Prinzips geht immer dahin, Eindrücke zu empfangen,

die Tendenz des männlichen Prinzips geht immer dahin, auszugeben, sich zu

äußern. Das weibliche Prinzip leitet das Werk der Erzeugung neuer Gedanken,

Entwürfe, Ideen, das Wirken der Phantasie mit inbegriffen. Das männliche Prinzip

bescheidet sich mit dem Wirken des “Wollens” in seinen verschiedenen Phasen.

Ohne die aktive Hilfe des Willens des männlichen Prinzips ist aber das weibliche

Prinzip geneigt, sich mit der Hervorbringung mentaler Bilder zufrieden zu geben,

welche das Ergebnis von Eindrücken sind, die es von außen erhalten hat, statt

originale mentale Schöpfungen hervorzubringen.

Personen, welche ihre Aufmerksamkeit und ihre Gedanken andauernd auf einen

Gegenstand richten können, wenden beide mentalen Prinzipien an – das weibliche

Prinzip durch aktive mentale Erzeugung, den männlichen Willen dadurch, dass er

den schöpferischen Teil des Mind anspornt und Energie an ihn abgibt. Die meisten

Menschen machen vom männlichen Prinzip nur wenig Gebrauch, sie geben sich

damit zufrieden, nach den Gedanken und Ideen zu leben, die ihrem eigenen

“Mich” vom “Ich” anderer Minds eingeflößt wurden. Wir wollen aber nicht länger

bei diesem Gegenstand verweilen. Mit Hilfe des Schlüssels, den wir euch betreffs

des mentalen Geschlechts gegeben haben, kann dieser Gegenstand aus jedem

guten Lehrbuch der Psychologie studiert werden.

Dem Schüler, der psychische Phänomene studiert, fallen die wunderbaren

Phänomene auf, die unter den Namen Telepathie fallen oder

Gedanken-Übertragung, mentale Beeinflussung, Suggestion, Hypnotismus usw.

Viele haben diese verschiedenen Phasen der Phänomene durch die Theorien zu

erklären gesucht, die von den verschiedenen Lehrern des “dualen Mind”

aufgestellt worden sind. Und in gewisser Hinsicht haben sie Recht, denn in all

diesen Phänomenen kann man die Manifestation zweier verschiedener Phasen

mentaler Aktivität erkennen. Wenn aber die Schüler dieses “duale Mind” im Licht

der hermetischen Lehren über Schwingungen und mentales Geschlecht betrachten,

so werden sie sehen, dass sie den lang gesuchten Schlüssel in Händen haben.

Bei den Phänomenen der Telepathie kann man sehen, wie die schwingende

Energie des männlichen Prinzips einer Person auf das weibliche Prinzip einer

anderen Person projiziert wird; letztere übernimmt die Gedankensaat und lässt sie

in sich reifen. Auf die gleiche Weise wirken Suggestion und Hypnotismus. Das

männliche Prinzip der suggerierenden Person richtet seine Schwingungsenergie

oder Willenskraft auf das weibliche Prinzip einer anderen Person, letztere nimmt

diese Energie auf, macht sie zu ihrer eigenen und handelt und denkt damit

übereinstimmend. Eine Idee, die sich so im Mind einer anderen Person eingenistet

hat, wächst und entwickelt sich und wird mit der Zeit als der rechtmäßig mentale

Nachkomme des Individuums angesehen; in Wirklichkeit aber ist sie dem

Kuckucksei gleich, das in das Sperlingsnest gelegt wird und hier die rechtmäßige

Nachkommenschaft vernichtet und sich häuslich niederläßt. Normalerweise

koordinieren das männliche und das weibliche Prinzip im Mind des Menschen, sie

handeln harmonisch, in Verbindung miteinander. Unglücklicherweise aber ist das

männliche Prinzip des Durchschnittsmenschen zu träge, um zu handeln – die

Willenskraft ist zu wenig entwickelt -, die Folge davon ist, dass solche Menschen

fast gänzlich vom Mind und Willen anderer Menschen beherrscht werden,

welchen sie erlauben, für sie zu denken und zu wollen. Wie wenig originale

Gedanken werden vom Durchschnittsmenschen gedacht, wie wenig originale

Handlungen vollbringt er! Sind nicht die meisten Menschen bloße Schatten und

Echos anderer Menschen, die stärkeren Willen und Mind als sie selbst haben? Und

das kommt daher, dass der Durchschnittsmensch fast ausschließlich in seinem

“Mich”-Bewusstsein weilt und gar nicht erkennt, dass er auch ein “Ich” hat. Er ist

in seinem weiblichen Prinzip polarisiert, und das männliche Prinzip, in welchem

der Wille wohnt, bleibt untätig und ungenutzt.

Die starken Männer und Frauen der Welt manifestieren unabänderlich das

männliche Prinzip des Willens, und ihre Stärke hängt wesentlich von dieser

Tatsache ab. Statt nach den Eindrücken zu leben, die andere auf ihr Mind machen,

beherrschen sie ihr eigenes Mind durch ihren Willen, erlangen so die erwünschte

Art mentaler Bilder und beherrschen überdies noch die Minds anderer. Seht auf

die starken Menschen, wie sie ihre Gedankensaat in die Minds der Massen säen

und dadurch die Massen zwingen, nach dem Wunsch und Willen der Starken zu

denken. Aus diesem Grund sind die Volksmassen so Schafherden ähnliche

Geschöpfe, die niemals eine originale Idee haben, die niemals ihre eigene Macht

mentaler Aktivität gebrauchen.

Die Manifestation des mentalen Geschlechts kann man überall im täglichen Leben

bemerken. Magnetische Personen sind solche, welche ihr männliches Prinzip dazu

anwenden können, ihre Ideen anderen Personen einzuprägen. Der Schauspieler,

der die Zuschauer zu Tränen rührt, wendet dieses Prinzip an. Und so ist es auch

mit dem erfolgreichen Redner, Staatsmann, Prediger, Schriftsteller und mit

anderen Menschen, die öffentliche Aufmerksamkeit erregen. Der eigentümliche

Einfluss, den manche Menschen auf andere ausüben, kommt von der

Manifestation des mentalen Geschlechts nach den oben erwähnten

Schwingungslinien. In diesem Prinzip liegt das Geheimnis des persönlichen

Magnetismus, persönlichen Einflusses und Zaubers usw., ebenso wie auch der

Phänomene, die man allgemein mit dem Namen Hypnose bezeichnet.

Der Schüler, der mit den Phänomenen vertraut ist, von denen man allgemein als

von “psychischen Phänomenen” spricht, wird schon entdeckt haben, was für eine

wichtige Rolle bei den erwähnten Phänomenen jene Kraft spielt, welche die

Wissenschaft “Suggestion” genannt hat. Unter Suggestion sind der Prozess oder

die Methoden zu verstehen, wodurch die Idee auf das Mind eines anderen

Menschen “übertragen” oder dieses Mind “eingeprägt” wird, und dieses Mind

veranlasse wird, in Übereinstimmung mit dieser Idee zu handeln. Um die

verschiedenen psychischen Phänomene, denen Suggestion zugrunde liegt, zu

begreifen, ist es notwendig, die Suggestion genau zu verstehen; außerdem aber

sind Kenntnisse über Schwingungen und über mentales Geschlecht unerlässlich.

Denn das ganze Prinzip von der Suggestion hängt von den Prinzipien vom

mentalen Geschlecht und von den Schwingungen ab.

Bei den Schriftstellern und Lehrern über Suggestion ist es der Brauch, zu erklären,

es sei das “objektive oder willkürliche” Mind, welches den mentalen Eindruck

oder die Suggestion auf das subjektive oder unwillkürliche Mind ausübt. Sie

gehen aber keine Beschreibung des Vorgangs, auch keine Analogie in der Natur,

wodurch wir die Idee leichter erfassen könnten. Wenn ihr aber die Angelegenheit

im Lichte der hermetischen Lehren überdenkt, werdet ihr sehen können, dass die

Übertragung der Schwingungsenergie des männlichen Prinzips auf das weibliche

Prinzip in Übereinstimmung mit den universalen Naturgesetzen ist, und dass die

Natur zahllose Analogien gibt, welche uns das Prinzip leichter verstehen lassen. In

der Tat, die hermetischen Lehren zeigen uns, dass auch die Erschaffung des

Universums demselben Gesetz folgt, dass in allen schöpferischen Manifestationen

– auf den spirituellen, mentalen und physischen Plänen – immer dieses Prinzip vom

Geschlecht wirksam ist, diese Manifestation des männlichen und des weiblichen

Prinzips: “Wie oben, so unten; wie unten, so oben.” Und mehr noch, wenn dieses

Prinzip vom mentalen Geschlecht einmal erfasst und verstanden wurde, dann

können die verschiedenen psychologischen Phänomene auf einmal verständnisvoll

klassifiziert und studiert werden, statt wie bisher im Dunkeln zu bleiben. Das

Prinzip “wirkt sich auch in der Praxis aus”, weil es auf den unveränderlichen

universalen Gesetzen des Lebens beruht.

Wir werden nicht auf eine breite Erörterung oder Beschreibung der verschiedenen

Phänomene mentalen Einflusses oder psychischer Aktivität eingehen. In den

letzten Jahren wurden viele Bücher über diesen Gegenstand geschrieben und

veröffentlicht und viele davon sind gut. In diesen verschiedenen Büchern sind die

Tatsachen der Hauptsache nach richtig dargestellt, allerdings haben die

Schriftsteller versucht, die Phänomene durch ihre eigenen kleinlichen Theorien zu

erklä ren. Der Schüler möge sich mit der Materie bekannt machen. Wenn er die

Theorie vom mentalen Geschlecht anwendet, wird er in das Chaos

widersprechender Theorien und Lehren Ordnung bringen können und noch

überdies, wenn er will, sich zum Meister des Gegenstandes machen. Der Zweck

dieses Werkes ist nicht, weitläufige Schilderungen von psychischen Phänomenen

zu geben, sondern vielmehr, dem Schüler einen Meister-Schlüssel zu geben, mit

welchem er zahlreiche Tore öffnen kann, die in jene Teile des Weisheitstempels

führen, welche er zu erforschen wünscht. Wir hoffen, dass man in dieser

Betrachtung der Lehren des “Kybalions” eine Erklärung finden wird, die viele

verblüffende Schwierigkeiten erhellen wird – einen Schlüssel, der viele Tore

öffnen wird. Vorausgesetzt, dass wir dem Schüler die Mittel geben, durch die er

sich mit jeder Phase des Gegenstandes, die ihn interessiert, vertraut machen kann,

wozu sollten wir noch alle Einzelheiten psychischer Phänomene und mentaler

Wissenschaft eingehend besprechen? Mit Hilfe des “Kybalion” können wir alle

okkulten Bücher von neuem durchgehen, das alte Licht Ägyptens wird viele

dunkle Seiten und unklare Stellen erhellen. Wir sind nicht gekommen, um eine

neue Philosophie darzulegen; wir wollen nur die Umrisse einer großen, weltalten

Lehre geben, welche die Lehren der anderen erklären wird – welche eine große

Versöhnerin und Vermittlerin unter den verschiedenen Theorien und

entgegengesetzten Lehren sein wird.

 
Hermetische Axiome

“Der Besitz von Wissen, wenn er nicht tätig zu Ausdruck und Handlung kommt,

ist gleich dem Aufhäufen kostbarer Metalle – ein nutzloses und törichtes Ding.

Wissen ist wie Reichtum dazu bestimmt, gebraucht zu werden. Dieses Gesetz der

Anwendung ist universal, und derjenige, der es verletzt, leidet durch seinen

Konflikt mit den Naturkräften.”

Das Kybalion

Die hermetischen Lehren, die aus bereits erwähnten Gründen zu allen Zeiten in

den Minds ihrer glücklichen Besitzer sicher verschlossen blieben, waren niemals

dazu bestimmt, nur aufgehäuft und geheim gehalten zu werden. Das Gesetz der

Anwendung ist in den Lehren enthalten, wie man aus obigem Zitat aus dem

“Kybalion” sehen kann, wo dieses Gesetz deutlich ausgesprochen wird. Wissen

ohne Anwendung und Ausdruck ist ein nutzloses Ding, das seinem Besitzer und

der Menschheit nichts Gutes bringt. Hütet euch vor mentalem Geiz, setzt das, was

ihr gelernt habt, in die Tat um! Studiert die Axiome und Aphorismen, aber

wendet sie auch an!

Wir geben weiter unten einige der wichtigeren hermetischen Axiome aus dem

“Kybalion” und fügen jedem einige erläuternde Worte bei. Macht sie euch zu

eigen, übt sie, wendet sie an, denn sie sind nicht eher wirklich euer eigen, bis ihr

sie auch angewendet habt.

“Um eure Stimmung oder euren mentalen Zustand zu ändern, ändert eure

Schwingung.”

Das Kybalion

Man kann seine mentalen Schwingungen durch eine Willensanstrengung ändern,

indem man seine Aufmerksamkeit mit Bedacht auf den Zustand fixiert. Der Wille

lenkt die Aufmerksamkeit und die Aufmerksamkeit ändert die Schwingung.

Pflegt die Kunst der Aufmerksamkeit mit Hilfe des Willens, und ihr habt das

Geheimnis der Bemeisterung der Stimmungen und mentalen Zustände gelöst.

“Um ein unerwünschtes Maß mentaler Schwingung zu beseitigen, lasse das

Prinzip der Polarität wirken und konzentriere dich auf den Pol, der dem, was du

unterdrücken willst, entgegengesetzt ist. Ertöte das Unerwünschte, indem du seine

Polarität änderst.”

Das Kybalion

Das ist eine der wichtigsten hermetischen Formeln. Sie beruht auf wahren

wissenschaftlichen Prinzipien. Wir haben euch gezeigt, dass ein mentaler Zustand

und der diesem entgegengesetzte Zustand nur zwei Pole desselben Dinges sind,

und dass durch mentale Transmutation die Polarität umgekehrt werden kann.

Dieses Prinzip ist den modernen Psychologen bekannt; sie wenden es an, wenn

sie unerwünschte Gewohnheiten ausmerzen wollen und ihre Schüler anweisen,

sich auf die entgegengesetzte Eigenschaft zu konzentrieren. Wenn ihr von Furcht

gequält seid, so verschwendet nicht die Zeit durch Versuche, die Furcht “zu

ertöten”, pflegt vielmehr die Eigenschaft des Mutes, und die Furcht wird

verschwinden. Manche Schriftsteller haben diese Idee durch folgendes Beispiel

zu erläutern gesucht. Um einen dunklen Raum zu erhellen, muss man nicht die

Dunkelheit hinausschaufeln oder hinauskehren; es genügt die Fensterläden zu

öffnen und das Licht hereinzulassen, und die Dunkelheit wird verschwinden. Um

eine negative Eigenschaft zu ertöten, konzentriere man sich auf den positiven Pol

derselben Eigenschaft, dann werden die Schwingungen allmählich aus dem

Negativen ins Positive übergehen und schließlich wird man auf den positiven statt

auf den negativen Pol polarisiert sein. Die Umkehrung ist ebenso wahr, wie schon

viele zu ihrem Leidwesen erfahren haben, wenn sie sich erlaubten, zu lange auf

dem negativen Pol der Dinge zu schwingen. Durch Veränderung seiner Polarität

kann man seine Stimmungen meistern, seine mentalen Zustände ändern, seine

Neigungen bessern und seinen Charakter bilden. Die fortgeschrittenen Hermetiker

verdanken einen Großteil ihrer mentalen Meisterschaft der Anwendung der

Polarität, welche einer der wichtigsten Aspekte mentaler Transmutation ist.

Erinnert euch des (schon früher) zitierten hermetischen Axioms, welches sagt:

“Mind (ebenso wie Metalle und Elemente) kann von Zustand zu Zustand

umgewandelt werden; von Grad zu Grad; von Beschaffenheit zu Beschaffenheit;

von Pol zu Pol; von Schwingung zu Schwingung.”

Das Kybalion

Die Beherrschung der Polarisation ist die Beherrschung der fundamentalen

Prinzipien mentaler Transmutation oder mentaler Alchimie; denn, wenn man

nicht die Kunst erlangt, seine eigene Polarität zu verändern, wie kann man

imstande sein, seine Umgebung zu beeinflussen? Wenn man dieses Prinzip

versteht, kann man seine eigene Polarität ebenso wie die Polarität anderer ändern,

wenn man nur die nötige Zeit, Sorgfalt, Übung und das nötige Studium

aufwendet, diese Kunst zu beherrschen. Das Prinzip ist wahr; die erzielten

Resultate aber hängen ab von der beharrlichen Geduld und Übung des Schülers.

“Rhythmus kann durch die Anwendung der Kunst der Polarisation neutralisiert

werden.”

Das Kybalion

Wie wir schon in den vorhergehenden Kapiteln erklärt haben, sind die Hermetiker

der Ansicht, dass das Prinzip vom Rhythmus sich auf dem mentalen Plan

manifestiert ebenso wohl wie auf dem physischen Plan, und dass das verwirrende

Nacheinander von Stimmungen, Gefühlen, Gemütsbewegungen und anderen

mentalen Zuständen eine Folge des Vorwärts- und Rückwärtsschwingens des

mentalen Pendels ist, welches uns von einem Gefühlsextrem zum anderen trägt.

Die Hermetiker lehren auch, dass das Gesetz der Neutralisation uns weitgehend

befähigt, die Wirkung des Rhythmus im Bewusstsein zu überwältigen. Wie wir

schon erklärt haben, gibt es außer dem gewöhnlichen niederen Plan auch einen

höheren Bewusstseinsplan. Indem sich der Meister mental auf den höheren

Bewusstseinsplan erhebt, lässt er den Schwung des mentalen Pendels auf dem

niederen Plan sich auswirken, während er auf dem höheren Plan weilt und so das

Bewusstwerden des Rückwärtsschwunges vermeidet. Dies wird dadurch erreicht,

dass sich der Meister auf sein höheres Selbst polarisiert und so die mentalen

Schwingungen des Egos über die Schwingungen des gewöhnlichen

Bewusstseinsplanes erhebt. Es ist dies ein Vorgang, ähnlich dem, wenn man sich

über ein Ding erhebt und es unter sich vorbei gehen lässt. Der fortgeschrittene

Hermetiker polarisiert sich in den positiven Pol seines Wesens – in den “Ich

bin”-Pol, nicht in den Pol der Persönlichkeit. Er “verweigert” und “verwehrt” die

Wirksamkeit des Rhythmus, erhebt sich über dessen Bewusstseinsplan, steht fest

in seinem eigenen Wesensstandpunkt und lässt das Pendel auf den niederen Plan

zurückschwingen, ohne seine Polarität zu verändern. So gehen alle Individuen

vor, die irgendeinen Grad von Selbstbeherrschung er reicht haben, ob sie das

Gesetz verstehen oder nicht. Solche Personen “weigern sich” einfach, vom Pendel

der Stimmungen und Gemütsbewegungen zurückgeschwungen zu werden; sie

behaupten ihre Überlegenheit standhaft und bleiben dadurch auf dem positiven

Pol polarisiert. Natürlich erlangt der Meister einen weit höheren Grad von

Fertigkeit, weil er das Gesetz kennt, das er durch ein höheres Gesetz bezwingt.

Durch den Gebrauch seines Willens erreicht er einen Grad der Ruhe und mentalen

Festigkeit, der für denjenigen kaum glaublich erscheint, der sich vom mentalen

Pendel der Stimmungen und Gefühle vorwärts und rückwärts schwingen lässt.

Vergesst aber nie, dass ihr das Prinzip des Rhythmus nicht wirklich aufhebt, denn

dieses ist unzerstörbar. Ihr überwältigt einfach ein Gesetz, indem ihr es durch ein

anderes ausgleicht und so das Gleichgewicht behaltet. Die Gesetze des

Gleichgewichts sind auf den mentalen Plänen ebenso wirksam wie auf den

physischen. Wer diese Gesetze versteht, kann wohl den Eindruck erwecken, als

ob er Gesetze außer Kraft setzen könne, tatsächlich aber stellt er nur das

Gleichgewicht dar.

“Nichts entgeht dem Prinzip von Ursache und Wirkung, aber es gibt viele Pläne

der Kausalität und man kann die Gesetze der höheren Pläne anwenden, um die

Gesetze der niederen Pläne zu überwinden.”

Das Kybalion

Die Hermetiker verstehen es, die Polarisation auszuführen, sie erheben sich zu

einem höheren Kausalitätsplan und gleichen so die Gesetze der niederen

Kausalitätspläne aus. Dadurch, dass sie sich über den Plan der gewöhnlichen

Ursachen erheben, werden sie, in einem gewissen Grad, selbst Ursachen, statt nur

Ursachen unterworfen zu sein. Dadurch, dass sie fähig sind, ihre eigenen

Stimmungen und Gefühle zu beherrschen, den Rhythmus zu neutralisieren, wie

bereits besprochen, können sie einem Großteil der Wirkungen der Kausalität des

gewöhnlichen Planes ausweichen. Die Menschenmassen werden getragen,

gehorchen ihrer Umgebung, dem Willen und Wunsch anderer, Stärkerer als sie

selbst; den Ergebnissen ererbter Neigungen; der Suggestion jener, die über ihnen

stehen; und noch manchen anderen äußeren Ursachen; und von all diesen

Ursachen lassen sie sich gleich Spielfiguren auf dem Schachbrett des Lebens hinund

herschieben. Die fortgeschrittenen Hermetiker aber erheben sich über diese

Einflüsse, suchen einen höheren mentalen Aktionsplan. Dadurch, dass sie ihre

Stimmungen, Gemütsbewegungen, Impulse und Gefühle beherrschen, schaffen

sie für sich selbst einen neuen Charakter, neue Eigenschaften und Kräfte, durch

welche sie ihre gewöhnliche Umgebung überwinden, und so praktisch Spieler

statt Spielfiguren werden. Solche Menschen helfen verständnisvoll das Spiel des

Lebens zu spielen, statt dass sie sich von stärkeren Kräften und Willen und

Einflüssen hin- und herschieben lassen. Sie gebrauchen das Prinzip von Ursache

und Wirkung, statt von ihm gebraucht zu werden. Freilich sind auch die

Erhabensten dem Prinzip, wie es sich auf den höheren Plänen manifestiert,

unterworfen, aber auf den niederen Aktivitätsplänen sind sie Meister, nicht

Sklaven.

Wie “Das Kybalion” sagt:

“Die Weisen dienen auf dem Höheren, aber sie herrschen auf dem Niederen. Sie

gehorchen den Gesetzen, die von oben kommen, aber auf ihrem eigenen Plan und

auf den Plänen unter ihnen herrschen und befehlen sie. Und doch, wenn sie dies

tun, opponieren sie nicht dem Prinzip, sondern bilden einen Teil des Prinzips. Der

Weise macht sich das Gesetz zu eigen; dadurch, dass er es versteht, bedient er

sich des Gesetzes, statt sein blinder Sklave zu sein. Wie ein gewandter

Schwimmer, der sich hin und her wendet, hierhin und dorthin, wie er will, im

Gegensatz steht zu einem Stück Holz, das der Strömung folgen muss, so steht der

Weise im Gegensatz zum gewöhnlichen Menschen – und doch, Schwimmer und

Holzklotz, sie alle sind dem Gesetz untertan. Wer dies versteht, ist weit auf dem

Pfade der Meisterschaft.”

Das Kybalion

Zum Schluss wollen wir eure Aufmerksamkeit wieder auf das hermetische Axiom

lenken:

“Wahre hermetische Transmutation ist eine mentale Kunst.”

Das Kybalion

In diesem Axiom lehren die Hermetiker, dass das große Werk, seine Umgebung

zu beeinflussen, durch mentale Macht vollbracht wird. Da das Universum mental

ist, kann es nur durch Mentalität beherrscht werden. Und in dieser Wahrheit kann

eine Erklärung gefunden werden für all die Phänomene und Manifestationen der

verschiedenen mentalen Kräfte, welche seit den ersten Jahren des zwanzigsten

Jahrhunderts so viel Aufmerksamkeit erregt haben. Hinter und unter den Lehren

der verschiedenen Kulte und Schulen aber bleibt das Prinzip von der mentalen

Substanz des Universums immer konstant. Wenn aber das Universum in seiner

substantiellen Natur mental ist, so folgt daraus, dass mentale Transmutation die

Bedingungen und Phänomene des Universums verändern muss. Wenn das

Universum mental ist, dann muss Mind die höchste Macht sein, die auf seine

Phänomene einwirkt. Wenn dies verstanden wird, dann werden all die

sogenannten “Mirakel” und “Wundertaten” klar als das gesehen, was sie sind.

“Das All ist Mind, das Universum ist mental.”

Das Kybalion